Jede Phase der Stunde – und was sie besser macht
Für jede Phase der Mathestunde: was die Forschung sagt, was Tuttuno daraus gebaut hat, welche Maßstäbe es messen (siehe Evidenz) – und ehrlich, was noch fehlt. Jede Lücke ist eine Aufgabe im Bauplan. Darunter je Phase die Bausteine: der Satz, der wörtlich gesagt wird, und woran man merkt, dass er gewirkt hat.
Warm-up
Zweck: Zurückliegendes abrufen – nicht den Stoff von heute. Jedes Kind rechnet, sofort Rückmeldung.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Abrufen aus dem Gedächtnis festigt stärker als Wiederlesen (Testing Effect). | Roediger & Karpicke 2006; Dunlosky u. a. 2013 | Das Warm-up fragt ab, es erklärt nicht. |
| Wiederholung mit Abstand hält länger als am Stück; der günstigste Abstand wächst mit der Behaltensdauer (etwa 20 bis 40 Prozent bei einer Woche, 5 bis 10 Prozent bei einem Jahr). | Cepeda u. a. 2006 (Metaanalyse); Cepeda u. a. 2008 (günstigster Abstand) | Zwei Aufgaben von vor zwei bis drei Wochen, eine aus dem letzten Ziel. |
| Tägliche kurze Wiederholung ist das erste der zehn Prinzipien wirksamer Instruktion. | Rosenshine 2012 | Jede Stunde beginnt damit, fünf Minuten, ohne Ausnahme außer der Klassenarbeit. |
| Rückmeldung wirkt, wenn sie sofort kommt und sagt, was als Nächstes zu tun ist. | Hattie & Timperley 2007 | Lösung nach zwei Minuten aufdecken, Daumen, dann weiter – kein Einsammeln. |
| Fehlerhafte Lösungsbeispiele festigen Konzepte stärker als nur richtige – bei Vorwissen. | Große & Renkl 2007; Adams u. a. 2014 | Jede vierte Stunde „Finde den Fehler“ aus den bisherigen Zielen. |
Gebaut: Rückblick aus früheren Zielen (lib/stunde.ts Warm-up) · Blitzrechnen in Klasse 1 bis 4 (lib/matheband.ts) · Finde den Fehler jede vierte Stunde, aus bisherigen Zielen (20.09.2026) · Fehlerbild der Klasse als Warm-up (lib/fehlerbilder.ts) · Im Wechsel: Aufgabe, alle zeigen (Finger, Mini-Tafel, Chor), dann die Lösung mit Schritten (Marco, 21.09.2026; lib/bahn.ts imWechsel, Wiliam 2011) · Der Typ, der der Klasse in Strecke und Hausaufgabe wackelt, bekommt die erste Warm-up-Aufgabe (lib/stunde.ts schwerpunkte) · Gewicht nach Anteil (22.09.2026): scheitert mindestens die Hälfte an einem Typ, bekommt er zwei Warm-up-Aufgaben und in der Mischstunde doppelt so viele Übungsaufgaben
Fehlt noch:
- Nur EIN wackelnder Typ je Warm-up, und nur, wenn er zu den früheren Zielen gehört.
Bausteine für diese Phase · 1
- Vom Bekannten ins Unbekannte · Scharnier – beendet die Phase und eröffnet die nächste · 1 Minute
Wörtlich: „Das war die Wiederholung, und sie sitzt. Jetzt kommt etwas, das ihr noch nicht rechnen könnt – legt die Stifte hin und hört erst einmal nur zu.“
Gilt: Nach dem Warm-up, bevor die Frage der Stunde kommt. Entfällt in der Klassenarbeit und in der Pufferstunde.
Woran man es merkt: Die Stifte liegen, und die Blicke gehen nach vorn, ohne dass jemand darum bitten muss. Rechnet ein Teil der Klasse weiter, hat sie den Schnitt nicht gehört – dann den Satz wiederholen und nicht einen Namen rufen, sonst wird aus dem Übergang eine Ermahnung.
