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Deutsch · Blatt · Klasse 7

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

Deutsch

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

Name:
Klasse:
Datum:
08.10.2026

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Aufbau der Kurzgeschichte: Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen. Der Erzähler ist nicht der Autor: Er sagt ich oder erzählt in der Er-Form.

Beispiel: An der Tafel:
Frau Okafor schrieb die Aufgabe an die Tafel. Dann sah sie in die Klasse. „Wer rechnet sie vor?“ //

Ich wusste die Lösung. Ich hatte sie schon im Heft, sauber unterstrichen. Aber meine Hand blieb auf dem Tisch liegen, als wäre sie festgeklebt. //

Nele meldete sich. Sie ging nach vorn, rechnete, strich durch, rechnete neu. Am Ende stimmte es nicht. Ein paar lachten leise. //

„Danke, Nele“, sagte Frau Okafor. „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“ //

Ich sah auf mein Heft. Dann hob ich die Hand.

Welcher Satz ist der Wendepunkt?

  1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
  2. Nach dieser Frage traut sich die Person, die bisher geschwiegen hat.
  3. Also: „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“

Ergebnis: „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“

Mit Starthilfe

Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.

  1. ○Elf Minuten:
    Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //

    Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //

    Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //

    Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //

    Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.

    Wer erzählt diese Geschichte? Starthilfe: Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    ☐ Er-Erzähler ☐ Ich-Erzähler ☐ Frau Brandt

    So fängst du an: Probe: Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede.

  2. ○Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
    Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //

    So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

    Was sagt der zweite Wandersmann zum Sohn? Starthilfe: Such die Stelle, an der die Antwort steht. Lies den Satz davor und danach.
    ☐ Ihr seid zu zweit zu schwer. ☐ Du hast jüngere Beine. ☐ Lass deinen Esel ausruhen.

    So fängst du an: Probe: Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter?

Üben

Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.

  1. ●Die Nachricht:
    Im Bus zog Selin das Handy aus der Jacke. Eine Nachricht von Jonas: „Hast du die Fotos von gestern schon gesehen? Alle lachen darüber.“ Darunter ein Link. //

    Selin tippte nicht darauf. Sie sah aus dem Fenster. Draußen warteten Leute an der Ampel, als wäre nichts. Sie dachte an die Party, an den Tisch, an das Glas, das umgefallen war. //

    Zwei Haltestellen später vibrierte das Handy wieder. „Das Foto von Mehmet ist das beste“, schrieb Jonas. //

    Selin atmete aus. Mehmet. Nicht sie. //

    Sie öffnete den Link trotzdem nicht. Sie schrieb: „Lösch das bitte. Für Mehmet.“ Dann steckte sie das Handy weg und stieg eine Haltestelle zu früh aus.

    Wie nennt man die Stelle, an der sich die Lage für die Figur plötzlich ändert?
    ☐ Einleitung ☐ Wendepunkt ☐ Rückblende
  2. ●Die Brücke (Auszug) – Franz Kafka:
    Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke, über einem Abgrund lag ich. Diesseits waren die Fußspitzen, jenseits die Hände eingebohrt, in bröckelndem Lehm habe ich mich festgebissen. Die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten. In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach. Kein Tourist verirrte sich zu dieser unwegsamen Höhe, die Brücke war in den Karten noch nicht eingezeichnet. – So lag ich und wartete; ich musste warten. Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören Brücke zu sein. //

    […] Und ich drehte mich um, ihn zu sehen. – Brücke dreht sich um! Ich war noch nicht umgedreht, da stürzte ich schon.

