Ohne alles · Jahrgang 5 bis 7
Sag es so genau, dass es stimmt
Sag es so genau, dass es stimmt
Jahrgang 5 bis 7 · fachübergreifend · 45 Minuten
Das brauchst du: Tafel und Kreide, Ein Blatt Papier je Kind.
Am Ende: Jedes Kind hat eine Figur allein durch Sprache übertragen und gesehen, an welchem Wort die Übertragung schiefging.
Aufrufen, ohne Namen zu kennen:
Nach dem Sitzplatz, nicht nach der Person: „Der Tisch am Fenster in der zweiten Reihe.“
Reihum von einer Ecke aus. Wer nichts sagen will, sagt „weiter“ – das darf jede Person einmal.
Wer spricht, gibt weiter: „Du bestimmst, wer als Nächstes dran ist.“ Zweimal dieselbe Person geht nicht.
0 bis 4 Minute – Ansage und Sitzordnung
Du: Je zwei Sitznachbarn. Eine Person dreht den Stuhl von der Tafel weg. Erst danach zeichnen, sonst ist die Figur gesehen.
Vorlesen: „Guten Morgen. Ich vertrete heute. Ich kenne eure Namen noch nicht und weiß auch nicht, wo ihr im Stoff steht. Deshalb machen wir etwas, das keiner von euch verpasst haben kann. Es ist trotzdem nicht einfach. Ihr arbeitet zu zweit. Einer von euch dreht sich jetzt von der Tafel weg und schaut bis zum Ende der Runde nicht hin. Das ist Ehrensache.“
4 bis 6 Minute – Figur 1 an die Tafel
Du: Zeichnen: ein Quadrat, in der oberen rechten Ecke ein kleiner Kreis, vom linken unteren Eck eine gerade Linie zur Mitte der oberen Seite.
Vorlesen: „Wer zur Tafel schaut, beschreibt. Wer weggedreht sitzt, zeichnet. Ihr dürft nicht zeigen und keine Fragen stellen. Nur Sprache.“
6 bis 14 Minute – Erste Runde
Du: Herumgehen und nur zuhören. Nicht helfen. Notieren, welche Wörter fehlen – die kommen gleich an die Tafel.
14 bis 17 Minute – Umdrehen und vergleichen
Du: Alle drehen sich um. Nicht fragen, ob es richtig ist, sondern wo genau es sich trennt.
Vorlesen: „Dreht euch um und vergleicht. Sucht nicht, ob es stimmt, sondern die erste Stelle, an der eure Zeichnung abbiegt. Welches Wort hat dort gefehlt?“
17 bis 20 Minute – Die fehlenden Wörter an die Tafel
Du: Fünf bis sieben Wörter sammeln, die gefehlt haben. Sie bleiben für Runde 2 stehen – das ist das Werkzeug, das die zweite Runde besser macht.
Vorlesen: „Nennt mir die Wörter, die gefehlt haben. Sie bleiben an der Tafel stehen und gehören euch in der zweiten Runde.“
20 bis 22 Minute – Rollen tauschen, Figur 2
Du: Die andere Person dreht sich weg. Zeichnen: ein großes Dreieck, darin ein kleineres Dreieck auf dem Kopf, rechts neben dem großen Dreieck ein Kreis, der die Seite berührt.
Vorlesen: „Jetzt dreht sich der andere weg. Neue Figur, und diesmal sind drei Rückfragen erlaubt. Nur drei.“
22 bis 30 Minute – Zweite Runde
Du: Mitzählen, ob es wirklich bei drei Fragen bleibt. Die Begrenzung ist der Grund, warum die Fragen gut werden.
30 bis 35 Minute – Vergleichen
Du: Umdrehen, vergleichen. Diesmal zusätzlich: Welche der drei Rückfragen hat am meisten gebracht?
Vorlesen: „Vergleicht wieder. Und sagt eurem Partner: Welche eurer drei Fragen hat am meisten gebracht?“
35 bis 42 Minute – Warum Runde 2 besser lief
Du: Im Plenum sammeln. Der Ertrag ist eine kurze Liste an der Tafel: Reihenfolge, Größe, Lage, Bezugspunkt.
Vorlesen: „Runde 2 lief bei fast allen besser. Das lag nicht am Glück. Was habt ihr anders gemacht?“
42 bis 45 Minute – Abschluss
Du: Die Liste stehen lassen und den Übertrag benennen. Die Zeichnungen bleiben bei den Kindern.
Vorlesen: „Diese Liste hilft euch überall, wo ihr etwas erklärt, das der andere nicht sieht. Am Telefon, in einer Wegbeschreibung, in jeder Antwort in einer Arbeit.“
Zu schnell fertig: Dritte Runde mit einer Figur, die die Klasse selbst erfindet: Ein Kind zeichnet heimlich auf ein Blatt und diktiert der eigenen Gruppe. Schwerer als die Tafelfiguren, weil niemand die Figur vorher kennt – auch der Beschreiber nicht.
Macht nicht mit: Wenn gespickt wird, ist die Runde wertlos, und Ermahnen hilft nicht. Besser: die Figur nicht an die Tafel, sondern von der Lehrkraft leise einem Kind je Paar ins Ohr beschrieben – dann gibt es nichts zu sehen. Bei Unruhe die Paare auf Reihen umstellen: vordere Reihe beschreibt, hintere zeichnet, alle in dieselbe Richtung.
Beleg: Sprache als Werkzeug des Denkens im Unterrichtsgespräch: Mercer, Wegerif & Dawes 1999 (British Educational Research Journal); Alexander 2008 (Towards Dialogic Teaching). Die Form geht auf die Barrier-Task-Versuche zur Verständigung zurück: Krauss & Weinheimer 1966.
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