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Deutsch · Blatt · Klasse 7

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

Deutsch

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

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Klasse:
Datum:
21.10.2026

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Aufbau der Kurzgeschichte: Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen. Der Erzähler ist nicht der Autor: Er sagt ich oder erzählt in der Er-Form.

Beispiel: Stillstand:
Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

An welcher Stelle ändert sich die Lage zwischen den beiden?

  1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
  2. Vorher stehen zwei Fremde da. Danach reden sie miteinander.
  3. Also: als die Frau sich neben ihn setzt und ihm etwas gibt

Ergebnis: als die Frau sich neben ihn setzt und ihm etwas gibt

Mit Starthilfe

Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.

  1. ○Der Schal:
    Oma hatte mir einen Schal gestrickt. Er war gelb und grün gestreift und lang genug für zwei. Ich bedankte mich und legte ihn ganz unten in den Schrank. //

    Im Januar war es so kalt, dass mir morgens die Ohren wehtaten. Ich nahm den Schal nur für den Weg zur Bushaltestelle und stopfte ihn in den Rucksack, bevor der Bus kam. //

    An einem Freitag vergaß ich es. Ich stand schon im Klassenraum, als Jasmin auf meinen Hals zeigte. „Wo hast du den her?“, fragte sie. „So einen will ich auch.“ //

    Am Samstag rief ich Oma an. Ich fragte, ob sie mir zeigt, wie man strickt.

    Wie nennt man einen Anfang ohne Vorstellung von Ort, Zeit und Figuren? Starthilfe: Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    ☐ ausführlich ☐ zeitlich ☐ unvermittelt

    So fängst du an: Probe: Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede.

  2. ○Der letzte Karton:
    Mila packte den letzten Karton. Oben drauf legte sie das Foto von der Klassenfahrt, alle zwanzig Gesichter, die Hälfte mit geschlossenen Augen. //

    „Du kannst ja jedes Wochenende herkommen“, hatte ihr Vater gesagt. Hamburg war vier Stunden entfernt. Mila hatte nicht geantwortet. //

    Unten hupte der Umzugswagen. Sie klebte den Karton zu und schrieb mit dickem Stift darauf: ZERBRECHLICH. //

    Dann riss sie das Klebeband noch einmal auf, nahm das Foto heraus und steckte es in ihre Jackentasche.

    Was liegt oben auf dem letzten Karton? Starthilfe: Such die Stelle, an der die Antwort steht. Lies den Satz davor und danach.
    ☐ das Foto von der Klassenfahrt ☐ ein dicker Stift ☐ eine Karte von Hamburg

    So fängst du an: Probe: Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter?

Üben

Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.

  1. ●Die Brücke (Auszug) – Franz Kafka:
    Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke, über einem Abgrund lag ich. Diesseits waren die Fußspitzen, jenseits die Hände eingebohrt, in bröckelndem Lehm habe ich mich festgebissen. Die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten. In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach. Kein Tourist verirrte sich zu dieser unwegsamen Höhe, die Brücke war in den Karten noch nicht eingezeichnet. – So lag ich und wartete; ich musste warten. Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören Brücke zu sein. //

    […] Und ich drehte mich um, ihn zu sehen. – Brücke dreht sich um! Ich war noch nicht umgedreht, da stürzte ich schon.

    Wer erzählt diesen Text?
    ☐ Ich-Erzähler ☐ Er-Erzähler ☐ Franz Kafka selbst
  2. ●Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
    Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //

    So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

    Was sagt der zweite Wandersmann zum Sohn?
    ☐ Ihr seid zu zweit zu schwer. ☐ Du hast jüngere Beine. ☐ Lass deinen Esel ausruhen.
  3. ●Der letzte Karton:
    Mila packte den letzten Karton. Oben drauf legte sie das Foto von der Klassenfahrt, alle zwanzig Gesichter, die Hälfte mit geschlossenen Augen. //

    „Du kannst ja jedes Wochenende herkommen“, hatte ihr Vater gesagt. Hamburg war vier Stunden entfernt. Mila hatte nicht geantwortet. //

    Unten hupte der Umzugswagen. Sie klebte den Karton zu und schrieb mit dickem Stift darauf: ZERBRECHLICH. //

    Dann riss sie das Klebeband noch einmal auf, nahm das Foto heraus und steckte es in ihre Jackentasche.