Kounin 1970 (Schwung und Reibungslosigkeit); Arlin 1979 (Übergänge kosten mehr Zeit als Erklärungen)
Einstieg
Zweck: Eine Frage öffnen, die die Klasse nicht beantworten kann und beantworten will – bevor das Verfahren kommt.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Neugier entsteht aus einer Lücke zwischen dem, was man weiß, und dem, was man wissen will; sie öffnet das Gedächtnis. | Loewenstein 1994; Gruber, Gelman & Ranganath 2014 | Eine Frage, kein Thema: „Warum sind Dosen rund?“ statt „Heute: Kreisumfang“. |
| Erst selbst versuchen, dann die Erklärung: produktives Scheitern schlägt direkte Instruktion beim Verstehen, wenn danach konsolidiert wird. | Kapur 2014; Schwartz & Bransford 1998 | Kopfschmerz vor Aspirin: die Aufgabe kommt vor dem Verfahren, die Vermutungen werden gesammelt. |
| Vorwissen aktivieren ist die Bedingung dafür, dass Neues anschließt. | Ausubel 1968; Hattie: prior achievement | Der Einstieg fragt nach dem, was die Klasse schon dazu weiß. |
| Genau eine Überraschung: Jeder Bruch kostet Schwung; zwei Wow sind ein Wow und ein Bruch. | Kounin 1970 | Ein Wow je Stunde, gemessen (lib/wow.ts). |
| Offene Fragen scheitern nicht am Öffnen, sondern am Schließen: Die Lehrkraft muss vorher wissen, welche Antworten kommen und in welcher Reihenfolge sie gehört werden. | Smith & Stein 2011 (fünf Praktiken) | Jede offene Frage trägt ihre erwartbaren Antworten und die Auflösung in der Notiz. |
Gebaut: Kopfschmerz vor Aspirin (lib/kopfschmerz.ts) · Aufhänger mit Auflösung auf der Beispielfolie (lib/aufhaenger.ts) · Schätzfrage, Rätsel, Abstimmung als Einstieg (lib/einstieg.ts, lib/viral.ts) · Ein Wow je Stunde (lib/wow.ts) · Drei Vermutungen an die Tafel zwischen Frage und Auflösung – kleinste, größte, Mitte; Handzeichen je Person; je Lager eine Begründung – und die Auflösung greift sie auf (lib/stunde.ts Aufhänger, 21.09.2026; Schwartz & Bransford 1998) · Ein Aufhänger je Inhaltsziel (24.09.2026, lib/aufhaenger-ziel.ts): Vorher bekamen 211 Inhaltsziele die Frage eines früheren Ziels derselben Reihe, weil die Liste im Kreis lief – jetzt trägt jedes Ziel seine eigene, mit Ziel-Nummer und Wortlaut, damit sie nicht über die falsche Stunde rutscht (tests/aufhaenger-ziel.test.ts, Ratsche)
Fehlt noch:
- Die ersten fünf Aufhänger je Thema (lib/aufhaenger.ts) hängen an ihrer POSITION, nicht an ihrem Ziel: Der n-te gehört dem n-ten Ziel, geprüft ist das nicht – über „Ich benenne Katheten und Hypotenuse“ steht der 55-Zoll-Fernseher, der zur Diagonale gehört. Sie müssten wie die neuen (lib/aufhaenger-ziel.ts) ihr Ziel mit Wortlaut tragen.
Bausteine für diese Phase · 4
- Die Vermutungen bleiben stehen · Scharnier – beendet die Phase und eröffnet die nächste · 1 Minute
Wörtlich: „An der Tafel stehen eure Vermutungen, und sie bleiben stehen. Eine davon wird stimmen, und am Ende der Stunde wisst ihr, welche. Dafür zeige ich euch jetzt den Weg.“
Gilt: Nach dem Aufhänger und den drei Vermutungen an der Tafel. Die Vermutungen werden dabei nicht gewischt – das ist der ganze Punkt.
Woran man es merkt: Beim Vorrechnen schaut jemand zur Tafel zurück, wo die Vermutungen stehen. Das ist das Zeichen, dass die Klasse die Erarbeitung als Antwort hört und nicht als Vortrag. Schaut niemand zurück, war die Vermutung nicht die eigene, sondern abgeschrieben – dann beim nächsten Mal jede Vermutung mit Handzeichen zuordnen lassen.
Schwartz & Bransford 1998 (Vorbereitung auf das Zukünftige); Kapur 2014 (produktives Scheitern braucht die Konsolidierung danach) - Die Frage mit zwei vertretbaren Antworten · Einstieg – eine Frage statt einer Abfrage · 3 Minuten
Wörtlich: „Hier stehen zwei Antworten, und für beide gibt es einen guten Grund. Zeigt mit dem Finger auf die, die ihr glaubt – und sagt mir dann, warum.“
Gilt: Immer da, wo die Stunde einen typischen Fehlweg hat – die falsche Antwort ist dann die, die viele wirklich für richtig halten.
Woran man es merkt: Die Finger verteilen sich auf beide Seiten, und mindestens ein Kind begründet die falsche Antwort gut. Zeigen neunzig von hundert sofort auf dieselbe Antwort, war die Frage eine Abfrage und kein Einstieg – dann ist die zweite Antwort zu schwach gewählt und muss der echte Fehlweg der Klasse sein.
Mazur 1997 (Peer Instruction: die Verteilung der Antworten ist die Information); Wiliam 2011 (Scharnierfrage) - Die Auflösung ist heute nicht meine · Einstieg – eine Frage statt einer Abfrage · 1 Minute
Wörtlich: „Ich sage heute nicht, wer recht hat. Das entscheidet am Ende der Stunde die Rechnung, nicht ich.“
Gilt: Einmal je Reihe ausdrücklich aussprechen, danach gilt es stillschweigend. Setzt voraus, dass die Klasse am Ende der Stunde wirklich selbst prüfen kann.
Woran man es merkt: Die Klasse fängt an, miteinander zu streiten, statt nach vorn zu schauen und auf ein Nicken zu warten. Suchen die Blicke weiter die Lehrkraft, fehlt das Mittel, mit dem die Klasse selbst prüfen könnte – dann gehört dieses Mittel in die Erarbeitung, sonst ist der Satz eine Verweigerung.
Yackel & Cobb 1996 (soziomathematische Normen); Kapur 2014 - Zu klein, ungefähr richtig, viel zu groß · Einstieg – eine Frage statt einer Abfrage · 3 Minuten
Wörtlich: „Niemand kann das jetzt ausrechnen, und das sollt ihr auch nicht. Sagt mir nur: zu klein, ungefähr richtig oder viel zu groß.“
Gilt: Wo die Frage eine Zahl verlangt, die noch niemand ausrechnen kann. Nicht bei Begriffsfragen – dort gibt es nichts zu schätzen.
Woran man es merkt: Auch die Kinder legen sich fest, die sonst warten, bis jemand anderes die Zahl genannt hat – drei Finger genügen, niemand kann sich wegducken. Wird die Schätzung am Ende der Stunde nicht wieder aufgegriffen, war es eine Umfrage und kein Einstieg; die Klasse merkt das beim zweiten Mal.
