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Deutsch · Blatt · Klasse 8

Lyrik

Deutsch

Lyrik

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Datum:
08.10.2026

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Gedichtvortrag: Pausen an den Satzzeichen, nicht an jedem Versende. Beim Zeilensprung liest du weiter. Tempo und Lautstärke folgen der Stimmung.

Beispiel: Ein Gleiches – Johann Wolfgang von Goethe:
Über allen Gipfeln /
Ist Ruh, /
In allen Wipfeln /
Spürest du /
Kaum einen Hauch; /
Die Vögelein schweigen im Walde. /
Warte nur, balde /
Ruhest du auch.

Wo machst du vor den letzten beiden Versen eine lange Pause?

  1. Achte auf die Satzzeichen, nicht auf das Versende.
  2. Nach Walde endet ein Satz. Danach beginnt „Warte nur“, die Rede an das Du.
  3. Also: nach „Walde“, beim Punkt

Ergebnis: nach „Walde“, beim Punkt

Mit Starthilfe

Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.

  1. ○Mondnacht – Joseph von Eichendorff:
    Es war, als hätt der Himmel /
    Die Erde still geküsst, /
    Dass sie im Blütenschimmer /
    Von ihm nun träumen müsst. //

    Die Luft ging durch die Felder, /
    Die Ähren wogten sacht, /
    Es rauschten leis die Wälder, /
    So sternklar war die Nacht. //

    Und meine Seele spannte /
    Weit ihre Flügel aus, /
    Flog durch die stillen Lande, /
    Als flöge sie nach Haus.

    Wo machst du in der ersten Strophe die erste Pause? Starthilfe: Achte auf die Satzzeichen, nicht auf das Versende.
    ☐ nach „Himmel“, am Ende des ersten Verses ☐ nach „Es war“, vor dem Komma ☐ nach „geküsst“, am Ende des Satzteils

    So fängst du an: Probe: Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz?

  2. ○Ein Gleiches – Johann Wolfgang von Goethe:
    Über allen Gipfeln /
    Ist Ruh, /
    In allen Wipfeln /
    Spürest du /
    Kaum einen Hauch; /
    Die Vögelein schweigen im Walde. /
    Warte nur, balde /
    Ruhest du auch.

    Welches Reimschema haben die letzten vier Verse? Starthilfe: Sprich die Verse langsam und klopf die betonten Silben mit.
    ☐ umarmender Reim ☐ Kreuzreim ☐ Paarreim

    So fängst du an: Probe: Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende.

Üben

Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.

  1. ●Der Gott der Stadt (erste Strophe) – Georg Heym:
    Auf einem Häuserblocke sitzt er breit. /
    Die Winde lagern schwarz um seine Stirn. /
    Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit /
    Die letzten Häuser in das Land verirrn.

    Welches Reimschema hat die Strophe?
    ☐ Kreuzreim ☐ Paarreim ☐ umarmender Reim
  2. ●Das ästhetische Wiesel – Christian Morgenstern:
    Ein Wiesel /
    saß auf einem Kiesel /
    inmitten Bachgeriesel. //

    Wisst ihr /
    weshalb? //

    Das Mondkalb /
    verriet es mir /
    im Stillen: //

    Das raffinier- /
    te Tier /
    tat's um des Reimes willen.

    Wie sprichst du die Frage „Wisst ihr / weshalb?“?
    ☐ leise zu dir selbst ☐ an das Publikum gerichtet, mit kurzer Pause danach ☐ ohne Pause, gleich weiter
  3. ●Das Sprungbrett:
    Sonne brennt auf heißen Steinen, /
    Kinder lachen, Kleine weinen. /
    Auf dem Brett, so hoch wie Bäume, /
    steht ein Junge voller Träume. //

    Unten warten seine Leute, /
    rufen: „Spring, du Held von heute!“ /
    Doch er steigt die Leiter nieder. /
    Morgen, sagt er, komm ich wieder.

    Welches Reimschema hat die erste Strophe?
    ☐ Kreuzreim ☐ umarmender Reim ☐ Paarreim
  4. ●Der Panther (Strophe 1 und 2) – Rainer Maria Rilke:
    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe /
    so müd geworden, dass er nichts mehr hält. /
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe /
    und hinter tausend Stäben keine Welt. //

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, /
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht, /
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, /
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Wo machst du nach „der Stäbe“ im ersten Vers eine Pause?
    ☐ keine, der Satz läuft weiter bis „hält“ ☐ eine lange, weil der Vers endet ☐ eine kurze, weil ein Reim kommt
  5. ●Das ästhetische Wiesel – Christian Morgenstern:
    Ein Wiesel /
    saß auf einem Kiesel /
    inmitten Bachgeriesel. //

    Wisst ihr /
    weshalb? //

    Das Mondkalb /
    verriet es mir /
    im Stillen: //

    Das raffinier- /
    te Tier /
    tat's um des Reimes willen.

    Warum trennt Morgenstern „raffinier- / te“?
    ☐ Weil das Wort zu lang für die Zeile ist ☐ Damit raffinier auf mir und Tier reimt ☐ Damit das Metrum ein Jambus bleibt

Weiterdenken

Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.

  1. ★Weltende (erste Strophe) – Jakob van Hoddis:
    Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, /
    In allen Lüften hallt es wie Geschrei. /
    Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei /
    Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

    Wo machst du in der Strophe die erste lange Pause?
    ☐ nach „Hut“, beim Komma ☐ nach „Geschrei“, beim Punkt ☐ nach „entzwei“, am Versende
  2. ★Die Stadt (Strophe 1 und 2) – Georg Heym:
    Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein /
    Zerreißet vor des Mondes Untergang. /
    Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang /
    Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein. //

    Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, /
    Unzählig Menschen schwemmen aus und ein. /
    Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein /
    Eintönig kommt heraus in Stille matt.

    Welche Gedichtform haben vier Strophen mit zweimal vier und zweimal drei Versen?
    ☐ Ballade ☐ Lied ☐ Sonett

Eigene Sätze

  1. ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.

Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken

  1. nach „geküsst“, am Ende des Satzteils
  2. umarmender Reim
  3. Kreuzreim
  4. an das Publikum gerichtet, mit kurzer Pause danach
  5. Paarreim
  6. keine, der Satz läuft weiter bis „hält“
  7. Damit raffinier auf mir und Tier reimt
  8. nach „Geschrei“, beim Punkt
  9. Sonett

Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft

  1. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → nach „geküsst“, am Ende des Satzteils
  2. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → umarmender Reim
  3. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → Kreuzreim
  4. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → an das Publikum gerichtet, mit kurzer Pause danach
  5. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → Paarreim
  6. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → keine, der Satz läuft weiter bis „hält“
  7. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → Damit raffinier auf mir und Tier reimt
  8. Lies die Stelle zweimal laut: einmal mit Pause am Versende, einmal ohne. Welche Fassung trägt den Satz? → nach „Geschrei“, beim Punkt
  9. Schreib unter jede Silbe x für unbetont und X für betont. Für den Reim: Buchstaben ans Versende. → Sonett