Wenn ein Kind nicht in die Schule kann – was belegt ist
Ausgefallener Unterricht, lange Krankheit, Long Covid. Hier steht, was das Lernen zu Hause trägt und was nicht – jeder Befund mit Quelle, Jahreszahl und der Einschränkung, die dazugehört. Diese Seite baut keinen Lernplan und gibt keinen medizinischen Rat; sie sagt, was ein Lernplan versprechen darf.
Was wirkt beim Lernen zu Hause ohne Lehrkraft?
In einem Satz: Struktur von außen, Abfrage statt Lesen, Abstand statt Block – und eine Person, die sich meldet. Selbstregulation ist das Ziel des Plans, nicht seine Voraussetzung.
| Befund | Quelle | Einschränkung | Folgerung |
|---|---|---|---|
| Selbstreguliertes Lernen – Ziel setzen, planen, tun, prüfen, anpassen – ist lehrbar und hebt die Leistung, wenn es ausdrücklich unterrichtet wird; in der Grundschule ebenso wie in der Sekundarstufe. | Zimmerman 2002 (Zyklusmodell); Dignath & Büttner 2008 (Metaanalyse, 49 Studien Grundschule und 35 Sekundarstufe); Dignath, Buettner & Langfeldt 2008 (Metaanalyse Grundschule) | Die Trainings wurden fast alle von Forschenden durchgeführt, dauerten wenige Wochen und wurden unmittelbar danach gemessen – im Klassenzimmer, nicht zu Hause und nicht allein. Wenn Lehrkräfte die Trainings selbst durchführten, fielen die Effekte kleiner aus. Ob die Wirkung Monate später und ohne Begleitung hält, ist kaum untersucht. | Die Struktur kommt von außen und wird ausdrücklich gezeigt, nicht vorausgesetzt. Ein Plan, der Selbstregulation VERLANGT, statt sie zu leihen, wählt die Kinder aus, die sie schon haben. |
| Kinder können bis etwa zum zehnten Lebensjahr nicht zuverlässig beurteilen, ob sie etwas verstanden haben; sie überschätzen ihr Wissen systematisch. Die Treffsicherheit der Selbsteinschätzung und die daraus folgenden Lernentscheidungen wachsen erst zwischen etwa sieben und zwölf Jahren deutlich. | Roebers 2014 (Übersicht zur Entwicklung von Monitoring und Kontrolle); Schneider 2008; Metcalfe & Finn 2013 | Gemessen überwiegend an Gedächtnisaufgaben im Labor, nicht an Schulstoff; die Unterschiede zwischen Kindern desselben Alters sind groß. Und die Grenze ist keine Schwelle: Auch Erwachsene halten Wiederlesen für wirksamer, als es ist. | Das Kind darf nicht entscheiden, wann ein Ziel sitzt. Diese Entscheidung gehört an eine Messung – in Tuttuno an die Strecke, die dreimal richtig und dann mit Abstand verlangt (lib/strecke.ts, Befund `mastery` in lib/forschung.ts). |
| Wenn Lernende in Lernprogrammen selbst steuern, was und wie viel sie bearbeiten, lernen sie im Mittel nicht mehr – der Effekt liegt nahe null. | Karich, Burns & Maki 2014 (Metaanalyse zur Lernendensteuerung in computergestütztem Unterricht, Review of Educational Research) | „Steuerung“ ist in den Studien sehr Verschiedenes: Tempo selbst bestimmen ist etwas anderes als die Auswahl der Inhalte. Die Studien stammen überwiegend aus dem Hochschulbereich, und sie messen Programme im Unterricht, nicht Wochen allein zu Hause. | Die Wahl liegt im Wie, nicht im Was: Zwei Wege zur selben Aufgabe ja, freie Auswahl des Stoffes nein. Das Tempo bestimmt das Kind – bei kranken Kindern zwingend (siehe PACING_REGELN). |
| Struktur und Selbstbestimmung sind keine Gegensätze. Lehrkräfte, die viel Struktur geben UND autonomieunterstützend arbeiten, haben die engagiertesten Klassen; wenig Struktur erzeugt kein Mehr an Selbstbestimmung, sondern Orientierungslosigkeit. | Jang, Reeve & Deci 2010 (Journal of Educational Psychology); Deci & Ryan 2000 | Beobachtungsstudie in Klassenzimmern über ein Halbjahr, kein Experiment – die Richtung des Zusammenhangs ist nicht bewiesen. Übertragung auf das Lernen allein zu Hause ist eine Annahme. | Der Plan darf eng sein, ohne bevormundend zu sein: Der Stoff steht fest, der Weg ist wählbar, der Grund wird gesagt. „Vorstrukturierung gegen Selbstbestimmung“ ist eine falsche Alternative. |
| Entdecken ohne Führung schadet Anfängern; geführtes Entdecken mit Erklärung, Rückmeldung und ausgearbeiteten Beispielen nützt. | Kirschner, Sweller & Clark 2006; Alfieri, Brooks, Aldrich & Tenenbaum 2011 (Metaanalyse: ungeführtes Entdecken unterlegen, geführtes überlegen) | Gilt für Anfänger; bei Fortgeschrittenen kehrt sich der Vorteil ausgearbeiteter Beispiele um (Kalyuga u. a. 2003). Ein Kind, das ein Thema schon kann, braucht die Führung nicht. | Zu Hause steht die Erklärung VOR der Übung, nicht dahinter. Kein Arbeitsblatt ohne Lösungsweg, kein Auftrag ohne Beispiel – es ist niemand da, den man fragen könnte. |
