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Deutsch · Blatt · Klasse 8

Lyrik

Deutsch

Lyrik

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Datum:
12.10.2026

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Gedichtvortrag: Pausen an den Satzzeichen, nicht an jedem Versende. Beim Zeilensprung liest du weiter. Tempo und Lautstärke folgen der Stimmung.

Beispiel: Der Panther (Strophe 1 und 2) – Rainer Maria Rilke:
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe /
so müd geworden, dass er nichts mehr hält. /
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe /
und hinter tausend Stäben keine Welt. //

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, /
der sich im allerkleinsten Kreise dreht, /
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, /
in der betäubt ein großer Wille steht.

Wo machst du nach „der Stäbe“ im ersten Vers eine Pause?

  1. Achte auf die Satzzeichen, nicht auf das Versende.
  2. Sein Blick ist so müd geworden – der Satz läuft über das Versende.
  3. Also: keine, der Satz läuft weiter bis „hält“

Ergebnis: keine, der Satz läuft weiter bis „hält“

Mit Starthilfe

Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.

  1. ○Ein Gleiches – Johann Wolfgang von Goethe:
    Über allen Gipfeln /
    Ist Ruh, /
    In allen Wipfeln /
    Spürest du /
    Kaum einen Hauch; /
    Die Vögelein schweigen im Walde. /
    Warte nur, balde /
    Ruhest du auch.

    Wo machst du in den ersten beiden Versen keine Pause? Starthilfe: Achte auf die Satzzeichen, nicht auf das Versende.
    ☐ nach „Ruh“, beim Komma ☐ nach „Hauch“, beim Semikolon ☐ nach „Gipfeln“, der Satz läuft weiter

    So fängst du an: Probe: Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz?

  2. ○Der Panther (Strophe 1 und 2) – Rainer Maria Rilke:
    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe /
    so müd geworden, dass er nichts mehr hält. /
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe /
    und hinter tausend Stäben keine Welt. //

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, /
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht, /
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, /
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Welches Metrum hat „Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe“? Starthilfe: Sprich die Verse langsam und klopf die betonten Silben mit.
    ☐ Jambus ☐ Trochäus ☐ Daktylus

    So fängst du an: Probe: Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende.

Üben

Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.

  1. ●Das ästhetische Wiesel – Christian Morgenstern:
    Ein Wiesel /
    saß auf einem Kiesel /
    inmitten Bachgeriesel. //

    Wisst ihr /
    weshalb? //

    Das Mondkalb /
    verriet es mir /
    im Stillen: //

    Das raffinier- /
    te Tier /
    tat's um des Reimes willen.

    Wie sprichst du die Frage „Wisst ihr / weshalb?“?
    ☐ an das Publikum gerichtet, mit kurzer Pause danach ☐ leise zu dir selbst ☐ ohne Pause, gleich weiter
  2. ●Der Gott der Stadt (erste Strophe) – Georg Heym:
    Auf einem Häuserblocke sitzt er breit. /
    Die Winde lagern schwarz um seine Stirn. /
    Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit /
    Die letzten Häuser in das Land verirrn.

    Wie viele betonte Silben hat „Auf einem Häuserblocke sitzt er breit“?
    ☐ vier ☐ fünf ☐ sechs
  3. ●Die Stadt (Strophe 1 und 2) – Georg Heym:
    Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein /
    Zerreißet vor des Mondes Untergang. /
    Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang /
    Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein. //

    Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, /
    Unzählig Menschen schwemmen aus und ein. /
    Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein /
    Eintönig kommt heraus in Stille matt.

    Wo machst du im ersten Vers eine deutliche Pause?
    ☐ erst am Versende nach „Wolkenschein“ ☐ gar nicht, der Vers ist ein Satz ☐ nach „Nacht“, beim Punkt
  4. ●Ein Gleiches – Johann Wolfgang von Goethe:
    Über allen Gipfeln /
    Ist Ruh, /
    In allen Wipfeln /
    Spürest du /
    Kaum einen Hauch; /
    Die Vögelein schweigen im Walde. /
    Warte nur, balde /
    Ruhest du auch.

    Welches Reimschema haben die ersten vier Verse?
    ☐ Kreuzreim ☐ Paarreim ☐ umarmender Reim
  5. ●Ein Gleiches – Johann Wolfgang von Goethe:
    Über allen Gipfeln /
    Ist Ruh, /
    In allen Wipfeln /
    Spürest du /
    Kaum einen Hauch; /
    Die Vögelein schweigen im Walde. /
    Warte nur, balde /
    Ruhest du auch.

    In welchem Tempo trägst du das Gedicht vor?
    ☐ schnell und laut, ohne Pausen ☐ langsam und leise, mit Pausen ☐ mit steigender Stimme wie eine Frage

Weiterdenken

Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.

  1. ★Weltende (erste Strophe) – Jakob van Hoddis:
    Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, /
    In allen Lüften hallt es wie Geschrei. /
    Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei /
    Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

    Wo machst du in der Strophe die erste lange Pause?
    ☐ nach „Hut“, beim Komma ☐ nach „Geschrei“, beim Punkt ☐ nach „entzwei“, am Versende
  2. ★Pausenhof:
    Rauschende Blätter im herbstlichen Wind /
    flüstern dem Hof, dass die Pause beginnt. /
    Lachende Stimmen und fliegender Ball, /
    Schritte und Rufe und Echo und Hall.

    Warum passt der Daktylus zum Pausenhof?
    ☐ Er klingt langsam und feierlich. ☐ Er ist das Metrum aller Herbstgedichte. ☐ Er klingt schnell und hüpfend wie ein Ball.

Eigene Sätze

  1. ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.

Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken

  1. nach „Gipfeln“, der Satz läuft weiter
  2. Jambus
  3. an das Publikum gerichtet, mit kurzer Pause danach
  4. fünf
  5. nach „Nacht“, beim Punkt
  6. Kreuzreim
  7. langsam und leise, mit Pausen
  8. nach „Geschrei“, beim Punkt
  9. Er klingt schnell und hüpfend wie ein Ball.

Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft

  1. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → nach „Gipfeln“, der Satz läuft weiter
  2. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → Jambus
  3. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → an das Publikum gerichtet, mit kurzer Pause danach
  4. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → fünf
  5. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → nach „Nacht“, beim Punkt
  6. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → Kreuzreim
  7. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → langsam und leise, mit Pausen
  8. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → nach „Geschrei“, beim Punkt
  9. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → Er klingt schnell und hüpfend wie ein Ball.