Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)
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- Klasse:
- Datum:
- 02.11.2026
Mein Ziel: Ich kann den Aufbau einer Kurzgeschichte beschreiben.
Erst entscheiden, dann vergleichen. Wo du falsch lagst: die Probe noch einmal machen und den Satz richtig abschreiben.
○ mit Starthilfe, ● für alle, ★ zum Weiterdenken. Du wählst mindestens eine ★-Aufgabe.
Merken
Aufbau der Kurzgeschichte: Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen. Der Erzähler ist nicht der Autor: Er sagt ich oder erzählt in der Er-Form.
Beispiel: Elf Minuten:
Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //
Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //
Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //
Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //
Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.
Warum erzählt der Text so genau, wie Leon den Speiseplan liest?
- Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
- Montag Nudeln, Dienstag Suppe, dreimal gelesen: Der Text dehnt das Warten.
- Also: So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
Ergebnis: So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
Mit Starthilfe
Die Probe steht schon da. Mach sie und kreuze an.
- ○Stillstand:
Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //
Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //
Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //
Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //
Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.
Wer erzählt diese Geschichte? Starthilfe: Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
☐ Ich-Erzähler ☐ Er-Erzähler ☐ die Frau aus dem fünften StockSo fängst du an: Probe: Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede.
- ○Die letzte Flasche:
Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //
Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //
Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //
„Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //
Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.
Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.
Was macht die erzählende Person mit dem Etikett? Starthilfe: Such die Stelle, an der die Antwort steht. Lies den Satz davor und danach.
☐ Sie reißt es ab. ☐ Sie zeigt es dem Mann. ☐ Sie streicht es glatt.So fängst du an: Probe: Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter?
Üben
Kreuze an. Sag dir die Probe leise vor, bevor du entscheidest.
- ●Der Pokal:
Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //
So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //
Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //
Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.
Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.
Wozu dient die Wiederholung „Jeden Morgen“?
☐ Sie zeigt, dass die Person gern zur Schule geht. ☐ Sie beschreibt den Weg zur Redaktion. ☐ Sie zeigt, dass das schlechte Gewissen täglich wiederkommt. - ●An der Tafel:
Frau Okafor schrieb die Aufgabe an die Tafel. Dann sah sie in die Klasse. „Wer rechnet sie vor?“ //
Ich wusste die Lösung. Ich hatte sie schon im Heft, sauber unterstrichen. Aber meine Hand blieb auf dem Tisch liegen, als wäre sie festgeklebt. //
Nele meldete sich. Sie ging nach vorn, rechnete, strich durch, rechnete neu. Am Ende stimmte es nicht. Ein paar lachten leise. //
„Danke, Nele“, sagte Frau Okafor. „Der Fehler bringt uns weiter. Wo ist er?“ //
Ich sah auf mein Heft. Dann hob ich die Hand.
Wo hat die erzählende Person die Lösung schon?
☐ im Heft, sauber unterstrichen ☐ an der Tafel ☐ nur im Kopf - ●Der Pokal:
Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine im Flur. Unsere Mannschaft hatte das Finale gewonnen, drei zu zwei, und ich hatte das dritte Tor geschossen. //
So stand es jedenfalls in der Schülerzeitung. In Wahrheit war der Ball von Kofis Knie abgeprallt, bevor er ins Netz ging. Kofi hatte nichts gesagt. Er hatte mich nur angesehen. //
Jeden Morgen ging ich an der Vitrine vorbei. Jeden Morgen stand dort mein Name. //
Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. „Ich hab eine Korrektur“, sagte ich. Die Redakteurin sah mich über den Rand ihrer Brille an. Dann nahm sie einen Stift.
Redaktion: Die Gruppe, die eine Zeitung schreibt, und ihr Raum. Vitrine: Ein Schrank mit Glastür, in dem man etwas ausstellt.
Welcher Satz ist der Wendepunkt?
☐ Der Pokal stand seit Freitag in der Vitrine. ☐ Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion. ☐ Jeden Morgen stand dort mein Name. - ●Stillstand:
Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //
Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //
Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //
Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //
Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.
Warum bleibt die Frau ruhig?
☐ Sie hat Orangen dabei. ☐ Der Hausmeister wartet schon vor der Tür. ☐ Sie kennt das schon, der Aufzug hält öfter an. - ●Kleine Fabel – Franz Kafka:
„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.
Wo liegt der Wendepunkt der Fabel?
☐ Im letzten Satz, als die Katze spricht und die Maus frisst ☐ Als die Maus in der Ferne die Mauern sieht ☐ Am Anfang, als die Maus über die Welt klagt
Weiterdenken
Hier hilft nur die Probe, nicht das Gefühl.
- ★Die Nachricht:
Im Bus zog Selin das Handy aus der Jacke. Eine Nachricht von Jonas: „Hast du die Fotos von gestern schon gesehen? Alle lachen darüber.“ Darunter ein Link. //
Selin tippte nicht darauf. Sie sah aus dem Fenster. Draußen warteten Leute an der Ampel, als wäre nichts. Sie dachte an die Party, an den Tisch, an das Glas, das umgefallen war. //
Zwei Haltestellen später vibrierte das Handy wieder. „Das Foto von Mehmet ist das beste“, schrieb Jonas. //
Selin atmete aus. Mehmet. Nicht sie. //
Sie öffnete den Link trotzdem nicht. Sie schrieb: „Lösch das bitte. Für Mehmet.“ Dann steckte sie das Handy weg und stieg eine Haltestelle zu früh aus.
Warum passt das Ende zu einer Kurzgeschichte?
☐ Es bleibt offen, was danach passiert. ☐ Weil alle Fragen am Ende geklärt sind. ☐ Weil Selin aussteigt und nach Hause geht. - ★Elf Minuten:
Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //
Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //
Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //
Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //
Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.
„Sie lächelte ihm zu.“ Wer lächelt hier wem zu?
☐ Das steht nicht in dem Satz. ☐ Frau Brandt lächelt Leon zu. ☐ Leon lächelt Frau Brandt zu.
Eigene Sätze
- ★Schreibe drei Sätze über deinen Tag. Bestimme darin, was du heute geübt hast, und schreibe die Probe daneben.
Zum Vergleichen – erst entscheiden, dann umknicken
- Er-Erzähler
- Sie streicht es glatt.
- Sie zeigt, dass das schlechte Gewissen täglich wiederkommt.
- im Heft, sauber unterstrichen
- Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion.
- Sie kennt das schon, der Aufzug hält öfter an.
- Im letzten Satz, als die Katze spricht und die Maus frisst
- Es bleibt offen, was danach passiert.
- Frau Brandt lächelt Leon zu.
Lösungen mit Probe – für die Lehrkraft
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Er-Erzähler
- Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → Sie streicht es glatt.
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Sie zeigt, dass das schlechte Gewissen täglich wiederkommt.
- Zeig die Zeile. Steht dort genau das, wonach gefragt ist, oder nur dieselben Wörter? → im Heft, sauber unterstrichen
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Am Mittwoch klopfte ich an die Tür der Redaktion.
- Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Sie kennt das schon, der Aufzug hält öfter an.
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Im letzten Satz, als die Katze spricht und die Maus frisst
- Deck den Schluss ab: Was wäre ohne diese Stelle anders? Such ein ich außerhalb der wörtlichen Rede. → Es bleibt offen, was danach passiert.
- Such zwei Zeilen, die zusammen deine Antwort tragen. Passt sie auch zum Schluss? → Frau Brandt lächelt Leon zu.