| Verteiltes Üben schlägt Üben am Stück; der günstige Abstand wächst mit der Zeit, über die etwas behalten werden soll – anteilig schrumpft er, von etwa zwanzig bis vierzig Prozent bei einer Woche auf fünf bis zehn Prozent bei einem Jahr. | Cepeda, Pashler, Vul, Wixted & Rohrer 2006 (Metaanalyse, 839 Vergleiche aus 317 Experimenten in 184 Artikeln); Cepeda, Vul, Rohrer, Wixted & Pashler 2008 (günstigster Abstand) | Überwiegend Laborstudien mit kurzem Material (Vokabeln, Fakten) und kurzen Behaltensfristen. Für komplexe Schulinhalte über ein Halbjahr ist der günstige Abstand nicht bestimmt. | Übernommen wie im Unterricht: Wiederholung nach 3, 7, 14 und 30 Tagen. Zu Hause wichtiger als in der Schule, weil niemand sonst den Rückblick anstößt. |
| Sich selbst abfragen festigt stärker als Wiederlesen – und stärker, als die Lernenden selbst glauben. | Roediger & Karpicke 2006; Adesope, Trevisan & Sundararajan 2017 (Metaanalyse, 118 Studien); Kornell & Bjork 2007 (die Mehrheit der Studierenden wiederholt durch Wiederlesen) | Am besten belegt für Stoff, der schon verstanden ist, und für Wissen mehr als für Transfer; bei sehr schwierigem Material kann der Vorteil verschwinden (Van Gog & Sweller 2015). | Das Programm wählt das Verfahren, nicht das Kind: erst antworten, dann sehen. Ein Kind allein zu Hause wählt sonst das, was sich leicht anfühlt – und das ist das Unwirksame. |
| Von den verbreiteten Lernstrategien sind nur zwei hoch wirksam: verteiltes Üben und Selbstabfrage. Markieren, Wiederlesen und Zusammenfassen bringen wenig. | Dunlosky, Rawson, Marsh, Nathan & Willingham 2013 | Die Bewertung „gering“ heißt nicht wirkungslos, sondern schlecht belegt für die Breite der Fächer und Altersgruppen; für einige Strategien fehlen schlicht die Schulstudien. | Kein Lernpaket, das aus Lesestoff besteht. Merksatz und Beispiel liegen auf Abruf daneben, die Arbeit selbst ist Abfrage. |
| Was in der Pandemie nachweislich half, war Kontakt zu einer Person: Ehrenamtliche Online-Tutorien von drei bis fünf Stunden je Woche hoben die Leistung geschlossener Schulen deutlich, dazu Wohlbefinden und Motivation. | Carlana & La Ferrara 2021 („Apart but Connected“, Italien, randomisiert, etwa 0,26 Standardabweichungen); vergleichbar Nickow, Oreopoulos & Quan 2020 (Metaanalyse Tutoring, 96 Studien) | Gemessen wurde Tutoring durch Menschen, nicht Software. Der Effekt lässt sich nicht auf ein Programm übertragen, das niemanden mitbringt. | Der wirksame Teil ist die Person. Tuttuno kann die Person nicht ersetzen, aber ihren Aufwand klein machen: Der Lernstand des Kindes muss bei der Lehrkraft ankommen, ohne dass jemand danach fragt – und der Rückweg ist ein Satz, keine Korrektur. |
Ab welchem Alter trägt Selbstregulation? Keine Studie nennt eine Schwelle – die Frage ist so nicht untersucht. Untersucht ist, wie die Selbsteinschätzung wächst: zwischen etwa sieben und zwölf Jahren, und danach bleibt sie fehlbar. Die Stufen sind daher eine Bauregel, kein Befund.
| Jahrgang | Was ein Kind allein kann | Was es nicht kann | Regel für den Plan |
|---|---|---|---|
| 1 bis 4 etwa 6 bis 10 Jahre | Einen einzelnen Schritt ausführen, wenn er vor ihm liegt und ein Erwachsener ihn gestartet hat. | Beurteilen, ob es verstanden hat. Einen Vorrat an Aufgaben einteilen. Einen Tag planen. | Ein Plan für EINEN Tag, ein Schritt sichtbar, kein Vorrat und keine Wahl des Stoffes. Der Start gehört einem Erwachsenen; ohne ihn beginnt nichts. Ob etwas sitzt, entscheidet die Aufgabe. |
| 5 bis 7 etwa 10 bis 13 Jahre | Einen Plan für eine Woche abarbeiten, wenn er in Tagesportionen zerlegt ist und jeden Tag ein Haken entsteht. | Den eigenen Stand richtig einschätzen; die Portion selbst schneiden; nach einem schlechten Tag von allein wieder anfangen. | Wochenplan in Tagesportionen, Wahl zwischen zwei gegebenen Wegen. Die Selbsteinschätzung wird erhoben, weil sie das Nachdenken übt – aber sie entscheidet nichts. |
| 8 bis 13 ab etwa 14 Jahren | Eine Woche selbst einteilen und ein eigenes Ziel setzen, wenn Kriterium und Prüfung von außen kommen. | Verlässlichkeit unter Belastung. Bei Krankheit, Stress und Kummer fällt die Selbststeuerung zuerst aus – gerade in der Gruppe, um die es hier geht. | Eigenes Wochenziel mit Wenn-dann-Plan (Gollwitzer & Sheeran 2006), aber ein fester Rahmen, der nach einer Woche ohne Aktivität einen Menschen anstößt und nicht das Kind mahnt. |
Was ist im Fernunterricht der Pandemie schiefgegangen?
