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Deutsch · Klasse 7 und 8 und 9 und 10 · Kapitel

Erzähltexte lesen und verstehen (Kurzgeschichte, Novelle)

EntdeckenDie Frage zum Kapitel

Woran erkennt man eine Kurzgeschichte?

Schreib eine Vermutung auf, bevor du weiterliest.

Für die Lehrkraft: An ihrem Aufbau: kurzer alltäglicher Ausschnitt, kein Anfang mit Einführung, ein Wendepunkt und ein offener Schluss. Quelle: KMK (2004), Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss

  • Entdecken Frage, Vorstellung, Bild
  • Merken kommt ins Heft
  • Beispiel vorgerechnet, Schritt für Schritt
  • Üben selbst rechnen
  • Achtung typischer Fehler
  • Weiterdenken zum Knobeln und Vernetzen

○ mit Starthilfe, ● für alle, ★ zum Weiterdenken. Du wählst mindestens eine ★-Aufgabe. Du rechnest ins Heft.

Fit für das Kapitel?

Das brauchst du aus früheren Themen. Klappt es nicht, frag nach, bevor es losgeht.

ÜbenWeißt du das noch?

Präsens und Perfekt sicher bilden: Die Inhaltsangabe steht im Präsens, was vorher geschah, im Perfekt.

  1. ●19
    Wie heißt der Satz im Perfekt?
    Elif singt ein Lied.
    Lösung zeigen
    1. Perfekt: Hilfsverb haben oder sein in der Gegenwart und das Partizip am Ende.
    2. Bei „singen“: haben … gesungen.
    3. Also: Elif hat ein Lied gesungen.
    Ergebnis:
    Elif hat ein Lied gesungen.
  2. ●20
    Wie heißt der Satz im Präteritum?
    Tom läuft zur Schule.
    Lösung zeigen
    1. Präteritum: Nur ein Verb in der Vergangenheitsform.
    2. Bei „laufen“: lief.
    3. Also: Tom lief zur Schule.
    Ergebnis:
    Tom lief zur Schule.

ÜbenWeißt du das noch?

Die kleinen Wörter lesen: weil, deshalb, obwohl verbinden Ursache und Folge.

  1. ●21
    Welche Wortart ist das fett gedruckte Wort?
    Nach der Schule gehen wir oft schwimmen.
    Lösung zeigen
    1. Nicht die Bedeutung entscheidet, sondern wie sich das Wort im Satz verhält.
    2. Probe: Es steht für ein Nomen oder eine Person: er für den Hund, sie für Mia.
    3. Also: „wir“ ist ein Pronomen.
    Ergebnis:
    Pronomen
  2. ●22
    Welche Wortart ist das fett gedruckte Wort?
    Wenn es schneit, bauen wir einen Schneemann.
    Lösung zeigen
    1. Nicht die Bedeutung entscheidet, sondern wie sich das Wort im Satz verhält.
    2. Probe: Es steht für ein Nomen oder eine Person: er für den Hund, sie für Mia.
    3. Also: „es“ ist ein Pronomen.
    Ergebnis:
    Pronomen

So kannst du es dir vorstellen

EntdeckenEin Erzähltext baut Spannung auf

Ein Erzähltext hat einen Aufbau: Ausgangslage, Wendepunkt, Schluss. Wer erzählt, bestimmt, was man erfährt. Figuren zeigen sich in dem, was sie tun und sagen. Eine Inhaltsangabe nennt das Wichtigste im Präsens, in eigenen Worten und ohne Wertung.

WeiterdenkenDenk nach

Warum ist der Satz „Sie war traurig“ in der Inhaltsangabe weniger wert als die Stelle, an der sie das Foto zerreißt?

1Ich kann den Aufbau einer Kurzgeschichte beschreiben.

EntdeckenFrage

Woran erkennt man eine Kurzgeschichte?

Was meinst du? Schreib deine Vermutung auf, bevor du weiterliest.

Auflösung

An ihrem Aufbau: kurzer alltäglicher Ausschnitt, kein Anfang mit Einführung, ein Wendepunkt und ein offener Schluss.

MerkenAufbau der Kurzgeschichte

Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen.

Der Erzähler ist nicht der Autor: Er sagt ich oder erzählt in der Er-Form.

