Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)
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- Klasse:
- Datum:
- 23.10.2026
Mein Ziel: Ich kann den Aufbau einer Kurzgeschichte beschreiben.
Erst entscheiden, dann vergleichen. Wo du falsch lagst: die Probe noch einmal machen und den Satz richtig abschreiben.
○ mit Starthilfe, ● für alle, ★ zum Weiterdenken. Du wählst mindestens eine ★-Aufgabe.
Merken
Aufbau der Kurzgeschichte: Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen. Der Erzähler ist nicht der Autor: Er sagt ich oder erzählt in der Er-Form.
Beispiel: Die letzte Flasche:
Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //
Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //
Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //
„Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //
Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.
Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.
Wer erzählt diese Geschichte?
- Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
- Die erzählende Figur sagt ich: „Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten.“
- Also: Ich-Erzähler
Ergebnis: Ich-Erzähler
Mit Starthilfe
Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.
- ○Elf Minuten:
Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //
Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //
Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //
Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //
Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.
Warum erzählt der Text so genau, wie Leon den Speiseplan liest? Starthilfe: Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
☐ Der Speiseplan ist für die Handlung wichtig. ☐ Leon hat Hunger und will in die Mensa. ☐ So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.So fängst du an: Probe: Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede.
- ○Stillstand:
Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //
Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //
Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //
Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //
Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.
Was gibt die Frau Emre? Starthilfe: Such die Stelle, an der die Antwort steht. Lies den Satz davor und danach.
☐ eine Orange ☐ ihr Handy ☐ die ganze TüteSo fängst du an: Probe: Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter?
Üben
Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.
- ●Die Nachricht:
Im Bus zog Selin das Handy aus der Jacke. Eine Nachricht von Jonas: „Hast du die Fotos von gestern schon gesehen? Alle lachen darüber.“ Darunter ein Link. //
Selin tippte nicht darauf. Sie sah aus dem Fenster. Draußen warteten Leute an der Ampel, als wäre nichts. Sie dachte an die Party, an den Tisch, an das Glas, das umgefallen war. //
Zwei Haltestellen später vibrierte das Handy wieder. „Das Foto von Mehmet ist das beste“, schrieb Jonas. //
Selin atmete aus. Mehmet. Nicht sie. //
Sie öffnete den Link trotzdem nicht. Sie schrieb: „Lösch das bitte. Für Mehmet.“ Dann steckte sie das Handy weg und stieg eine Haltestelle zu früh aus.
Wie nennt man die Stelle, an der Selin an die Party vom Vortag zurückdenkt?
☐ Rückblende ☐ Wendepunkt ☐ Vorausdeutung - ●Der Schal:
Oma hatte mir einen Schal gestrickt. Er war gelb und grün gestreift und lang genug für zwei. Ich bedankte mich und legte ihn ganz unten in den Schrank. //
Im Januar war es so kalt, dass mir morgens die Ohren wehtaten. Ich nahm den Schal nur für den Weg zur Bushaltestelle und stopfte ihn in den Rucksack, bevor der Bus kam. //
An einem Freitag vergaß ich es. Ich stand schon im Klassenraum, als Jasmin auf meinen Hals zeigte. „Wo hast du den her?“, fragte sie. „So einen will ich auch.“ //
Am Samstag rief ich Oma an. Ich fragte, ob sie mir zeigt, wie man strickt.
Wohin legt die erzählende Person den Schal zuerst?
☐ in den Rucksack ☐ ganz unten in den Schrank ☐ an die Garderobe der Schule - ●An der Tafel:
Frau Okafor schrieb die Aufgabe an die Tafel. Dann sah sie in die Klasse. „Wer rechnet sie vor?“ //
Ich wusste die Lösung. Ich hatte sie schon im Heft, sauber unterstrichen. Aber meine Hand blieb auf dem Tisch liegen, als wäre sie festgeklebt. //
Nele meldete sich. Sie ging nach vorn, rechnete, strich durch, rechnete neu. Am Ende stimmte es nicht. Ein paar lachten leise. //
„Danke, Nele“, sagte Frau Okafor. „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“ //
Ich sah auf mein Heft. Dann hob ich die Hand.
Welcher Satz ist der Wendepunkt?
☐ „Wer rechnet sie vor?“ ☐ Ein paar lachten leise. ☐ „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“ - ●Kleine Fabel – Franz Kafka:
„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.
Warum hat die Maus am Anfang Angst?
☐ Die Welt ist ihr zu breit und zu offen. ☐ Die Katze verfolgt sie schon lange. ☐ Die Mauern kommen schnell auf sie zu. - ●Der Schal:
Oma hatte mir einen Schal gestrickt. Er war gelb und grün gestreift und lang genug für zwei. Ich bedankte mich und legte ihn ganz unten in den Schrank. //
Im Januar war es so kalt, dass mir morgens die Ohren wehtaten. Ich nahm den Schal nur für den Weg zur Bushaltestelle und stopfte ihn in den Rucksack, bevor der Bus kam. //
An einem Freitag vergaß ich es. Ich stand schon im Klassenraum, als Jasmin auf meinen Hals zeigte. „Wo hast du den her?“, fragte sie. „So einen will ich auch.“ //
Am Samstag rief ich Oma an. Ich fragte, ob sie mir zeigt, wie man strickt.
Wie nennt man einen Anfang ohne Vorstellung von Ort, Zeit und Figuren?
☐ ausführlich ☐ unvermittelt ☐ zeitlich
Weiterdenken
Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.
- ★Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //
So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.
Warum wechseln Vater und Sohn immer wieder?
☐ Der Esel wird nach jeder Strecke müde. ☐ Sie tun jedes Mal, was der letzte Wanderer sagt. ☐ Der Vater will den Sohn bestrafen. - ★Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //
So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.
Wie ist die Geschichte gebaut?
☐ Ein Rückblick auf den Anfang der Reise ☐ Ein Streit zwischen Vater und Sohn ☐ Viermal dasselbe Muster, jedes Mal etwas verrückter
Eigene Sätze
- ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.
Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken
- So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
- eine Orange
- Rückblende
- ganz unten in den Schrank
- „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“
- Die Welt ist ihr zu breit und zu offen.
- unvermittelt
- Sie tun jedes Mal, was der letzte Wanderer sagt.
- Viermal dasselbe Muster, jedes Mal etwas verrückter
Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
- Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → eine Orange
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Rückblende
- Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → ganz unten in den Schrank
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“
- Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Die Welt ist ihr zu breit und zu offen.
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → unvermittelt
- Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Sie tun jedes Mal, was der letzte Wanderer sagt.
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Viermal dasselbe Muster, jedes Mal etwas verrückter