In einem Satz: Material ohne Kontakt hielt niemanden auf Stand: In acht Wochen zu Hause lernten Kinder im Mittel nichts dazu, und es traf die Jüngsten, die Schwächsten und die Ärmsten am härtesten.
| Befund | Quelle | Einschränkung | Folgerung |
|---|---|---|---|
| Acht Wochen geschlossene Schulen kosteten in den Niederlanden etwa 0,08 Standardabweichungen Lernstand – ungefähr so viel, wie in dieser Zeit sonst gelernt worden wäre. Die Kinder lernten zu Hause also im Mittel nichts dazu. | Engzell, Frey & Verhagen 2021 (PNAS, landesweite Tests, etwa 350 000 Kinder) | Das ist der günstigste denkbare Fall: kurze Schließung, sehr gute Internetversorgung, Tests im Land. Auf Deutschland mit längeren Schließungen lässt sich die Zahl nicht übertragen – sie ist die Untergrenze, nicht der Wert. | Material allein hält niemanden auf Stand. Wer einem kranken Kind Aufgaben schickt und nichts weiter tut, hat nach acht Wochen nichts gewonnen. |
| Der Verlust verteilte sich ungleich: In Haushalten mit geringerer Bildung war er bis zu sechzig Prozent größer. | Engzell, Frey & Verhagen 2021 | Bildung der Eltern ist ein grober Stellvertreter für sehr Verschiedenes – Raum, Gerät, Sprache, Zeit. Welcher dieser Teile wirkte, sagt die Studie nicht. | Jede Aufgabe für zu Hause muss ohne Eltern und ohne Buch lösbar sein (siehe `soz_kapital` in lib/forschung.ts). Sonst verstärkt das Angebot genau die Schere, die es schließen soll. |
| Über 42 Studien aus 15 Ländern beträgt das Defizit im Mittel etwa 0,14 Standardabweichungen; es entstand früh in der Pandemie und war bis zuletzt nicht aufgeholt. In Mathematik ist es größer als im Lesen, und in Familien mit wenig Einkommen größer als in anderen. | Betthäuser, Bach-Mortensen & Engzell 2023 (Nature Human Behaviour, Metaanalyse) | Fast nur wohlhabende Länder; die Aussage „nicht aufgeholt“ stützt sich auf wenige spätere Messzeitpunkte. Ein Mittelwert über 15 Länder beschreibt kein einzelnes Kind. | Mathematik zuerst – dort ist der Verlust am größten und der Stoff am stärksten aufeinander aufgebaut. Das deckt sich mit der Reihenfolge, die ohnehin gilt. |
| Systematische Übersicht des Forschungsstands im ersten Pandemiejahr: überwiegend negative Wirkungen auf die Leistung, am deutlichsten in der Grundschule und in Mathematik, mit stärkeren Einbußen bei Kindern aus benachteiligten Familien. | Hammerstein, König, Dreisörner & Frey 2021 (Frontiers in Psychology) | Wenige Studien, fast alle aus der ersten Schließung, sehr unterschiedliche Qualität; einzelne Studien fanden keinen Effekt. Die Übersicht ist ein Zwischenstand, kein Schlussurteil. | Für die Gruppe, um die es hier geht – länger kranke Kinder –, liegt nichts Vergleichbares vor. Wir bauen auf Übertragung, und das gehört gesagt. |
| In Deutschland halbierte sich die tägliche Lernzeit im ersten Lockdown von 7,4 auf 3,6 Stunden. Leistungsschwache Kinder verloren mehr als leistungsstarke (von 4,1 auf 3,0 gegenüber 4,5 auf 4,0 Stunden) und verbrachten die frei gewordene Zeit häufiger mit Fernsehen und Spielen. | Grewenig, Lergetporer, Werner, Woessmann & Zierow 2021 (European Economic Review, Befragung im ifo Bildungsbarometer); Werner & Woessmann 2023 | Angaben der Eltern in einer Befragung, keine Messung – Erinnerung und soziale Erwünschtheit verzerren. Gemessen wurde Zeit, nicht Lernen. | Der Tagesrahmen ist das Problem, nicht das Material: Ohne Anlass zu einer festen Zeit entsteht keine Lernzeit. Ein Anstoß am Tag ist wirksamer als ein großes Paket. |
| Der IQB-Bildungstrend 2021 zeigt für die vierten Klassen deutliche Rückgänge gegenüber 2016 in Lesen, Zuhören, Orthografie und Mathematik; der Anteil, der den Mindeststandard verfehlt, stieg in Lesen und Mathematik auf etwa ein Fünftel. | Stanat, Schipolowski, Schneider, Sachse, Weirich & Henschel 2022 (IQB-Bildungstrend 2021); für die Sekundarstufe Stanat u. a. 2023 (IQB-Bildungstrend 2022) | Das IQB selbst warnt davor, den Rückgang der Pandemie zuzuschreiben: Es gibt keinen Vorher-nachher-Vergleich derselben Kinder, und die Zusammensetzung der Schülerschaft hat sich zwischen 2016 und 2021 verändert. Ein Teil des Rückgangs lag schon vor 2020 im Trend. | Wir benennen den Befund, nicht die Ursache. Ein Werbesatz „Tuttuno gegen die Pandemiefolgen“ ist nicht belegbar und wird nicht gesagt. |