BeispielKurzgeschichte: Aufbau, Wendepunkt, Erzähler

Stillstand:
Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

Wie beginnt die Geschichte?
Schritt für Schritt
  1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
  2. Der erste Satz setzt mitten in der Panne ein, ohne Einleitung.
  3. Also: unvermittelt, als der Aufzug schon steht
  1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
  2. Der erste Satz setzt mitten in der Panne ein, ohne Einleitung.
  3. Also: unvermittelt, als der Aufzug schon steht
Ergebnis:
unvermittelt, als der Aufzug schon steht

AchtungLesen: Einzelheit statt Kern

So nicht
Worum geht es im Text? Antwort: Die Hauptfigur trägt einen roten Mantel. (eine Einzelheit)
So richtig
Worum geht es im Text? Antwort: Eine Frau verlässt ihr Dorf und kehrt nach Jahren verändert zurück. (der ganze Text, auch der Schluss)

Passt die Antwort zum ganzen Text, auch zum Schluss?

ÜbenJetzt du

  1. ○1
    Kleine Fabel – Franz Kafka:
    „Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

    Wo liegt der Wendepunkt der Fabel?
    So fängst du an:
    Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    Lösung zeigen
    1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    2. Erst im letzten Satz tritt die Katze auf. Dort kippt die Lage.
    3. Also: Im letzten Satz, als die Katze spricht und die Maus frisst
    Ergebnis:
    Im letzten Satz, als die Katze spricht und die Maus frisst
  2. ●2
    Der Schal:
    Oma hatte mir einen Schal gestrickt. Er war gelb und grün gestreift und lang genug für zwei. Ich bedankte mich und legte ihn ganz unten in den Schrank. //

    Im Januar war es so kalt, dass mir morgens die Ohren wehtaten. Ich nahm den Schal nur für den Weg zur Bushaltestelle und stopfte ihn in den Rucksack, bevor der Bus kam. //

    An einem Freitag vergaß ich es. Ich stand schon im Klassenraum, als Jasmin auf meinen Hals zeigte. „Wo hast du den her?“, fragte sie. „So einen will ich auch.“ //

    Am Samstag rief ich Oma an. Ich fragte, ob sie mir zeigt, wie man strickt.

    Wie nennt man einen Anfang ohne Vorstellung von Ort, Zeit und Figuren?
    Lösung zeigen
    1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    2. Der erste Satz nennt sofort das Geschenk, ohne etwas vorher zu erklären.
    3. Also: unvermittelt
    Ergebnis:
    unvermittelt
  3. ★3
    Elf Minuten:
    Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //

    Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //

    Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //

    Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //

    Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.

    Warum erzählt der Text so genau, wie Leon den Speiseplan liest?
    Lösung zeigen
    1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    2. Montag Nudeln, Dienstag Suppe, dreimal gelesen: Der Text dehnt das Warten.
    3. Also: So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
    Ergebnis:
    So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.

2Ich kann Figuren aus dem Text belegen.

EntdeckenFrage

Wer erzählt eigentlich, wenn „er“ im Text steht?

Was meinst du? Schreib deine Vermutung auf, bevor du weiterliest.

Auflösung

Ein Erzähler, nicht der Autor. Er bestimmt, was man erfährt. Der Erzählstandort färbt die Wirkung.

MerkenFiguren belegen

Eine Eigenschaft einer Figur braucht eine Textstelle.

Belege sind, was die Figur tut, sagt oder denkt, und was der Erzähler oder andere über sie sagen.

BeispielFiguren am Text belegen

Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //

So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

Was tun Vater und Sohn nach dem Tadel des zweiten Wandersmanns?
Schritt für Schritt
  1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
  2. „Da saßen beide auf und ritten eine Strecke.“ Abgestiegen ist der Vater vorher.
  3. Also: Sie setzen sich beide auf den Esel.
  1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
  2. „Da saßen beide auf und ritten eine Strecke.“ Abgestiegen ist der Vater vorher.
  3. Also: Sie setzen sich beide auf den Esel.
Ergebnis:
Sie setzen sich beide auf den Esel.

AchtungLesen: Vorwissen statt Text

So nicht
Der Text nennt die Ursache nicht. Antwort: Wegen der Wirtschaftskrise. (aus dem Kopf)
So richtig
Auf die Zeile zeigen. Steht sie nicht da, lautet die Antwort: Das sagt der Text nicht.

Zeig die Zeile. Was nicht im Text steht, zählt bei dieser Frage nicht.

