Ohne alles · Jahrgang 5 bis 10
Klassenrat, einmal und ohne Vorgeschichte
Klassenrat, einmal und ohne Vorgeschichte
Jahrgang 5 bis 10 · fachübergreifend · 45 Minuten
Das brauchst du: Tafel und Kreide, Ein kleiner Zettel je Kind – ein halbes Blatt reicht.
Am Ende: Die Klasse hat zwei eigene Themen besprochen und zwei Beschlüsse gefasst, die schriftlich an die Klassenleitung gehen.
Aufrufen, ohne Namen zu kennen:
Nach dem Sitzplatz, nicht nach der Person: „Der Tisch am Fenster in der zweiten Reihe.“
Reihum von einer Ecke aus. Wer nichts sagen will, sagt „weiter“ – das darf jede Person einmal.
Wer spricht, gibt weiter: „Du bestimmst, wer als Nächstes dran ist.“ Zweimal dieselbe Person geht nicht.
0 bis 5 Minute – Ansage und die vier Regeln
Du: Die vier Gesprächsregeln an die Tafel und einmal vorlesen. Sie stehen dort bis zum Ende und werden gebraucht.
Vorlesen: „Guten Morgen. Ich vertrete heute. Ich kenne eure Namen noch nicht und weiß auch nicht, wo ihr im Stoff steht. Deshalb machen wir etwas, das keiner von euch verpasst haben kann. Es ist trotzdem nicht einfach. Wir machen heute Klassenrat. Ich leite nur, ich entscheide nichts. Vier Regeln gelten, auch für mich.“
Tafel: Wer spricht, wird nicht unterbrochen.
Tafel: Wir reden über Anliegen, nicht über Personen.
Tafel: Ich-Sätze: „Mich stört …“, nicht „Du bist …“.
Tafel: Beschlüsse gelten für alle, auch für die Lehrkraft.
5 bis 10 Minute – Positive Runde
Du: Reihum ein Satz. Wer nichts sagen will, sagt „weiter“. Die Lehrkraft macht mit und fängt an – sonst fängt niemand an.
Vorlesen: „Reihum ein Satz: Was lief diese Woche gut? Wer nichts sagen will, sagt „weiter“. Ich fange an.“
10 bis 15 Minute – Themen sammeln, ohne Namen
Du: Jede Person schreibt ein Anliegen auf einen Zettel. Ausdrücklich ansagen: kein Name eines Mitschülers, keine Lehrkraft.
Vorlesen: „Jeder schreibt ein Anliegen auf den Zettel. Es geht um Sachen, nicht um Personen: Kein Name darauf, weder von Mitschülern noch von Lehrern. Schreibt, was anders sein soll.“
15 bis 18 Minute – Zwei Themen wählen
Du: Alle Zettel vorlesen. Zettel mit Namen aussortieren, laut, mit der Frage: Was soll anders sein? Dann Handzeichen für zwei Themen.
Vorlesen: „Ich lese alle vor. Steht ein Name darauf, lese ich ihn nicht vor, sondern frage: Was soll anders sein? Danach wählt ihr per Handzeichen zwei Themen.“
18 bis 29 Minute – Thema 1
Du: Anliegen in einem Satz, Rückfragen, Vorschläge sammeln, abstimmen. Ein Kind schreibt den Beschluss mit: wer, was, bis wann.
Vorlesen: „Thema 1. Erst das Anliegen in einem Satz, dann Rückfragen, dann Vorschläge. Am Ende stimmen wir ab. Einer von euch schreibt mit: wer macht was bis wann?“
29 bis 40 Minute – Thema 2
Du: Genauso. Auf die Uhr sehen – wenn Thema 1 überzieht, fällt Thema 2 weg, und das ist das schlechtere Ende.
40 bis 45 Minute – Beschlüsse und Übergabe
Du: Beschlüsse vorlesen lassen. Den Zettel der Klassenleitung ins Fach legen und der Klasse sagen, dass man das tut.
Vorlesen: „Lies die Beschlüsse vor. Diesen Zettel lege ich eurer Klassenleitung ins Fach, damit er nicht mit mir aus dem Raum geht. Was hier beschlossen wurde, gilt erst, wenn jemand nachsieht.“
Zu schnell fertig: Ein drittes Thema aus dem Zettelstapel – dafür ist die Klasse jetzt eingespielt und braucht weniger Zeit. Oder, oft ergiebiger: die Klasse schreibt drei Regeln auf, die ihr für die eigene Klasse wichtig sind, und begründet jede in einem Satz.
Macht nicht mit: Wenn es persönlich wird, greift die zweite Regel sofort und ohne Diskussion: über Anliegen, nicht über Personen. Wird trotzdem jemand bloßgestellt, bricht die Leitung das Thema ab – der Abbruch ist hier die richtige Entscheidung und keine Niederlage. Kommt gar kein Thema zusammen, gibt es zwei gesetzte: „Was sollte in diesem Raum anders sein?“ und „Was braucht ihr für eine Vertretungsstunde, damit sie nicht verlorene Zeit ist?“ Die zweite Frage liefert erfahrungsgemäß mehr.
Beleg: Klassenrat als Form demokratischer Beteiligung: Blum & Blum 2012 (Der Klassenrat) und die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik; Friedrichs 2009 zur Wirkung auf das Klassenklima. Die Gesprächsregeln kommen aus lib/beziehung.ts und werden hier nicht neu erfunden. Übergänge als Ort der Klassenführung: Kounin 1970.
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