In der Lernzeit sitzt ein Kind nach sechs Stunden Schule zwanzig Minuten an einem Tisch, und begleitet wird es von Menschen, die nicht wissen, was heute im Unterricht dran war – und die es auch nicht erfahren dürfen. Die übliche Folge ist eine von zwei schlechten: Es wird korrigiert, ohne den Weg zu kennen, oder es wird gar nicht hingesehen. Dieses Blatt schließt die Lücke mit dem, was erlaubt ist: Das Kind bringt seinen Auftrag selbst mit, und die begleitende Person bekommt Sätze, die ohne Fachwissen tragen.
| Zwanzig Minuten, dann ist Schluss – auch wenn nicht alles fertig ist. | Nach sechs Stunden Schule ist die Aufmerksamkeit endlich. Was länger dauert, ist Anwesenheit und keine Übung. |
| Erst ankommen, dann arbeiten: zehn Minuten Pause, etwas trinken, bewegen. | Eine Lernzeit direkt nach dem Klingeln bringt Kinder an den Tisch, nicht in die Arbeit. |
| Nichts Neues. Geübt wird nur, was im Unterricht schon dran war. | Neues ohne Erklärung übt Fehler ein – und die begleitende Person kann nicht erklären, was sie nicht gesehen hat. |
| Wer fertig ist, liest. Wer nicht anfangen kann, bekommt den kleinsten Schritt. | Leerlauf ist der Anfang von Unruhe; ein zu großer erster Schritt ebenso. |
| Kein Vergleich zwischen Kindern, keine Rückmeldung an die Gruppe. | Die Lernzeit ist kein Unterricht und darf nicht wie einer bewertet werden. |
Mehr Aufgaben sind in der Grundschule nicht der Weg: Der Zusammenhang zwischen Hausaufgaben und Leistung ist hier nahezu null. Eine Lernzeit, die nur Hausaufgabenzeit heißt, ist verschenkte Zeit. Was wirkt, ist der Anschluss an den Unterricht.
| Statt | Besser | Warum |
|---|---|---|
| „Das ist falsch.“ | „Zeig mir, wie du das gerechnet hast.“ | Wer den Weg nicht kennt, kann nicht richtig korrigieren – aber immer fragen. Beim Erklären findet das Kind den Fehler oft selbst (Chi und andere 1994). |
| „Ich zeige dir, wie es geht.“ | „Welchen Schritt hast du schon? Und was kommt danach?“ | Hilfe wirkt, wenn sie zurückgenommen wird, sobald das Kind weiterkommt (Wood, Bruner und Ross 1976). |
| „Du musst noch üben.“ | „Zwanzig Minuten sind um. Morgen geht es weiter.“ | Der Takt trägt, nicht die Menge – und die Lernzeit gehört nicht der begleitenden Person. |
| „Das kann doch jeder.“ | „Was war heute der schwierigste Teil?“ | Ein Satz über die Sache lässt sich beantworten, ein Satz über das Kind nicht. |
| „Soll ich es dir vorrechnen?“ | „Fang mit der Aufgabe an, die du am besten kannst.“ | Der Einstieg ist die Hürde, nicht das Rechnen. |
So sieht er aus – vier Zeilen, kein Name, kein Lernstand, keine Bewertung. Er entsteht aus dem, was das Kind ohnehin bei sich hat: ein Auftrag der Lehrkraft geht vor, dann das, was nach Abstand zur Wiederholung fällig ist, dann Lesen.
Lernzeit · 20 Minuten
Von deiner Lehrkraft für heute: sechs Aufgaben zum Malnehmen mit Zehnern
Stimmt es? Nach jeder Aufgabe siehst du selbst, ob sie stimmt. Wenn nicht, kommt der Rechenweg dazu – lies ihn, bevor du weitermachst.
Für die Begleitung: Das Kind hat einen Auftrag aus dem Unterricht. Fragen Sie am Ende: Was war der schwierigste Teil?
StEG 2005 bis 2019 (Ganztag wirkt, wo er an den Unterricht anschließt)
Lernzeit · 15 Minuten
2 frühere Ziele sind heute zur Wiederholung dran. Drei Aufgaben davon, dann sitzt es länger.
Stimmt es? Du siehst nach jeder Aufgabe, ob es gestimmt hat. Was zweimal wackelt, kommt morgen wieder.
Für die Begleitung: Heute wird Älteres wiederholt. Das sieht leicht aus und ist trotzdem die Arbeit, die am meisten bringt.
Cepeda u. a. 2008 (verteiltes Üben)
Lernzeit · 15 Minuten
Lies deinen Text laut vor – jemandem, der zuhört. Danach erzählst du, worum es ging.
Stimmt es? Konnte die Person, die zugehört hat, deine Erzählung verstehen? Wenn nicht, lies die Stelle noch einmal.
Für die Begleitung: Hören Sie zu und helfen Sie erst, wenn ein Wort drei Sekunden dauert. Lassen Sie danach erzählen, worum es ging.
National Reading Panel 2000 (lautes Lesen mit Rückmeldung); Cohen, Kulik & Kulik 1982
Lernzeit · heute frei
Du hast heute schon geübt. Die Lernzeit ist für dich Lesezeit.
Stimmt es? Nichts abzuhaken. Lesen zählt.
Für die Begleitung: Für dieses Kind steht heute nichts an. Lesen oder etwas Eigenes – kein Ersatzblatt.
Cooper, Robinson & Patall 2006 (in der Grundschule bringt mehr Aufgabengeben fast nichts)
Hat die Lernzeit stattgefunden? Ja oder nein. Mehr geht nicht zurück – wie gut, wie schnell oder wie konzentriert wäre eine Bewertung, und die gehört nicht in die Lernzeit.
Erzieherinnen und Erzieher bekommen keinen Lernstand: nicht, welche Ziele sitzen, nicht, wie das Kind gestern abgeschnitten hat, nicht, worin es schwach ist. Das ist kein technisches Detail, sondern die Grenze – Namen und Bewertungen bleiben bei der Lehrkraft.
Cooper, Robinson & Patall 2006 und Hattie 2009 (Hausaufgaben wirken in der Grundschule kaum – mehr Aufgaben sind nicht der Weg); StEG, Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (Wirkung dort, wo das Angebot Qualität hat, regelmäßig besucht wird und an den Unterricht anschließt); Wood, Bruner & Ross 1976 (Scaffolding mit Fading); Chi u. a. 1994 (Selbsterklärung wirkt auch ohne Fachwissen der begleitenden Person); Cepeda u. a. 2008 (verteiltes Üben).