ÜbenJetzt du

  1. ○4
    Die Nachricht:
    Im Bus zog Selin das Handy aus der Jacke. Eine Nachricht von Jonas: „Hast du die Fotos von gestern schon gesehen? Alle lachen darüber.“ Darunter ein Link. //

    Selin tippte nicht darauf. Sie sah aus dem Fenster. Draußen warteten Leute an der Ampel, als wäre nichts. Sie dachte an die Party, an den Tisch, an das Glas, das umgefallen war. //

    Zwei Haltestellen später vibrierte das Handy wieder. „Das Foto von Mehmet ist das beste“, schrieb Jonas. //

    Selin atmete aus. Mehmet. Nicht sie. //

    Sie öffnete den Link trotzdem nicht. Sie schrieb: „Lösch das bitte. Für Mehmet.“ Dann steckte sie das Handy weg und stieg eine Haltestelle zu früh aus.

    Was verraten die Nachrichten von Jonas über ihn?
    So fängst du an:
    Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
    Lösung zeigen
    1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
    2. „Alle lachen darüber.“ Später: „Das Foto von Mehmet ist das beste.“
    3. Also: Er lacht mit den anderen über die Fotos.
    Ergebnis:
    Er lacht mit den anderen über die Fotos.
  2. ●5
    Elf Minuten:
    Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //

    Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //

    Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //

    Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //

    Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.

    Wie reagiert Leon auf das Lächeln von Frau Brandt?
    Lösung zeigen
    1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
    2. „Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war.“
    3. Also: Er weiß nicht, ob es ein gutes Zeichen ist.
    Ergebnis:
    Er weiß nicht, ob es ein gutes Zeichen ist.
  3. ★6
    Die letzte Flasche:
    Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //

    Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //

    Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //

    „Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //

    Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.

    Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.

    Warum sagt die Person „Darf ich mal?“ und nicht mehr?
    Lösung zeigen
    1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
    2. Die Hilfe ist kurz und leise. Beide sagen danach nichts.
    3. Also: Sie will helfen, ohne den Mann bloßzustellen.
    Ergebnis:
    Sie will helfen, ohne den Mann bloßzustellen.

3Ich kann eine Inhaltsangabe im Präsens schreiben.

EntdeckenFrage

Warum wirkt „Sie zerriss das Foto“ stärker als „Sie war traurig“?

Was meinst du? Schreib deine Vermutung auf, bevor du weiterliest.

Auflösung

Handlung zeigt statt zu behaupten. Belege am Text sind die Grundlage jeder Figurendeutung.

MerkenInhaltsangabe

Einleitungssatz mit Titel, Autor, Textsorte und Thema.

Dann die wichtigsten Schritte der Handlung der Reihe nach, im Präsens, Vorzeitiges im Perfekt. Eigene Worte, keine wörtliche Rede, keine Wertung.

BeispielInhaltsangabe mit der Checkliste prüfen

In welcher Zeitform steht eine Inhaltsangabe?
Schritt für Schritt
  1. Nimm die Checkliste der Inhaltsangabe und prüf Punkt für Punkt.
  2. Die Inhaltsangabe steht im Präsens, auch wenn die Geschichte im Präteritum erzählt.
  3. Also: Präsens
  1. Nimm die Checkliste der Inhaltsangabe und prüf Punkt für Punkt.
  2. Die Inhaltsangabe steht im Präsens, auch wenn die Geschichte im Präteritum erzählt.
  3. Also: Präsens
Ergebnis:
Präsens

AchtungKriterium oder Aufgabenformat übersehen

So nicht
Aufgabe: Fasse zusammen. Antwort: Ich finde den Schluss traurig. (Wertung statt Zusammenfassung)
So richtig
Die Aufgabe verlangt eine Inhaltsangabe: Was geschieht, in eigenen Worten und im Präsens. Die Wertung gehört nicht hinein.

Geh die Checkliste der Inhaltsangabe Punkt für Punkt durch.