| Die deutschen Befunde widersprechen einander: In Baden-Württemberg zeigten die Vergleichsarbeiten der fünften Klassen Einbußen im Lesen und in Mathematik, in Hamburg fanden die Lernstandserhebungen keine nennenswerten Verluste. | Schult, Mahler, Fauth & Lindner 2022 (Baden-Württemberg, VERA 5); Depping, Lücken, Musekamp & Thonke 2021 (Hamburg, KERMIT) | Verschiedene Tests, verschiedene Jahrgänge, verschiedene Schulschließungszeiten – der Widerspruch kann an den Ländern oder an den Messungen liegen. Beides ist offen. | Wo Länder sich unterscheiden, unterscheiden sich vermutlich die Schulen. Was wir versprechen können, ist die Messung im eigenen Haus, nicht die Reparatur eines Landesschnitts. |
| Ein verlorenes Drittel eines Schuljahres entspricht rechnerisch etwa drei Prozent geringerem Lebenseinkommen; über eine Generation summiert sich das auf einen erheblichen Wohlstandsverlust. | Hanushek & Woessmann 2020 (OECD, „The economic impacts of learning losses“) | Eine Hochrechnung aus historischen Bildungsrenditen, keine Messung. Sie unterstellt, dass die Verluste dauerhaft bleiben, und sie sagt nichts über ein einzelnes Kind. | Taugt als Grund, warum Aufholen wichtig ist – nicht als Zahl in einem Angebot an eine Schule. |
Long Covid und ME/CFS: Was heißt Belastungssteuerung für einen Lernplan?
In einem Satz: Bei post-exertioneller Malaise kommt die Verschlechterung verzögert; deshalb ist jede automatische Steigerung gefährlich, und Abbrechen darf nichts kosten.
| Befund | Quelle | Einschränkung | Folgerung |
|---|---|---|---|
| Bei ME/CFS soll kein Programm angeboten werden, das auf festen, im Voraus geplanten Steigerungen der Aktivität beruht – auch keine abgestufte Bewegungstherapie. An ihre Stelle tritt Energieeinteilung, die die betroffene Person selbst steuert, mit Beratung und mit der Möglichkeit, jederzeit wieder zu verringern. | NICE-Leitlinie NG206 „Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome“, 2021 (Großbritannien) | NICE spricht über ME/CFS, nicht über jede Form von Long Covid. Die Empfehlung stützt sich auf herabgestufte Evidenz und auf Konsens; Teile der Fachwelt haben ihr widersprochen. Sie ist britisch und in Deutschland nicht bindend. | In Tuttuno steigt nichts von allein. Es gibt keine Kurve, die das Pensum erhöht, weil die Woche gut lief – eine Steigerung ist ein Knopf, den ein Mensch drückt. |
| „Einfach langsam wieder anfangen“ ist bei post-exertioneller Malaise deshalb falsch, weil die Steigerungsrate vorher festgelegt wird und nicht von den Beschwerden abhängt. Da die Verschlechterung verzögert eintritt, merkt niemand rechtzeitig, dass die Grenze überschritten wurde; es entsteht ein Wechsel aus Überanstrengung und Zusammenbruch. | NICE NG206 2021; Institute of Medicine 2015; Befragungen von Betroffenen zu Verschlechterungen nach abgestufter Bewegungstherapie (Forward-ME und Oxford Brookes University 2019) | Die Befragungen beruhen auf Selbstauskunft selbst ausgewählter Gruppen und können die Verschlechterungen überzeichnen. Zwei-Tage-Belastungstests stützen die Beobachtung objektiv (Snell u. a. 2013), beruhen aber auf kleinen Stichproben, betreffen Erwachsene und sind nicht durchgängig repliziert. | Kein Plan mit fester Steigerung. Und keine Rückmeldung, die am Tag der Anstrengung nach dem Befinden fragt und daraus etwas ableitet. |
| Ob abgestufte Aktivitätssteigerung hilft oder schadet, entscheidet nicht die Diagnose, sondern die Frage, ob post-exertionelle Malaise vorliegt. Liegt sie nicht vor, sind Aktivierung und Rehabilitation sinnvoll; liegt sie vor, gilt Pacing. | AWMF-S1-Leitlinie „Long/Post-COVID“, Registernummer 020-027 (fortlaufend aktualisiert, zuletzt 2024); NICE NG206 2021 | Die AWMF-Leitlinie hat die Stufe S1 – Expertenempfehlung ohne systematische Evidenzaufbereitung. Die Fassung ändert sich; sie ist vor einer Zusage im Register nachzusehen. Die Unterscheidung trifft die behandelnde Ärztin, nicht die Schule und nicht das Programm. | Tuttuno fragt nicht nach der Diagnose und stellt keine. Es bietet EINEN Modus an, der in beiden Fällen unschädlich ist: klein, abbrechbar, ohne Automatik – wer mehr kann, macht mehr. |