Swan 2005 (Schätzen als Zugang ohne Vorwissen); Loewenstein 1994 (die Neugierlücke braucht eine eigene Festlegung)
Frage oder Abfrage: 876 gebaute Aufhänger geprüft. Keiner verlangt das Wort, das die Lehrkraft schon im Kopf hat.
Was kein Ausdruck entscheidet – die Fragen an die Lehrkraft:
- Kann ein Kind, das von heute noch nichts weiß, eine Antwort geben und sie begründen? Sonst ist der Einstieg eine Abfrage des Vorwissens und trifft immer dieselben drei Kinder.
- Gibt es mindestens zwei Antworten, für die es einen Grund gibt? Eine Frage mit nur einer denkbaren Antwort erzeugt keine Lücke, sondern ein Warten auf das Nicken von vorn (Loewenstein 1994).
- Wird die Antwort durch den Stoff von heute besser – und nicht durch mehr Raten? Das ist die Grenze zum verführerischen Detail: spannend, aber ohne Bezug zum Ziel senkt es das Lernen (Harp & Mayer 1998).
- Kann die Klasse am Ende selbst prüfen, wer recht hatte, ohne dass die Lehrkraft es sagt? Sonst bleibt die Lehrkraft die Instanz, und die Klasse rät weiter, was vorn im Kopf ist (Yackel & Cobb 1996).
- Wenn die Antwort Ja oder Nein ist: Wird die Begründung ausdrücklich verlangt? Sonst rät die halbe Klasse richtig, ohne einen Gedanken gehabt zu haben.
Ziel und rote Linie
Zweck: Die Klasse weiß, was sie am Ende kann, woran sie es merkt, und wo die Stunde in der Reihe steht.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Klarheit der Lehrkraft über Ziel und Erfolgskriterien gehört zu den stärksten Einflüssen (d ≈ 0,75). | Hattie 2009 (teacher clarity); Fendick 1990 | Das Ziel steht an der Wand, beobachtbar formuliert: „Ich berechne …“, nicht „Ich verstehe …“. |
| Erfolgskriterien wirken erst, wenn die Klasse ein Beispiel dafür sieht: Woran merke ich, dass ich es kann? | Wiliam 2011 (success criteria); Sadler 1989 | Neben dem Ziel eine Aufgabe, die man am Ende lösen kann – das Exit-Ticket vorweg. |
| Ein Ziel ohne Anschluss nach vorn und hinten ist für die Klasse eine Einzelstunde. | Ausubel 1968 (advance organizer); Praetorius u. a. 2018 (Strukturiertheit) | Zuletzt – heute – danach auf jeder Zielfolie (rote Linie). |
| Wer den Nutzen selbst formuliert, lernt mehr – besonders bei geringer Erfolgserwartung. | Hulleman & Harackiewicz 2009 | „Wo brauchst du das?“ auf der Zielfolie, einmal je Reihe die Wozu-Schreibaufgabe. |
Gebaut: Zielfolie mit roter Linie aus den echten Nachbarstunden (20.09.2026) · Grundvorstellung als roter Faden der Reihe (lib/fachdidaktik.ts) · Wozu-Folie (lib/motivation.ts)
Fehlt noch:
- Erfolgskriterium fehlt: Die Zielfolie sagt das Ziel, aber nicht „Du kannst es, wenn du eine Aufgabe wie diese löst“ – das Exit-Ticket als Vorschau (Wiliam 2011).
Erarbeitung
Zweck: Vorstellung vor Verfahren, ein Lösungsbeispiel Schritt für Schritt, dann gemeinsam eine Aufgabe – erst dann allein.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Verstehen entsteht, wenn Rechnungen an eine Grundvorstellung anschließen; ein Verfahren ohne Vorstellung zerfällt beim nächsten Kontext. | vom Hofe 1995; Blum & vom Hofe 2003 | Jede Einführungsstunde beginnt mit der Grundvorstellung und ihrer Prüffrage, mit Bild. |
| Lösungsbeispiele entlasten das Arbeitsgedächtnis; Anfänger lernen aus ihnen mehr als aus Problemlösen. Mit steigendem Können kehrt sich das um (expertise reversal). | Sweller 1988; Renkl 2014; Kalyuga 2007 | Ein vollständig vorgerechnetes Beispiel, dann ausgeblendet: gemeinsam eine Aufgabe, dann allein. |
| I do – we do – you do: Die gemeinsame Phase ist die mit der höchsten Fehlerquote, wenn sie fehlt. | Rosenshine 2012 (guided practice); Fisher & Frey 2008 | „Gemeinsam: eine Aufgabe“ als eigene Folie zwischen Beispiel und Üben, mit A-B-C-Schrittfrage. |
| Darstellungswechsel (konkret, bildlich, symbolisch) ist Verstehen, nicht Dekoration. | Bruner 1966; Lesh 1979; Mayer 2009 (Multimedia) | Drei Kästen konkret – Bild – Symbol beim Beispiel; jede Folie mit Gerade, Graph, Koordinaten bekommt ihr Bild. |
| Eine Scharnierfrage nach dem Kern entscheidet, ob die Klasse weiter darf – in dreißig Sekunden, alle zugleich. | Wiliam 2011 (hinge question) | Daumen-Check nach dem Merksatz, bevor geübt wird. |
| Sprache ist Teil des Fachs: Wer den Fachbegriff nicht hat, kann die Aufgabe nicht lesen. | Prediger 2013; Gibbons 2002 (Scaffolding) | Wortspeicher von der Alltagssprache zur Fachsprache, höchstens fünf Wörter. |
Gebaut: Grundvorstellung zuerst mit Bild (lib/fachdidaktik.ts, 20.09.2026) · Beispiel mit CPA-Kästen, Schrittfrage A-B-C, Eselsbrücke (lib/stunde.ts) · Gemeinsam: eine Aufgabe (Rosenshine) · Check nach dem Merksatz (lib/heftprinzip.ts) · Wortspeicher (lib/wortspeicher.ts) · Wahlauftrag für schnelle Kinder nach dem Beispiel: den zweiten Weg still im Heft rechnen (21.09.2026, seit 27.09.2026 auf Tafel und Bahn: lib/bahn.ts `altHeft`, components/Tafel.tsx „hat jemand anders gerechnet?“; Kalyuga 2007) · Nach der Prüffrage: zwei Antworten nebeneinander an die Tafel, eine richtige und eine fast richtige, Unterschied benennen (lib/stunde.ts, 21.09.2026; Schwartz & Bransford 1998) · Wo kein Zweitweg bekannt ist, bekommt das schnelle Kind eine Variation des Beispiels (Schupp 2002) – 22.09.2026
Fehlt noch:
- Der Wahlauftrag steht in der Notiz der Lehrkraft, nicht als eigene Zeile an der Wand – die Variation für Schnelle müsste wie der Zweitweg nach dem letzten Schritt sichtbar werden.