ÜbenJetzt du

  1. ○7
    Welcher Einleitungssatz erfüllt die Checkliste?
    So fängst du an:
    Nimm die Checkliste der Inhaltsangabe und prüf Punkt für Punkt.
    Lösung zeigen
    1. Nimm die Checkliste der Inhaltsangabe und prüf Punkt für Punkt.
    2. Titel, Autor, Textsorte und Thema in einem Satz, ohne Wertung.
    3. Also: In Kafkas Parabel „Kleine Fabel“ geht es um eine Maus ohne Ausweg.
    Ergebnis:
    In Kafkas Parabel „Kleine Fabel“ geht es um eine Maus ohne Ausweg.
  2. ●8
    Wie gibt man Selins Nachricht in der Inhaltsangabe wieder?
    Lösung zeigen
    1. Nimm die Checkliste der Inhaltsangabe und prüf Punkt für Punkt.
    2. Eigene Worte, Präsens, keine Redezeichen.
    3. Also: Selin bittet Jonas, das Foto zu löschen.
    Ergebnis:
    Selin bittet Jonas, das Foto zu löschen.
  3. ★9
    Aus einer Inhaltsangabe: „Die Geschichte zeigt, dass man immer helfen muss.“ Warum gehört der Satz nicht hinein?
    Lösung zeigen
    1. Nimm die Checkliste der Inhaltsangabe und prüf Punkt für Punkt.
    2. Die Inhaltsangabe gibt wieder. Eine Deutung gehört in eine Interpretation.
    3. Also: Er deutet den Text, statt den Inhalt wiederzugeben.
    Ergebnis:
    Er deutet den Text, statt den Inhalt wiederzugeben.

Vermischte Übungen

Alles durcheinander – wie in der Arbeit. Überleg bei jeder Aufgabe zuerst: Welches Ziel ist das?

Üben

  1. ●10
    Stillstand:
    Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

    Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

    Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

    Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

    Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

    Wer erzählt diese Geschichte?
    Lösung zeigen
    1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    2. Emre wird von außen gezeigt, in der dritten Person.
    3. Also: Er-Erzähler
    Ergebnis:
    Er-Erzähler
  2. ●11
    Stillstand:
    Der Aufzug blieb zwischen dem dritten und dem vierten Stock stehen. Emre drückte auf alle Knöpfe. Nichts. //

    Neben ihm stand die Frau aus dem fünften Stock, die er nur vom Sehen kannte. Sie hielt eine Tüte mit Orangen. „Das passiert öfter“, sagte sie. „Zehn Minuten, dann kommt der Hausmeister.“ //

    Emre setzte sich auf den Boden. Sein Handy hatte keinen Empfang. Die Frau setzte sich neben ihn und gab ihm eine Orange. //

    Sie redeten über den Hausmeister, über den Lärm im Hof, über ihre Enkelin, die so alt war wie er. Als der Aufzug ruckte und weiterfuhr, stand Emre langsamer auf als nötig. //

    Im vierten Stock hielt er ihr die Tür auf. „Bis morgen“, sagte sie. Er wusste nicht, warum er nickte.

    Warum gibt die Frau Emre eine Orange?
    Lösung zeigen
    1. Verbinde zwei Stellen im Text. Was folgt aus beiden zusammen?
    2. Emre sitzt ohne Empfang auf dem Boden. Sie setzt sich neben ihn und teilt.
    3. Also: Sie will freundlich sein und ihn beruhigen.
    Ergebnis:
    Sie will freundlich sein und ihn beruhigen.
  3. ●12
    Die letzte Flasche:
    Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //

    Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //

    Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //

    „Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //

    Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.

    Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.

    Wie reagiert der Mann auf die Hilfe?
    Lösung zeigen
    1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
    2. „Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts.“ Geseufzt hat jemand anderes.
    3. Also: Er nickt und sagt nichts.
    Ergebnis:
    Er nickt und sagt nichts.
  4. ●13
    Aus einer Inhaltsangabe: „Als der Mann die Flasche nicht loswird, hilft ihm eine junge Person.“ Welches Merkmal zeigt der Satz?
    Lösung zeigen
    1. Nimm die Checkliste der Inhaltsangabe und prüf Punkt für Punkt.
    2. wird und hilft stehen im Präsens. Der Satz fasst mit eigenen Worten zusammen.
    3. Also: Präsens und eigene Worte
    Ergebnis:
    Präsens und eigene Worte
  5. ●14
    Die Nachricht:
    Im Bus zog Selin das Handy aus der Jacke. Eine Nachricht von Jonas: „Hast du die Fotos von gestern schon gesehen? Alle lachen darüber.“ Darunter ein Link. //

    Selin tippte nicht darauf. Sie sah aus dem Fenster. Draußen warteten Leute an der Ampel, als wäre nichts. Sie dachte an die Party, an den Tisch, an das Glas, das umgefallen war. //

    Zwei Haltestellen später vibrierte das Handy wieder. „Das Foto von Mehmet ist das beste“, schrieb Jonas. //

    Selin atmete aus. Mehmet. Nicht sie. //

    Sie öffnete den Link trotzdem nicht. Sie schrieb: „Lösch das bitte. Für Mehmet.“ Dann steckte sie das Handy weg und stieg eine Haltestelle zu früh aus.