| Pacing ist als Schadensvermeidung empfohlen, nicht als belegter Weg zur Besserung. Die Empfehlung beruht auf Konsens und niedriger Evidenz; eine hochwertige Studie, die zeigt, dass Pacing den Verlauf verbessert, fehlt. | NICE NG206 2021 (Energieeinteilung als Konsensempfehlung) | „Nicht belegt“ heißt hier nicht „wirkungslos“, sondern ungeprüft. Der Grund, Pacing dennoch zu befolgen, ist das belegte Schadenspotenzial der Gegenrichtung. | Wir schreiben nirgends, dass Tuttuno beim Gesundwerden hilft. Wir schreiben, dass es nichts verlangt – das ist die einzige Aussage, die wir belegen können. |
| Orthostatische Intoleranz – Beschwerden beim Aufrechtsitzen und Stehen – gehört zu den Kernmerkmalen; ebenso Störungen von Aufmerksamkeit, Tempo und Gedächtnis. | Institute of Medicine 2015; NICE NG206 2021 | Häufigkeit und Ausprägung schwanken stark; bei Kindern und Jugendlichen ist die Datenlage dünner als bei Erwachsenen. | Im Liegen bedienbar: Handy vor Rechner, große Antippflächen, kein Scrollen über lange Seiten, Ton und Bewegung abschaltbar. Und keine Aufgabe, die Tempo misst. |
| Bildung gehört für kranke Kinder zum Leben und soll flexibel weitergeführt werden – Teilzeitbesuch, Lernen zu Hause, Abstimmung mit der Schule. Ausdrücklich gewarnt wird davor, längere Abwesenheit vorschnell als Schulverweigerung oder als Fall für den Kinderschutz zu behandeln. | NICE NG206 2021, Abschnitt zu Kindern und Jugendlichen | Britische Leitlinie mit britischem Schulrecht im Rücken; die Verfahren in Berlin sind andere (siehe RECHT_BERLIN). Die Haltung ist übertragbar, die Verfahren sind es nicht. | Der Ton des Programms kennt kein „Durchhalten“ und kein „Du hast drei Tage nichts gemacht“. Ein Abbruch sieht nirgends wie ein Versagen aus. |
| Wie häufig Long Covid bei Kindern ist, ist umstritten: Unkontrollierte Studien nennen hohe Anteile, Studien mit Vergleichsgruppe deutlich niedrigere, weil viele Beschwerden auch bei nicht infizierten Gleichaltrigen vorkommen. | Stephenson u. a. 2022 (CLoCk-Studie, England, Jugendliche mit und ohne Nachweis); WHO 2023 (klinische Falldefinition für Kinder und Jugendliche) | Der Streit ist zum Teil ein Definitionsstreit: Die Falldefinition für Kinder kam erst 2023. Niedrigere Anteile heißen nicht, dass die schwer betroffenen Kinder weniger schwer betroffen wären. | Wir zählen keine Fälle und schätzen keine Marktgröße mit diesen Zahlen. Gebaut wird für ein Kind, das nicht in die Schule kann – aus welchem Grund, geht Tuttuno nichts an. |
Post-exertionelle Malaise – Die Verschlechterung nach Anstrengung – verzögert, unverhältnismäßig, lang.
Eine deutliche Verschlechterung der Beschwerden nach einer Anstrengung, die vorher ohne Folgen geblieben wäre. Sie ist das Kernmerkmal von ME/CFS und liegt bei einem Teil der Kinder mit Long Covid vor.
- Unverhältnismäßig: Eine kleine Anstrengung reicht – ein Schulweg, eine Stunde Unterricht, ein Test.
- Verzögert: Sie beginnt oft erst Stunden bis ein, zwei Tage später. Deshalb sagt ein gelungener Nachmittag nichts darüber, ob die Grenze eingehalten wurde.
- Lang: Sie dauert Tage bis Wochen; die Erholung braucht ein Vielfaches der Zeit, die die Anstrengung gekostet hat.
- Nicht nur körperlich: Geistige Anstrengung, Sinnesreize, aufrechtes Sitzen und Gefühle lösen sie ebenso aus. Lesen, ein Bildschirm und eine Klassenarbeit sind Anstrengung.
- Wiederholtes Überschreiten kann den Zustand dauerhaft verschlechtern.
Warum eine Ampel hier täuscht: Jede Rückmeldung, die am selben Tag erhoben wird („War das zu viel?“), misst den falschen Zeitpunkt. Ein Programm, das aus dieser Antwort die Dosis von morgen ableitet, steigert genau dann, wenn es am schädlichsten ist.
Institute of Medicine 2015 („Beyond Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome“, post-exertionelle Malaise als notwendiges Merkmal); NICE-Leitlinie NG206 2021 · Es gibt keinen Labortest dafür. Die Feststellung ist eine ärztliche Beurteilung – kein Fragebogen in einer App, und schon gar keine Ableitung aus Nutzungsdaten.