Bausteine für diese Phase · 1
- Vom Zuschauen ins Schreiben · Scharnier – beendet die Phase und eröffnet die nächste · 1 Minute
Wörtlich: „Der Weg steht jetzt vollständig an der Tafel. Zugeschaut habt ihr, jetzt schreibt ihr – zwei Minuten, jeder für sich, und ich sage nichts dazwischen.“
Gilt: Wenn das Lösungsbeispiel vollständig steht, vor dem Merksatz. Der heikelste Wechsel der Stunde, weil die Sozialform springt.
Woran man es merkt: Es wird still, ohne dass jemand ermahnt wird, und nach dreißig Sekunden schreiben alle. Wer nach einer Minute noch nicht angefangen hat, verweigert nicht das Schreiben, sondern hat den Merksatz nicht verstanden – dorthin gehen und fragen, welches Wort fehlt.
Kounin 1970 (der Bruch liegt im Wechsel der Sozialform); Leinhardt & Greeno 1986 (Routinen für Segmentwechsel)
Sicherung und Merksatz
Zweck: Etwas steht am Ende fest – im Heft, in einem Satz, den man in der Arbeit wiedererkennt.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Was nicht aufgeschrieben und wieder gelesen wird, ist nach einer Woche weg; der Hefteintrag ist das Gedächtnis der Klasse. | Ebbinghaus 1885; Kornell & Bjork 2008 | Jede Stunde ein vollständiger Hefteintrag: Datum, Überschrift, Merksatz, eine Rechnung. |
| Ein Merksatz wird übertragen, wenn er kurz ist, eine Handlung nennt und ein Beispiel daneben hat; ein Absatz wird abgekürzt, nicht gelernt. | Sweller 1988; Renkl 2014; Rittle-Johnson & Star 2007 | Acht Regeln für Merksätze, alle 691 geprüft (lib/merksatz-regeln.ts). |
| Selbst erklären festigt stärker als Zuhören. | Chi u. a. 1994; Fiorella & Mayer 2015 | Vor dem Merksatz ein Kind erklären lassen; Erklärauftrag als Hausaufgabe. |
| Sicherung ist der Teil, der bei Zeitnot zuerst gestrichen wird – und der, der am meisten fehlt. | Praetorius u. a. 2018; Helmke 2012 | Der Griff „kürzen“ streicht nie die Sicherung (lib/stunde-edit.ts). |
Gebaut: Heftprinzip mit Heftspalte (lib/heftprinzip.ts) · Merksatz-Regeln und Test (lib/merksatz-regeln.ts, 20.09.2026) · Lückentext zum Merksatz (Presenter) · Sicherung bleibt beim Kürzen · Halt „Sag den Satz in deinen Worten“ vor jedem Merksatz auf Tafel und Bahn (lib/bahn.ts, 21.09.2026; generation effect) · Zwei Minuten Hefteintrag nach dem Merksatz: eigener Halt mit Pause, der Autopilot wartet, die Uhr zeigt Einzelarbeit (lib/bahn.ts, 21.09.2026)
Fehlt noch:
- Die gesammelten Schülerfassungen stehen nicht neben dem Original: Ein Halt „Welcher Satz ist genauer – und warum?“ (Vergleich der Fassungen mit dem Merksatz) fehlt noch; bis dahin passiert der Vergleich mündlich.
Bausteine für diese Phase · 6
- Der Merksatz wird zum Werkzeug · Scharnier – beendet die Phase und eröffnet die nächste · 1 Minute
Wörtlich: „Der Merksatz steht im Heft, und ab jetzt braucht ihr ihn: Die erste Aufgabe ist genau der Fall von eben, nur mit anderen Zahlen. Lasst die Seite offen liegen.“
Gilt: Nach dem Hefteintrag, vor der ersten eigenen Aufgabe. Die erste Übungsaufgabe muss dafür wirklich der Fall aus dem Beispiel sein.
Woran man es merkt: Die Hefte bleiben bei der Merksatzseite offen, statt umgeblättert zu werden. Wer die Seite zuklappt, hat den Satz als Pflicht verstanden und nicht als Werkzeug – dann laut vorlesen lassen, wie die erste Aufgabe mit dem Satz beginnt.