    Was lärmt in der Tiefe unter der Brücke?
    ☐ der bröckelnde Lehm ☐ ein Sturm über dem Abgrund ☐ der eisige Forellenbach
  3. ●Der letzte Karton:
    Mila packte den letzten Karton. Oben drauf legte sie das Foto von der Klassenfahrt, alle zwanzig Gesichter, die Hälfte mit geschlossenen Augen. //

    „Du kannst ja jedes Wochenende herkommen“, hatte ihr Vater gesagt. Hamburg war vier Stunden entfernt. Mila hatte nicht geantwortet. //

    Unten hupte der Umzugswagen. Sie klebte den Karton zu und schrieb mit dickem Stift darauf: ZERBRECHLICH. //

    Dann riss sie das Klebeband noch einmal auf, nahm das Foto heraus und steckte es in ihre Jackentasche.

    Welche Stelle ist der Wendepunkt?
    ☐ Sie reißt das Klebeband noch einmal auf. ☐ Unten hupt der Umzugswagen. ☐ Sie schreibt ZERBRECHLICH auf den Karton.
  4. ●Der Schal:
    Oma hatte mir einen Schal gestrickt. Er war gelb und grün gestreift und lang genug für zwei. Ich bedankte mich und legte ihn ganz unten in den Schrank. //

    Im Januar war es so kalt, dass mir morgens die Ohren wehtaten. Ich nahm den Schal nur für den Weg zur Bushaltestelle und stopfte ihn in den Rucksack, bevor der Bus kam. //

    An einem Freitag vergaß ich es. Ich stand schon im Klassenraum, als Jasmin auf meinen Hals zeigte. „Wo hast du den her?“, fragte sie. „So einen will ich auch.“ //

    Am Samstag rief ich Oma an. Ich fragte, ob sie mir zeigt, wie man strickt.

    Warum stopft sie den Schal in den Rucksack, bevor der Bus kommt?
    ☐ Im Bus ist es zu warm. ☐ Niemand aus der Klasse soll ihn sehen. ☐ Er ist zu lang für den Sitz.
  5. ●Die letzte Flasche:
    Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //

    Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //

    Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //

    „Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //

    Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.

    Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.

    Welcher Satz ist der Wendepunkt?
    ☐ Hinter mir seufzte jemand laut. ☐ Ich drehte mich nicht um. ☐ „Darf ich mal?“, fragte ich.

Weiterdenken

Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.

  1. ★Stillstand:
    Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

    Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

    Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

    Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

    Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

    An welcher Stelle ändert sich die Lage zwischen den beiden?
    ☐ als Emre auf alle Knöpfe drückt ☐ als der Hausmeister kommt ☐ als die Frau sich neben ihn setzt und ihm etwas gibt
  2. ★Die letzte Flasche:
    Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //

    Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //

    Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //

    „Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //

    Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.

    Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.

    Was zeigt der letzte Satz?
    ☐ Die kleine Begegnung beschäftigt die Person mehr als ihr Einkauf. ☐ Die Person ist vergesslich. ☐ Die Person hat ihr Geld verloren.

Eigene Sätze

  1. ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.

Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken

  1. Er-Erzähler
  2. Du hast jüngere Beine.
  3. Wendepunkt
  4. der eisige Forellenbach
  5. Sie reißt das Klebeband noch einmal auf.
  6. Niemand aus der Klasse soll ihn sehen.
  7. „Darf ich mal?“, fragte ich.
  8. als die Frau sich neben ihn setzt und ihm etwas gibt
  9. Die kleine Begegnung beschäftigt die Person mehr als ihr Einkauf.

Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft

  1. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Er-Erzähler
  2. Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → Du hast jüngere Beine.
  3. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Wendepunkt
  4. Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → der eisige Forellenbach
  5. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Sie reißt das Klebeband noch einmal auf.
  6. Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Niemand aus der Klasse soll ihn sehen.
  7. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → „Darf ich mal?“, fragte ich.
  8. Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → als die Frau sich neben ihn setzt und ihm etwas gibt
  9. Such für deine Antwort einen Grund im Text. Behauptet sie mehr, als dort steht? → Die kleine Begegnung beschäftigt die Person mehr als ihr Einkauf.