Was daraus für einen Lernplan folgt
Acht Regeln. Die rechte Spalte ist die wichtigere: Sie sagt, was in der Oberfläche nicht vorkommen darf.
| Regel | Warum | Quelle | Was verboten bleibt |
|---|---|---|---|
| Die Länge einer Einheit kommt nicht aus dem Programm. | Das Energiebudget ist individuell und von außen nicht erkennbar. Eine vorgegebene Mindestlänge zwingt jedes Kind, das weniger kann, zur Überschreitung. | NICE NG206 2021 (individuell vereinbarte Energieeinteilung) | Kein Mindestpensum, keine Mindestdauer, keine Aufgabe, die sich nicht nach zwei Minuten beenden lässt. |
| Die Pause steht vor der Erschöpfung, nicht dahinter. | Wer bis zur Grenze arbeitet, hat sie schon überschritten – die Rückmeldung des Körpers kommt zu spät. | NICE NG206 2021; Institute of Medicine 2015 (verzögerte Verschlechterung) | Keine Belohnung für Weitermachen, kein „nur noch eine Aufgabe“, kein Fortschrittsbalken, der zum Ende drängt. |
| Abbrechen kostet nichts. | Jede Mechanik, die einen Abbruch bestraft, schafft genau den Anreiz, der in den Zusammenbruch führt. | NICE NG206 2021; lib/bindung.ts (keine Verlustangst, keine Serien) – Entscheidung Marco 22.09.2026 | Keine Serie, die reißt, kein Nachholstapel, keine Erinnerung mit Vorwurf, kein verlorener Fortschritt. |
| Nichts steigt von allein. | Automatische Steigerung ist die maschinelle Form der abgestuften Aktivitätssteigerung – derselbe Mechanismus, derselbe Schaden. | NICE NG206 2021 (keine Programme mit festen Steigerungsschritten) | Keine Anpassung des Pensums an die Leistung der Vorwoche. Steigerung nur als Knopf, den ein Mensch drückt, und Verringern muss genauso leicht sein. |
| Geistige Anstrengung zählt wie körperliche. | Lesen, Bildschirm, Zuhören und Prüfungsdruck lösen post-exertionelle Malaise ebenso aus wie Bewegung. | Institute of Medicine 2015; NICE NG206 2021 | Keine Zeitmessung, kein Countdown, kein Tempovergleich – das gilt ohnehin (Entscheidung 16.09.2026), hier ist es zwingend. |
| Der Kanal ist wählbar, die Reize sind klein. | Licht-, Ton- und Reizempfindlichkeit sind häufig; aufrechtes Sitzen ist für einen Teil der Kinder selbst eine Anstrengung. | Institute of Medicine 2015 (orthostatische Intoleranz); NICE NG206 2021 | Kein erzwungener Ton, keine Animation ohne Ausschalter, keine Aufgabe, die nur am Rechner am Schreibtisch geht. |
| Was über den Gesundheitszustand entsteht, bleibt auf dem Gerät. | Beschwerden, Belastbarkeit und Diagnosen sind Gesundheitsdaten nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung – besondere Kategorie, und bei Minderjährigen doppelt heikel. | Artikel 9 Datenschutz-Grundverordnung (Verordnung (EU) 2016/679); Rahmen von Tuttuno: keine Klarnamen und keine besonderen Daten auf dem Server | Kein Symptomtagebuch auf dem Server, keine Belastungskurve in der Datenbank, keine Diagnose in einem Feld. Was gebraucht wird, liegt im localStorage des Geräts – wie die Namen und die Elternadressen. |
| Über den Verlauf wird nicht geurteilt. | Ein Kind, das diese Woche weniger geschafft hat, hat meist nicht weniger gewollt. Eine Zahl, die das Gegenteil nahelegt, richtet Schaden an, den kein Lernzuwachs aufwiegt. | Hattie & Timperley 2007 (Rückmeldung auf Personenebene wirkt nicht); NICE NG206 2021 | Kein Wochenvergleich mit der Vorwoche als Wertung, kein Vergleich mit der Klasse, keine Prognose. |
Der rechtliche Rahmen in Berlin
| Frage | Antwort | Vorschrift | Wer, ab wann |
|---|---|---|---|
| Bleibt die Schulpflicht bestehen, wenn ein Kind lange krank ist? | Ja. Krankheit hebt die Schulpflicht nicht auf, sie entschuldigt das Fernbleiben. Die Erziehungsberechtigten benachrichtigen die Schule am ersten Tag und geben am Rückkehrtag eine unterschriebene Erklärung ab; ein ärztliches Attest darf die Schule nur im Einzelfall bei begründeten Zweifeln verlangen, nie pauschal nach einer Zahl von Tagen (§ 10 AV Schulbesuchspflicht, Fassung 09.01.2026). Ein Kind, das zu Hause mit Tuttuno arbeitet, erfüllt damit keine Schulpflicht – es hält Anschluss. | Schulgesetz Berlin, Teil zur Schulpflicht (ab § 41 SchulG Berlin); § 46 SchulG Berlin mit den Ausführungsvorschriften über Schulbesuchspflicht | Erziehungsberechtigte melden; die Schule führt die Fehlzeiten (lib/fehlzeiten.ts). Ab dem ersten Fehltag. |