Rosenshine 2012 (angeleitetes Üben schließt unmittelbar an); Renkl 2014 (das Beispiel muss zur ersten Aufgabe passen) - Der Eintrag für den Blick in vier Wochen · Sicherung – was im Heft stehen muss · 3 Minuten
Wörtlich: „Schreibt so, dass ihr es in vier Wochen noch versteht. Vier Zeilen: oben das Datum und die Frage von heute, darunter der Merksatz, darunter eine gerechnete Aufgabe mit allen Schritten, und ganz unten die Achtung-Zeile mit dem Fehler, den wir gefunden haben.“
Gilt: Jede Einführungsstunde. In Festigungsstunden genügen die Zeilen zwei und vier, weil die Frage dieselbe geblieben ist.
Woran man es merkt: Der Test ist nicht das Heft von heute, sondern das Heft von vor vier Wochen: ein Kind aufrufen, die alte Seite aufschlagen lassen und fragen, worum es damals ging. Kommt die Antwort aus der Seite und nicht aus der Erinnerung, trägt der Eintrag. Kommt sie aus der Erinnerung, fehlt meistens die Frage oben – der Merksatz allein sagt nicht, wozu er da war.
Kiewra 1985 (Mitschrift wirkt nur verarbeitet und wiederlesbar); Ebbinghaus 1885; Kornell & Bjork 2008 - Die durchgestrichene Zeile · Sicherung – was im Heft stehen muss · 1 Minute
Wörtlich: „Schreibt den falschen Weg auch auf und streicht ihn durch. Wer nur das Richtige im Heft hat, tappt beim nächsten Mal wieder in dieselbe Falle.“
Gilt: Immer dann, wenn in der Stunde ein typischer Fehler wirklich aufgetreten ist. Ohne echten Anlass weggelassen – ein erfundener Fehler lehrt einen Fehler.
Woran man es merkt: In der nächsten Klassenarbeit steht bei dieser Aufgabe seltener genau dieser Fehler – zählbar, weil das Fehlerbild der Klasse dieselbe Zahl vorher und nachher führt. Wird die Zeile nicht durchgestrichen, sondern nur geschrieben, ist sie gefährlich: dann die Klasse den Strich zeigen lassen, bevor weitergemacht wird.
Große & Renkl 2007; Adams u. a. 2014 (fehlerhafte Lösungsbeispiele festigen bei vorhandenem Vorwissen) - Das Fragezeichen am Rand · Sicherung – was im Heft stehen muss · 1 Minute
Wörtlich: „Setzt ein Fragezeichen an den Rand, wenn eine Zeile für euch nicht stimmt. Das Fragezeichen ist kein Eingeständnis, sondern mein Auftrag für morgen.“
Gilt: Jede Stunde, ab der zweiten Woche mit dieser Klasse – vorher glaubt niemand, dass daraus keine Note wird.
Woran man es merkt: Beim Rundgang sind die Fragezeichen vom Gang aus zu sehen, ohne dass man ein Heft anfassen muss – daraus wird das Warm-up der nächsten Stunde. Null Fragezeichen in einer ganzen Klasse heißt nicht, dass alle verstanden haben, sondern dass dem Auftrag nicht geglaubt wird: dann selbst ein Fragezeichen an die Tafel setzen und sagen, was daran morgen anders wird.
Black & Wiliam 1998 (formative Rückmeldung wirkt, wenn der Unterricht sich danach ändert); Kiewra 1985 - Die eigene Fassung neben dem Merksatz · Sicherung – was im Heft stehen muss · 2 Minuten
Wörtlich: „Schreibt euren eigenen Satz unter den Merksatz. Danach vergleichen wir beide: Welcher Satz ist genauer, und woran liegt das?“
Gilt: Nach dem Halt „Sag den Satz in deinen Worten“ – der Vergleich ist der Teil, der bisher nur mündlich passiert (lib/phasen-didaktik.ts, Lücke Sicherung).
Woran man es merkt: Im Vergleich fällt ein Wort, das vorher niemand gesagt hat – meistens genau das Wort, das der Merksatz braucht und die eigene Fassung weglässt. Bleibt der Vergleich aus, ist die eigene Fassung eine Abschrift mit anderen Worten und kostet zwei Minuten umsonst.
Chi u. a. 1994 (Selbsterklärung); Mueller & Oppenheimer 2014 (eigene Formulierung schlägt wörtliche Mitschrift) - Die Notbremse: drei Minuten, die immer gehen · Puffer – zu viel Zeit, zu wenig Zeit · 3 Minuten
Wörtlich: „Wir sind heute nicht durchgekommen, und das ist kein Problem. Drei Dinge noch: Der Merksatz kommt ins Heft, die Hausaufgabe ist die dritte Aufgabe, und dann zeigt mir jeder den Daumen zum Ziel von heute.“
Gilt: Wenn weniger als zehn Minuten bleiben und der Plan mehr braucht. Drei Minuten vor dem Ende ziehen, nicht eine.
Woran man es merkt: Beim Klingeln ist der Merksatz geschrieben, die Hausaufgabe steht und die Daumen sind gezählt – die Stunde hat also ihre Sicherung und ihre Rückmeldung behalten. Fehlt eines der drei Dinge, wurde die Notbremse zu spät gezogen; sie braucht drei Minuten, und drei Minuten sind länger, als sie sich anfühlen.
Praetorius u. a. 2018 (Strukturiertheit); Black & Wiliam 1998 (auch die kürzeste Rückmeldung steuert die nächste Stunde)
Der Hefteintrag, der in vier Wochen noch spricht – vier Zeilen:
- Datum und die Frage von heute Der Merksatz allein sagt in vier Wochen nicht, wozu er da war.
- Der Merksatz Kurz, eine Handlung, ein Beispiel daneben – die acht Regeln stehen in lib/merksatz-regeln.ts.