    Warum passt das Wort ZERBRECHLICH zu Milas Lage?
    ☐ Im Karton liegen Gläser. ☐ Der Umzugswagen fährt zu schnell. ☐ Nicht nur der Inhalt, auch Milas Abschied ist empfindlich.
  4. ●Stillstand:
    Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

    Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

    Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

    Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

    Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

    Warum gibt die Frau Emre eine Orange?
    ☐ Sie will freundlich sein und ihn beruhigen. ☐ Weil sie zu viele Orangen gekauft hat. ☐ Weil Emre sie um etwas zu essen bittet.
  5. ●Die Nachricht:
    Im Bus zog Selin das Handy aus der Jacke. Eine Nachricht von Jonas: „Hast du die Fotos von gestern schon gesehen? Alle lachen darüber.“ Darunter ein Link. //

    Selin tippte nicht darauf. Sie sah aus dem Fenster. Draußen warteten Leute an der Ampel, als wäre nichts. Sie dachte an die Party, an den Tisch, an das Glas, das umgefallen war. //

    Zwei Haltestellen später vibrierte das Handy wieder. „Das Foto von Mehmet ist das beste“, schrieb Jonas. //

    Selin atmete aus. Mehmet. Nicht sie. //

    Sie öffnete den Link trotzdem nicht. Sie schrieb: „Lösch das bitte. Für Mehmet.“ Dann steckte sie das Handy weg und stieg eine Haltestelle zu früh aus.

    Wie nennt man die Stelle, an der Selin an die Party vom Vortag zurückdenkt?
    ☐ Wendepunkt ☐ Rückblende ☐ Vorausdeutung

Weiterdenken

Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.

  1. ★Kleine Fabel – Franz Kafka:
    „Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

    Warum hat die Maus am Anfang Angst?
    ☐ Die Katze verfolgt sie schon lange. ☐ Die Welt ist ihr zu breit und zu offen. ☐ Die Mauern kommen schnell auf sie zu.
  2. ★Der letzte Karton:
    Mila packte den letzten Karton. Oben drauf legte sie das Foto von der Klassenfahrt, alle zwanzig Gesichter, die Hälfte mit geschlossenen Augen. //

    „Du kannst ja jedes Wochenende herkommen“, hatte ihr Vater gesagt. Hamburg war vier Stunden entfernt. Mila hatte nicht geantwortet. //

    Unten hupte der Umzugswagen. Sie klebte den Karton zu und schrieb mit dickem Stift darauf: ZERBRECHLICH. //

    Dann riss sie das Klebeband noch einmal auf, nahm das Foto heraus und steckte es in ihre Jackentasche.

    Welche Stelle ist der Wendepunkt?
    ☐ Unten hupt der Umzugswagen. ☐ Sie schreibt ZERBRECHLICH auf den Karton. ☐ Sie reißt das Klebeband noch einmal auf.

Eigene Sätze

  1. ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.

Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken

  1. unvermittelt
  2. das Foto von der Klassenfahrt
  3. Ich-Erzähler
  4. Du hast jüngere Beine.
  5. Nicht nur der Inhalt, auch Milas Abschied ist empfindlich.
  6. Sie will freundlich sein und ihn beruhigen.
  7. Rückblende
  8. Die Welt ist ihr zu breit und zu offen.
  9. Sie reißt das Klebeband noch einmal auf.

Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft

  1. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → unvermittelt
  2. Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → das Foto von der Klassenfahrt
  3. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Ich-Erzähler
  4. Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → Du hast jüngere Beine.
  5. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Nicht nur der Inhalt, auch Milas Abschied ist empfindlich.
  6. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Sie will freundlich sein und ihn beruhigen.
  7. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Rückblende
  8. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Die Welt ist ihr zu breit und zu offen.
  9. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Sie reißt das Klebeband noch einmal auf.