| Wer befreit vom Unterricht oder beurlaubt? | Einzelne Stunden und bis zu drei Tage entscheidet die Klassenleitung, darüber hinaus die Schulleitung; unmittelbar vor und nach den Ferien nur in Ausnahmefällen. | § 46 Absatz 5 SchulG Berlin mit den Ausführungsvorschriften | Antrag der Erziehungsberechtigten; Entscheidung Klassenleitung oder Schulleitung. Stundenweise bis drei Tage Klassenleitung, darüber Schulleitung. |
| Was gibt es bei längerer Erkrankung an Unterricht – Hausunterricht, Krankenhausunterricht? | Ein Kind, das voraussichtlich längere Zeit nicht am Unterricht teilnehmen kann, erhält Unterricht zu Hause oder in der Klinik, in wenigen Wochenstunden und beschränkt auf die wichtigsten Fächer. Es ist ein Ersatz für die Schule, nicht der volle Stundenplan – und er wird von Lehrkräften erteilt, nicht von einem Programm. | Sonderpädagogikverordnung Berlin (SopädVO), Abschnitt zum Unterricht kranker Schülerinnen und Schüler; als Rahmen die Empfehlung der Kultusministerkonferenz zum Unterricht für kranke Schülerinnen und Schüler vom 20. März 1998 | Antrag der Erziehungsberechtigten über die Schule, mit ärztlicher Stellungnahme; Entscheidung der Schulaufsicht. Bei voraussichtlich längerer Verhinderung; die Länder ziehen die Grenze zwischen etwa vier und acht Wochen. |
| Wie wird bewertet, wenn ein Kind viel gefehlt hat? | Bewertet wird, was erbracht wurde. Eine versäumte Leistungsfeststellung wird nachgeholt, wenn das Kind das Versäumnis nicht zu vertreten hat; reicht die Grundlage für eine Note nicht aus, wird das vermerkt und nicht geschätzt. | § 58 SchulG Berlin (Leistungsbewertung); für die Sekundarstufe I die Verordnung über die Schularten und Bildungsgänge der Sekundarstufe I, § 19 (schriftliche Arbeiten) | Fachlehrkraft; bei Streit die Schulleitung. Sobald eine Leistungsfeststellung versäumt wurde. |
| Gibt es einen Nachteilsausgleich für chronisch kranke Kinder? | Ja. Zeitverlängerung, zusätzliche Pausen, veränderte Arbeitsorganisation und Hilfsmittel sind möglich; die Anforderungen selbst bleiben gleich, und im Zeugnis steht nichts davon. Das ist in Tuttuno bereits gebaut – chronische Erkrankung ist dort ein eigener Anlass (lib/nachteilsausgleich.ts). | § 58 Absatz 8 SchulG Berlin; § 39 Absatz 1 SopädVO Berlin | Antrag der Erziehungsberechtigten; Entscheidung der Schulleitung, in der Regel nach Beratung in der Klassenkonferenz. Anlassbezogen, in der Regel für ein Schuljahr. |
| Was ist mit den Gesundheitsdaten? | Diagnose, Attest und Belastbarkeit sind Gesundheitsdaten der besonderen Kategorie. Sie gehören in die Schülerakte der Schule und niemals auf den Server von Tuttuno – dieselbe Grenze wie bei Klarnamen und Elternadressen. | Artikel 9 Datenschutz-Grundverordnung; Berliner Schuldatenverordnung; Verarbeitungsverzeichnis in lib/verarbeitung.ts | Die Schule ist Verantwortliche; Tuttuno verarbeitet diese Daten nicht. Immer. |
Noch nicht am Verordnungstext geprüft – gehört in keine Zusage an eine Schule:
- Bleibt die Schulpflicht bestehen, wenn ein Kind lange krank ist? Die Nummerierung des Abschnitts zur Schulpflicht. Die AV Schulbesuchspflicht ist in der Fassung vom 09.01.2026 am Wortlaut gelesen (lib/land/schulbesuch.ts).
- Was gibt es bei längerer Erkrankung an Unterricht – Hausunterricht, Krankenhausunterricht? Drei Zahlen und ein Wort: der genaue Paragraf, die Dauerschwelle, der Stundenumfang – und ob Berlin den Begriff „Genesenenunterricht“ überhaupt kennt (er stammt aus anderen Ländern; Berlin regelt Hausunterricht und Unterricht in Krankenhäusern). Keine dieser Angaben gehört in ein Gespräch mit einer Schule, bevor sie am Verordnungstext steht.
- Wie wird bewertet, wenn ein Kind viel gefehlt hat? Der Absatz zum Nachholen versäumter Leistungsfeststellungen und die Regel, wann eine Note mangels Grundlage entfällt.
Wo ein Lernprogramm aufhört und Schule anfängt
Schule ist ein Rechtsverhältnis: Sie erteilt Unterricht, sie entschuldigt Fehlzeiten, sie bewertet, sie versetzt, und sie haftet für all das. Ein Lernprogramm kann keines dieser vier Dinge tun. Was es kann, ist der Anschluss: dass ein Kind, das nicht da sein kann, an dem Stoff bleibt, den seine Klasse gerade hat – und dass seine Lehrkraft sieht, wo es steht, ohne dafür etwas einsammeln zu müssen. Die Grenze verläuft nicht zwischen Themen, sondern zwischen Angebot und Pflicht: Alles, woraus eine Pflicht oder ein Anspruch folgt, bleibt bei der Schule.