- Eine gerechnete Aufgabe mit allen Schritten Ein Verfahren ohne Beispiel ist beim Wiederlesen nicht nachvollziehbar (Renkl 2014).
- Die Achtung-Zeile mit dem durchgestrichenen Fehler Was nur richtig im Heft steht, schützt nicht vor der Falle (Große & Renkl 2007).
Üben
Zweck: Selbst rechnen, in Wahl, gemischt, mit Selbstkontrolle – die Lehrkraft geht herum, statt vorn zu stehen.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Gemischtes Üben (verschiedene Typen durcheinander) hält länger als geblocktes, auch wenn es sich schwerer anfühlt. | Rohrer & Taylor 2007; Rohrer 2012 | Festigungsstunden mischen aus bisherigen Zielen; Einführungsstunden üben den neuen Typ. |
| Produktives Üben: Aufgaben mit Struktur (Päckchen, Familien) statt Kolonnen – die Klasse entdeckt die Regel beim Rechnen. | Wittmann 1992; Winter 1984 | Aufgabenfamilien mit Entdeckung und Frage; Päckchen-Anteil als Ratsche. |
| Wahl nach Bereitschaft (Basis, Grund, Stern) wirkt stärker als Zuteilung durch die Lehrkraft. | Tomlinson 2001; Deci & Ryan 2000 (Autonomie) | Drei Niveaus, die Klasse wählt; Starthilfe bei Basis. |
| Selbstkontrolle mit Lösung neben der Aufgabe schlägt Warten auf die Lehrkraft. | Renkl 2014; Hattie: feedback | QR-Selbstkontrolle je Aufgabe, Lösungen an der Theke. |
| Der Rundgang in der Übungsphase ist die Beziehungszeit der Stunde; Erklären von vorn kostet sie. | Spilt, Koomen & Thijs 2011; Kounin 1970 (withitness) | Ansage: Lehrkraft geht herum, Fokuskinder zuerst. |
| Zeit je Aufgabe, nicht Anzahl: Wer zu viele Aufgaben stellt, verliert die Sicherung. | Helmke 2012; Seidel & Shavelson 2007 | Taktung je Aufgabe, Übungsmaß statt Liste (lib/uebungsmass.ts). |
Gebaut: Interleaving in Festigungsstunden, Aufgabenfamilien (lib/familie.ts) · Wahlaufgaben auf drei Niveaus (Schalter differenzieren) · QR-Selbstkontrolle, Lerntheke, Stationen · Übungsmaß und Takt · Rundgang-Ansage, Fokuskinder · Nur bisherige Ziele, kein Vorgriff – Ratsche 0 harte Funde über 852 Stunden (lib/rotfaden.ts, 21.09.2026) · Die Typen, die der Klasse in Strecke und Hausaufgabe der letzten zwei Wochen wackeln, stehen in der Übungsphase zuerst (lib/stunde.ts schwerpunkte) · Partnerbesprechung als Halt zwischen den Aufgaben und ihren Lösungen – Think-Pair-Share, 90 Sekunden (lib/bahn.ts mitPartnerbesprechung, 22.09.2026) · Gewicht nach Anteil (22.09.2026): Typen, an denen mindestens die Hälfte scheitert, stehen doppelt im Vorrat der Mischstunde – doppelt so viele Aufgaben
Fehlt noch:
- Die Übungsphase folgt dem Stand der Klasse, nicht dem des Kindes – die Stufe je Kind gibt es nur auf der Strecke (Lernmodus Klassenverband mit Geräten); ohne Geräte bleibt die Wahlaufgabe die einzige Differenzierung.
Bausteine für diese Phase · 7
- Mitten in der Aufgabe aufhören dürfen · Scharnier – beendet die Phase und eröffnet die nächste · 1 Minute
Wörtlich: „Stopp mitten in der Aufgabe, das ist in Ordnung – wir rechnen sie morgen zu Ende. Jetzt will ich nur wissen, wo ihr steht: eine Aufgabe, ohne Namen.“
Gilt: Immer, wenn die Übungsphase endet – auch und gerade dann, wenn die Klasse gut arbeitet.
Woran man es merkt: Niemand fragt, ob er noch fertig rechnen darf, und die Zettel sind in zwei Minuten verteilt. Kommt die Frage trotzdem von mehreren, war die Übungsphase zu knapp getaktet und nicht die Ansage zu leise – dann beim nächsten Mal eine Aufgabe weniger.
Helmke 2012 (Zeit je Aufgabe statt Anzahl); Black & Wiliam 1998 (die Rückmeldung am Ende ist wichtiger als die letzte Aufgabe) - Die zweite Zahl in Klammern · Differenzierung – ohne eine einzige Kopie · 0 Minuten
Wörtlich: „In jeder Aufgabe steht eine zweite Zahl in Klammern. Nehmt die, mit der ihr rechnen wollt – der Weg ist bei beiden derselbe.“
Gilt: In jeder Übungsphase, in der die Rechenlast und nicht das Verfahren die Hürde ist. Nicht bei Textaufgaben – dort liegt die Hürde im Lesen.
Woran man es merkt: Ein Kind, das sonst nach fünf Minuten aufgibt, hat nach fünf Minuten ein Ergebnis und rechnet weiter. Greift die ganze Klasse zur Klammer, war die Hauptzahl zu groß gewählt und nicht die Klasse zu schwach – dann die Zahlen tauschen, nicht die Ansage wiederholen.
