Zum Inhalt springen
Anmelden
Deutsch · Blatt · Klasse 7

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

Deutsch

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

Name:
Klasse:
Datum:
15.10.2026

Merken

Aufbau der Kurzgeschichte: Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen. Der Erzähler ist nicht der Autor: Er sagt ich oder erzählt in der Er-Form.

Beispiel: Der Pokal:
Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //

So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //

Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //

Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.

Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.

Wer erzählt diese Geschichte?

  1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
  2. Die Figur spricht von sich selbst: „ich hatte das dritte Tor geschossen“.
  3. Also: Ich-Erzähler

Ergebnis: Ich-Erzähler

Mit Starthilfe

Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.

  1. ○Elf Minuten:
    Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //

    Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //

    Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //

    Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //

    Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.

    Was spannt die Geschichte bis zum Schluss? Starthilfe: Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    ☐ Man weiß nicht, was es in der Mensa gibt. ☐ Frau Brandt verrät das Ergebnis zu früh. ☐ Man erfährt nie, was neben Leons Namen steht.

    So fängst du an: Probe: Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede.

  2. ○Stillstand:
    Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

    Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

    Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

    Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

    Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

    Wo bleibt der Aufzug stehen? Starthilfe: Such die Stelle, an der die Antwort steht. Lies den Satz davor und danach.
    ☐ zwischen dem dritten und dem vierten Stock ☐ im fünften Stock ☐ im Keller

    So fängst du an: Probe: Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter?

Üben

Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.

  1. ●Elf Minuten:
    Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //

    Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //

    Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //

    Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //

    Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.

    Warum erzählt der Text so genau, wie Leon den Speiseplan liest?
    ☐ So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend. ☐ Der Speiseplan ist für die Handlung wichtig. ☐ Leon hat Hunger und will in die Mensa.
  2. ●Der letzte Karton:
    Mila packte den letzten Karton. Oben drauf legte sie das Foto von der Klassenfahrt, alle zwanzig Gesichter, die Hälfte mit geschlossenen Augen. //

    „Du kannst ja jedes Wochenende herkommen“, hatte ihr Vater gesagt. Hamburg war vier Stunden entfernt. Mila hatte nicht geantwortet. //

    Unten hupte der Umzugswagen. Sie klebte den Karton zu und schrieb mit dickem Stift darauf: ZERBRECHLICH. //

    Dann riss sie das Klebeband noch einmal auf, nahm das Foto heraus und steckte es in ihre Jackentasche.

    Wie steht Mila zum Umzug?
    ☐ Gut, denn sie packt alles selbst ein. ☐ Sie geht nicht gern und hängt an ihrer Klasse. ☐ Sie freut sich auf jedes Wochenende.
  3. ●An der Tafel:
    Frau Okafor schrieb die Aufgabe an die Tafel. Dann sah sie in die Klasse. „Wer rechnet sie vor?“ //

    Ich wusste die Lösung. Ich hatte sie schon im Heft, sauber unterstrichen. Aber meine Hand blieb auf dem Tisch liegen, als wäre sie festgeklebt. //

    Nele meldete sich. Sie ging nach vorn, rechnete, strich durch, rechnete neu. Am Ende stimmte es nicht. Ein paar lachten leise. //

    „Danke, Nele“, sagte Frau Okafor. „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“ //

    Ich sah auf mein Heft. Dann hob ich die Hand.

    Warum erzählt der Text so genau, wie Nele rechnet und durchstreicht?
    ☐ Die Rechnung selbst ist das Thema. ☐ Nele soll lächerlich wirken. ☐ Man sieht, wie mutig Nele ist, obwohl es schiefgeht.
  4. ●Stillstand:
    Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

    Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

    Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

    Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

    Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

    Warum gibt die Frau Emre eine Orange?
    ☐ Sie will freundlich sein und ihn beruhigen. ☐ Weil sie zu viele Orangen gekauft hat. ☐ Weil Emre sie um etwas zu essen bittet.
  5. ●Der Pokal:
    Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //

    So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //

    Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //

    Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.

    Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.

    Welcher Satz ist der Wendepunkt?
    ☐ Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine. ☐ Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. ☐ Jeden Morgen stand dort mein Name.

Weiterdenken

Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.

  1. ★Der Pokal:
    Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //

    So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //

    Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //

    Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.

    Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.

    Wozu dient die Wiederholung „Jeden Morgen“?
    ☐ Sie zeigt, dass die Person gern zur Schule geht. ☐ Sie zeigt, dass das schlechte Gewissen täglich wiederkommt. ☐ Sie beschreibt den Weg zur Redaktion.
  2. ★Die letzte Flasche:
    Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //

    Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //

    Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //

    „Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //

    Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.

    Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.

    Was zeigt der letzte Satz?
    ☐ Die Person ist vergesslich. ☐ Die Person hat ihr Geld verloren. ☐ Die kleine Begegnung beschäftigt die Person mehr als ihr Einkauf.

Eigene Sätze

  1. ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.

Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken

  1. Man erfährt nie, was neben Leons Namen steht.
  2. zwischen dem dritten und dem vierten Stock
  3. So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
  4. Sie geht nicht gern und hängt an ihrer Klasse.
  5. Man sieht, wie mutig Nele ist, obwohl es schiefgeht.
  6. Sie will freundlich sein und ihn beruhigen.
  7. Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion.
  8. Sie zeigt, dass das schlechte Gewissen täglich wiederkommt.
  9. Die kleine Begegnung beschäftigt die Person mehr als ihr Einkauf.

Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft

  1. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Man erfährt nie, was neben Leons Namen steht.
  2. Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → zwischen dem dritten und dem vierten Stock
  3. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
  4. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Sie geht nicht gern und hängt an ihrer Klasse.
  5. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Man sieht, wie mutig Nele ist, obwohl es schiefgeht.
  6. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Sie will freundlich sein und ihn beruhigen.
  7. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion.
  8. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Sie zeigt, dass das schlechte Gewissen täglich wiederkommt.
  9. Such für deine Antwort einen Grund im Text. Behauptet sie mehr, als dort steht? → Die kleine Begegnung beschäftigt die Person mehr als ihr Einkauf.