Drei Sätze für die Schulleitung:
- Tuttuno hält ein Kind, das nicht in der Schule sein kann, an dem Stoff, den seine Klasse gerade hat; Unterricht im Sinne des Schulgesetzes ersetzt es nicht, und Hausunterricht beantragen und erteilen weiterhin Sie.
- Was zu Hause entsteht, ist ein Lernstand für die Lehrkraft und keine Leistung: Es entsteht daraus keine Note, kein Nachweis über erfüllte Schulpflicht und keine Entschuldigung.
- Wie viel ein krankes Kind arbeitet, entscheidet das Programm nicht: Jede Einheit lässt sich jederzeit ohne Verlust beenden, und kein Pensum steigt von allein – eine Steigerung entscheiden die Menschen, die das Kind behandeln und begleiten.
Und was nicht gesagt wird:
- „Tuttuno verhindert Lernrückstände“ – der Fernunterricht der Pandemie zeigt, dass Material allein das nicht leistet (Engzell u. a. 2021).
- „Tuttuno ersetzt den Unterricht“ oder „erfüllt die Schulpflicht“ – beides ist rechtlich falsch (§ 46 SchulG Berlin, SopädVO).
- „geeignet bei Long Covid“, „schont“, „hilft beim Gesundwerden“ – das wären gesundheitsbezogene Aussagen; Tuttuno ist kein Medizinprodukt und trifft keine.
- „passt sich der Belastbarkeit an“ – kein Programm kann die Belastbarkeit eines Kindes messen; die Automatik wäre genau der Schaden (NICE NG206 2021).
- „holt den Stoff auf“ – aufholen kann nur, wer unterrichtet; wir halten Anschluss.
Wo die Forschung uneins ist
| Frage | Einerseits | Andererseits | Solange gilt |
|---|---|---|---|
| Wie groß war der Lernverlust in Deutschland? | Baden-Württemberg misst Einbußen im Lesen und in Mathematik (Schult u. a. 2022); international liegt das Defizit bei etwa 0,14 Standardabweichungen (Betthäuser u. a. 2023). | Hamburg findet keine nennenswerten Verluste (Depping u. a. 2021); das IQB warnt, dass sein Rückgang nicht der Pandemie zugeschrieben werden kann (Stanat u. a. 2022). | Keine Zahl im Angebot. Gemessen wird im eigenen Haus, berichtet wird auf Jahrgangsebene. |
| Hilft oder schadet abgestufte Aktivitätssteigerung bei anhaltender Erschöpfung? | NICE hat sie 2021 für ME/CFS gestrichen und die frühere Evidenz herabgestuft; Betroffene berichten Verschlechterungen. | Teile der Fachwelt halten an aktivierenden Verfahren fest und verweisen auf frühere Studien; für Erschöpfung OHNE post-exertionelle Malaise ist Aktivierung unstrittig sinnvoll. | Das Programm steigert nichts von allein und verlangt nichts. Damit ist es in beiden Lesarten unschädlich – es nimmt keine Seite ein. |
| Wie häufig ist Long Covid bei Kindern? | Unkontrollierte Studien nennen hohe Anteile betroffener Kinder. | Studien mit Vergleichsgruppe finden weit kleinere Unterschiede, weil viele Beschwerden auch ohne Infektion vorkommen (Stephenson u. a. 2022). | Keine Zahl, keine Fallzählung, keine Marktgröße aus diesen Studien. |
| Halten Selbstregulationstrainings im Alltag? | Metaanalysen zeigen mittlere bis große Effekte (Dignath & Büttner 2008). | Die Trainings waren kurz, von Forschenden durchgeführt und wurden unmittelbar danach gemessen; von Lehrkräften durchgeführt fielen sie schwächer aus. | Die Struktur bleibt im Material und wird nicht vom Kind erwartet. |
| Wirkt Lernsoftware ohne begleitende Person? | Digitale Werkzeuge im Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht der Sekundarstufe wirken mittelstark (Hillmayr u. a. 2020, Klasse 5 bis 13, g = 0,65); in Mathematik über alle Stufen klein, ergänzende Übungsprogramme etwas besser (Cheung & Slavin 2013: +0,15, Übungsprogramme +0,18). | Lernendensteuerung allein wirkt nahe null (Karich u. a. 2014); die großen Effekte der Pandemie kamen von Tutorien mit Menschen (Carlana & La Ferrara 2021). | Der Mensch bleibt im Plan – die Software macht seinen Aufwand klein, sie ersetzt ihn nicht. |
Stand der Quellen: 2026-09-23. Lebende Dokumente, die nachgesehen gehören (Einmal im Quartal, zusammen mit der Prüfung des Startchancen-Zielkatalogs (Todoist).): NICE-Leitlinie NG206 (ME/CFS) – wird fortgeschrieben; Fassung und Empfehlungsnummern vor jeder Zusage prüfen. · AWMF-S1-Leitlinie Long/Post-COVID, Registernummer 020-027 – fortlaufend aktualisiert; im AWMF-Register nachsehen. · Sonderpädagogikverordnung Berlin und Ausführungsvorschriften über Schulbesuchspflicht – Paragrafen und Fristen am geltenden Text prüfen.