Tomlinson 2001 (Differenzierung beim Zugang, nicht beim Ziel); Wittmann 1992 (die Struktur der Aufgabe bleibt) - Die Aufgabe rückwärts für die Schnellen · Differenzierung – ohne eine einzige Kopie · 0 Minuten
Wörtlich: „Wer fertig ist, erfindet eine Aufgabe mit demselben Weg und einem anderen Ergebnis und gibt sie dem Nachbarn. Die Lösung schreibt ihr auf die Rückseite.“
Gilt: Statt einer Zusatzaufgabe für die, die vor den anderen fertig sind. Setzt voraus, dass der Nachbar noch rechnet – sonst bleibt die erfundene Aufgabe liegen.
Woran man es merkt: Es entsteht kein Zusatzblatt und keine Warteschlange am Pult. Kommt eine Aufgabe zurück, die einen anderen Weg braucht, hat das schnelle Kind den Typ noch nicht erkannt – das ist der wertvollere Befund als ein fehlerfrei gerechnetes Blatt und gehört ins Warm-up von morgen.
Schupp 2002 (Aufgabenvariation); Silver 1994 (Aufgaben erfinden als Diagnose) - Der Tipp an die Tafel statt zum dritten Kind · Differenzierung – ohne eine einzige Kopie · 1 Minute
Wörtlich: „Drei von euch haben mich dasselbe gefragt. Ich schreibe die Antwort an die Tafel, dann muss sie niemand einzeln holen.“
Gilt: Sobald dieselbe Frage zum dritten Mal kommt. Vorher nicht – zwei gleiche Fragen sind Zufall, drei sind ein Muster.
Woran man es merkt: Die Zahl der gehobenen Hände fällt sofort, und der Rundgang kommt endlich bei den Kindern an, die noch gar nichts gefragt haben. Wer nach dem Tafeltipp dieselbe Frage trotzdem stellt, braucht keine Wiederholung, sondern eine andere Erklärung – meistens fehlt eine Stufe davor.
Kounin 1970 (Überlappung: eine Antwort für viele, ohne die Phase zu unterbrechen); Rosenshine 2012 - Die erste Zeile steht schon da · Differenzierung – ohne eine einzige Kopie · 0 Minuten
Wörtlich: „Bei der ersten Aufgabe steht der Anfang schon da. Wer ihn braucht, schreibt ihn ab und rechnet weiter; wer nicht, deckt ihn mit der Hand zu und fängt selbst an.“
Gilt: Bei der ersten Aufgabe jeder Übungsphase einer Einführungsstunde. In Festigungsstunden weglassen, sonst wird die Hilfe zur Gewohnheit.
Woran man es merkt: Die Hände für „Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll“ bleiben aus, und die Übungsphase beginnt für alle zur selben Zeit. Schreibt die ganze Klasse die Startzeile ab, war sie nicht die Hilfe, sondern schon die halbe Lösung – dann beim nächsten Mal nur die Überschrift der ersten Zeile hinschreiben.
Renkl 2014 (verblassende Lösungsbeispiele); Kalyuga 2007 (wer es kann, verliert durch dieselbe Hilfe) - Der Blick bei Minute 22 · Puffer – zu viel Zeit, zu wenig Zeit · 1 Minute
Wörtlich: „Wir lassen die letzte Aufgabe heute weg. Der Merksatz und das Exit-Ticket kommen trotzdem – die brauchen wir morgen.“
Gilt: Zur Hälfte der Stunde, wenn der Plan hinter der Zeit liegt. Der Satz an die Klasse kommt nur, wenn wirklich etwas wegfällt.
Woran man es merkt: Die Stunde endet mit dem Merksatz im Heft und nicht mit dem Klingeln mitten in einer Rechnung. Wer diesen Satz erst bei Minute 40 sagt, sagt ihn zu spät: Dann ist die Sicherung die einzige Stelle, an der noch Zeit zu holen wäre, und sie ist die falsche.
Praetorius u. a. 2018; Helmke 2012 (die Sicherung wird bei Zeitnot zuerst gestrichen); Seidel & Shavelson 2007 - Zehn Minuten übrig · Puffer – zu viel Zeit, zu wenig Zeit · 10 Minuten
Wörtlich: „Wir haben zehn Minuten mehr, als ich gedacht habe. Klappt die Hefte zu: Ich stelle drei Fragen zum Merksatz, und ihr antwortet, ohne nachzusehen.“
Gilt: Wenn der Plan vor der Zeit fertig ist. Kein neues Thema – der Vorgriff kostet die nächste Stunde ihren Einstieg.
Woran man es merkt: Die dritte Antwort kommt schneller und genauer als die erste – das ist der Abrufeffekt, und er ist in der Stunde hörbar. Antworten immer dieselben drei Kinder, ist daraus ein Gespräch geworden und kein Abruf: dann schriftlich weitermachen, alle gleichzeitig, dreißig Sekunden je Frage.
