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Deutsch · Blatt · Klasse 7

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

Deutsch

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

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Klasse:
Datum:
05.11.2026

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Aufbau der Kurzgeschichte: Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen. Der Erzähler ist nicht der Autor: Er sagt ich oder erzählt in der Er-Form.

Beispiel: Elf Minuten:
Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //

Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //

Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //

Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //

Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.

Wer erzählt diese Geschichte?

  1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
  2. Erzählt wird von Leon in der Er-Form: „Leon trat nicht näher.“
  3. Also: Er-Erzähler

Ergebnis: Er-Erzähler

Mit Starthilfe

Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.

  1. ○Der letzte Karton:
    Mila packte den letzten Karton. Oben drauf legte sie das Foto von der Klassenfahrt, alle zwanzig Gesichter, die Hälfte mit geschlossenen Augen. //

    „Du kannst ja jedes Wochenende herkommen“, hatte ihr Vater gesagt. Hamburg war vier Stunden entfernt. Mila hatte nicht geantwortet. //

    Unten hupte der Umzugswagen. Sie klebte den Karton zu und schrieb mit dickem Stift darauf: ZERBRECHLICH. //

    Dann riss sie das Klebeband noch einmal auf, nahm das Foto heraus und steckte es in ihre Jackentasche.

    Wie heißt der Blick zurück auf den Satz des Vaters? Starthilfe: Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    ☐ Wendepunkt ☐ Rückblende ☐ Vorausdeutung

    So fängst du an: Probe: Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede.

  2. ○Der Pokal:
    Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //

    So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //

    Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //

    Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.

    Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.

    Wo stand, wer das dritte Tor geschossen hat? Starthilfe: Such die Stelle, an der die Antwort steht. Lies den Satz davor und danach.
    ☐ auf dem Pokal ☐ in der Vitrine im Flur ☐ in der Schülerzeitung

    So fängst du an: Probe: Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter?

Üben

Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.

  1. ●Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
    Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //

    So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

    Wie heißt der Satz, der am Ende die Lehre ausspricht?
    ☐ Wendepunkt ☐ Einleitung ☐ Merksatz
  2. ●Der Pokal:
    Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //

    So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //

    Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //

    Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.

    Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.

    „Er hatte mich nur angesehen.“ Wer sieht hier wen an?
    ☐ Kofi sieht die erzählende Person an. ☐ Das steht nicht in dem Satz. ☐ Die Redakteurin sieht Kofi an.
  3. ●Der Pokal:
    Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //

    So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //

    Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //

    Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.

    Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.

    Wer erzählt diese Geschichte?
    ☐ Er-Erzähler ☐ Ich-Erzähler ☐ Kofi
  4. ●Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
    Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //

    So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

    Warum wechseln Vater und Sohn immer wieder?
    ☐ Der Esel wird nach jeder Strecke müde. ☐ Der Vater will den Sohn bestrafen. ☐ Sie tun jedes Mal, was der letzte Wanderer sagt.
  5. ●Die Brücke (Auszug) – Franz Kafka:
    Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke, über einem Abgrund lag ich. Diesseits waren die Fußspitzen, jenseits die Hände eingebohrt, in bröckelndem Lehm habe ich mich festgebissen. Die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten. In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach. Kein Tourist verirrte sich zu dieser unwegsamen Höhe, die Brücke war in den Karten noch nicht eingezeichnet. – So lag ich und wartete; ich musste warten. Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören Brücke zu sein. //

    […] Und ich drehte mich um, ihn zu sehen. – Brücke dreht sich um! Ich war noch nicht umgedreht, da stürzte ich schon.

    Wodurch kommt es am Ende zum Sturz?
    ☐ Die Brücke dreht sich um, was eine Brücke nicht kann. ☐ Der Bach reißt die Brücke mit sich. ☐ Ein Tourist kommt auf die Brücke.

Weiterdenken

Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.

  1. ★Elf Minuten:
    Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //

    Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //

    Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //

    Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //

    Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.

    Warum liest Leon den Speiseplan dreimal?
    ☐ Er ist nervös und will nicht zeigen, dass er wartet. ☐ Er hat Hunger und sucht die Nudeln. ☐ Frau Brandt hat es ihm aufgetragen.
  2. ★Die Nachricht:
    Im Bus zog Selin das Handy aus der Jacke. Eine Nachricht von Jonas: „Hast du die Fotos von gestern schon gesehen? Alle lachen darüber.“ Darunter ein Link. //

    Selin tippte nicht darauf. Sie sah aus dem Fenster. Draußen warteten Leute an der Ampel, als wäre nichts. Sie dachte an die Party, an den Tisch, an das Glas, das umgefallen war. //

    Zwei Haltestellen später vibrierte das Handy wieder. „Das Foto von Mehmet ist das beste“, schrieb Jonas. //

    Selin atmete aus. Mehmet. Nicht sie. //

    Sie öffnete den Link trotzdem nicht. Sie schrieb: „Lösch das bitte. Für Mehmet.“ Dann steckte sie das Handy weg und stieg eine Haltestelle zu früh aus.

    Warum passt das Ende zu einer Kurzgeschichte?
    ☐ Weil alle Fragen am Ende geklärt sind. ☐ Es bleibt offen, was danach passiert. ☐ Weil Selin aussteigt und nach Hause geht.

Eigene Sätze

  1. ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.

Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken

  1. Rückblende
  2. in der Schülerzeitung
  3. Merksatz
  4. Kofi sieht die erzählende Person an.
  5. Ich-Erzähler
  6. Sie tun jedes Mal, was der letzte Wanderer sagt.
  7. Die Brücke dreht sich um, was eine Brücke nicht kann.
  8. Er ist nervös und will nicht zeigen, dass er wartet.
  9. Es bleibt offen, was danach passiert.

Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft

  1. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Rückblende
  2. Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → in der Schülerzeitung
  3. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Merksatz
  4. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Kofi sieht die erzählende Person an.
  5. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Ich-Erzähler
  6. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Sie tun jedes Mal, was der letzte Wanderer sagt.
  7. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Die Brücke dreht sich um, was eine Brücke nicht kann.
  8. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Er ist nervös und will nicht zeigen, dass er wartet.
  9. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Es bleibt offen, was danach passiert.