Roediger & Karpicke 2006 (Abrufen festigt stärker als Wiederlesen); Rosenshine 2012 (kurze Wiederholung statt neuer Stoff)
Exit-Ticket und Rückmeldung
Zweck: Eine Frage, anonym, alle – und die nächste Stunde reagiert darauf.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Formative Rückmeldung ist eine der wirksamsten und billigsten Maßnahmen – wenn der Unterricht sich danach ändert. | Black & Wiliam 1998; Wisniewski, Zierer & Hattie 2020 | Eine Frage zum Ziel, nicht vier; das Ergebnis steuert das Warm-up der nächsten Stunde. |
| Anonymität senkt die Hürde, ehrlich zu antworten; Namen verwandeln Diagnose in Bewertung. | Wiliam 2011; Deci & Ryan (Kontrolle) | Ohne Namen, ohne Note – Zettel oder Handy. |
| Metakognition: Die Frage nach dem eigenen Vorgehen („Zuerst …, dann …“) wirkt über das Fach hinaus. | Schraw 1998; Hattie: metacognitive strategies d ≈ 0,6 | Neben der Aufgabe der Satz „Zuerst …, dann …“. |
Gebaut: Exit-Ticket eine Frage, Live-Ticket per QR (lib/exitverlauf.ts) · Verlauf je Reihe auf der Klassenseite · Rückkopplung ins Warm-up und in die Hausaufgabe (lib/rueckkopplung.ts) · Diagnose der Falschantworten: getippte Ergebnisse gegen die typischen Fehlwege, auf der Lehrerfolie als Flüchtigkeit, Verfahren, Vorstellung mit dem Rat für morgen (lib/abstimmung.ts fehlerartVon, lib/fehlerverlauf.ts exitDiagnose, 21.09.2026; Wiliam 2011)
Fehlt noch:
- Die Diagnose greift nur bei Zahlenantworten, die einen bekannten Fehlweg treffen (Komma, Zwischenergebnis, Prozent, Vorzeichen, Einheit, Nachbar) – Fehler im Verfahren, die ein anderes Ergebnis liefern, bleiben „unklar“; eine kurze Rückfrage („Wie hast du gerechnet?“ als Auswahl) fehlt.
Bausteine für diese Phase · 1
- Die Hausaufgabe hat einen Absender · Scharnier – beendet die Phase und eröffnet die nächste · 1 Minute
Wörtlich: „Zettel in die Mitte des Tisches. Die Hausaufgabe ist derselbe Typ wie die zweite Aufgabe von eben – wer die konnte, braucht heute Abend zwanzig Minuten.“
Gilt: Nach dem Exit-Ticket, in den letzten zwei Minuten. Setzt voraus, dass die Hausaufgabe ein Typ aus der heutigen Übungsphase ist.
Woran man es merkt: Es kommt keine Rückfrage, was genau zu tun ist. Kommen drei Rückfragen, enthält die Hausaufgabe einen Typ, der heute nicht geübt wurde – das ist kein Ordnungsproblem, sondern ein Planungsfehler und gehört in die Rückkopplung.
Trautwein 2007 (kurz, regelmäßig, nichts Neues); Cooper, Robinson & Patall 2006
Hausaufgabe
Zweck: Kurz, regelmäßig, nur Bekanntes, mit Rückmeldung – und in der nächsten Stunde besprochen.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Wirksam sind kurze, regelmäßige Hausaufgaben mit hoher Qualität; Menge und Zeit bringen nichts, Kontrolle allein auch nicht. | Trautwein 2007; Trautwein & Köller 2003 | Vier Aufgaben, etwa zwanzig Minuten, nichts Neues. |
| Rückmeldung zur Hausaufgabe ist der Teil, der wirkt; unkommentierte Abgabe wirkt kaum. | Cooper, Robinson & Patall 2006; Hattie | Handy-Hausaufgabe mit sofortiger Rückmeldung; Besprechung in der nächsten Stunde. |
| Eltern helfen durch Nachfragen, nicht durch Kontrollieren. | Moroni u. a. 2015; Patall u. a. 2008 | Elternfragen zum Thema im Digest, nie „prüfen Sie nach“. |
| Erklären in Erwartung des Erklärens vertieft das Verstehen. | Fiorella & Mayer 2013 | Erklärauftrag als letzte Hausaufgabe: einem Erwachsenen den Merksatz erklären. |
Gebaut: Hausaufgabe aus der Stunde, Handy-Fassung mit Rückmeldung (lib/hausaufgabe.ts) · Wochen-Hausaufgabe, Erklärauftrag · Elternfragen und Digest (lib/elternfragen.ts) · Besprechung im Warm-up der Folgestunde · Hausaufgabe nach Stand: von der Strecke aus dieselben Typen und dieselbe Zahl, aber Basis mit Starthilfe für wen hängt, mehr ★ für wen sicher ist (lib/hausaufgabe.ts haVarianteFuer, 21.09.2026; Trautwein 2007) · Kärtchen-Code statt Token (22.09.2026): vom Blatt oder der Klassenseite aus tippt das Kind seinen Code, die Hausaufgabe folgt seinem Stand
Fehlt noch:
- Der Kärtchen-Code muss getippt werden; ein QR je Kind auf dem Hausaufgabenblatt (aus den Kärtchen der Klasse) würde ihn ersparen.
Übergänge
Zweck: Der Wechsel von Phase zu Phase kostet keine Minuten und keinen Schwung.
| Befund | Quelle | Folgerung für die Stunde |
|---|---|---|
| Unterricht geht an den Übergängen verloren, nicht in den Phasen: Material, Lautstärke, Startsignal müssen vorher klar sein. | Kounin 1970 (smoothness, momentum) | Jede Phase hat einen Übergangssatz mit Material und Signal (lib/uebergang.ts). |
| Rituale sparen Anweisungen: Dieselbe Geste für Daumen, denselben Satz für den Start. | Evertson & Emmer 2009 (classroom management) | Zwei feste Check-Momente, immer dieselbe Geste. |
Gebaut: Übergangssätze je Phase (lib/uebergang.ts) · Feste Checkpunkte (lib/heftprinzip.ts) · Uhr mit Takt und Anhalten (Presenter) · „Wer holt was, wie lange“ im Übergangssatz, wo Material im Spiel ist (lib/uebergang.ts, 21.09.2026; Kounin)
Fehlt noch:
- Der Übergangssatz kennt den Raum nicht: Ob das Material im Regal, am Lehrertisch oder schon auf dem Tisch liegt, müsste die Klasse einmal eintragen – bis dahin gilt „jeder das eigene“.