    Wie beginnt die Geschichte?
    Lösung zeigen
    1. Such zuerst die Stelle, an der sich etwas ändert, und frag, wer erzählt.
    2. Der erste Satz setzt im Bus ein. Wer Selin ist, erfährt man nicht.
    3. Also: Unvermittelt, mitten im Geschehen im Bus
    Ergebnis:
    Unvermittelt, mitten im Geschehen im Bus
  6. ●15
    Die Brücke (Auszug) – Franz Kafka:
    Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke, über einem Abgrund lag ich. Diesseits waren die Fußspitzen, jenseits die Hände eingebohrt, in bröckelndem Lehm habe ich mich festgebissen. Die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten. In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach. Kein Tourist verirrte sich zu dieser unwegsamen Höhe, die Brücke war in den Karten noch nicht eingezeichnet. – So lag ich und wartete; ich musste warten. Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören Brücke zu sein. //

    […] Und ich drehte mich um, ihn zu sehen. – Brücke dreht sich um! Ich war noch nicht umgedreht, da stürzte ich schon.

    Was lärmt in der Tiefe unter der Brücke?
    Lösung zeigen
    1. Such die Stelle, an der die Antwort steht. Lies den Satz davor und danach.
    2. „In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach.“ Im Lehm stecken Hände und Füße.
    3. Also: der eisige Forellenbach
    Ergebnis:
    der eisige Forellenbach

Auf einen Blick

MerkenDas Wichtigste

Aufbau der Kurzgeschichte
Eine Kurzgeschichte beginnt unvermittelt, kippt an einem Wendepunkt und endet oft offen.
Figuren belegen
Eine Eigenschaft einer Figur braucht eine Textstelle.
Inhaltsangabe
Einleitungssatz mit Titel, Autor, Textsorte und Thema.

AchtungLesen: Wörter abgeglichen statt Sinn

So nicht
Frage: Warum wurde das Dorf verlassen? Antwort: Das Dorf wurde verlassen. (Wörter der Frage abgeschrieben)
So richtig
Die Frage in eigenen Worten sagen, dann die Stelle suchen, die einen Grund nennt: … weil die Quelle versiegte.

Sag die Frage mit eigenen Worten, dann such die Stelle.

AchtungLesen: Bezug im Text verwechselt

So nicht
Lena bat Jana um Hilfe. Sie lehnte ab. Wer lehnte ab? Lena.
So richtig
„Sie“ verweist auf die Person, die gefragt wurde: Jana lehnte ab. Das Verweiswort bis zum Nomen zurückverfolgen.

Verfolge das Verweiswort bis zu seinem Nomen: Wer ist gemeint?

AchtungLesen: Ursache und Folge im Text vertauscht

So nicht
Die Ernte fiel aus, weil die Preise stiegen. (Ursache und Folge vertauscht)
So richtig
Die Preise stiegen, weil die Ernte ausfiel. Nach „weil“ steht der Grund, nicht die Folge.

Markiere die kleinen Wörter: weil, deshalb, obwohl, nicht.

AchtungLesen: mehr als der Text sagt

So nicht
Text: Einige Schüler nutzen die Bibliothek. Antwort: Alle Schüler nutzen sie.
So richtig
Einige, nicht alle. Mengenwörter in Text und Antwort vergleichen: Die Antwort darf nicht mehr behaupten als der Text.

Vergleiche die Mengenwörter in Text und Antwort: alle, viele, manche.

AchtungLesen: zwischen den Zeilen nicht gelesen

So nicht
Paul schaut zum dritten Mal auf die Uhr. Wie fühlt er sich? Das steht nicht im Text.
So richtig
Er ist ungeduldig oder nervös: Wer ständig auf die Uhr sieht, wartet. Der Hinweis steht im Text, die Deutung liefert man dazu.

Such das Wort im Text, das es verrät, und lies den Satz davor.

AchtungForm des Textes verwechselt

So nicht
Kurzgeschichte: ein langer Text mit mehreren Handlungssträngen und vielen Figuren.
So richtig
Kurzgeschichte: kurzer Text, alltäglicher Ausschnitt, offener Anfang und Schluss, meist ein Wendepunkt.

Such das Merkmal der Form und den Erzähler, nicht das Thema.

AchtungAufbau der Textsorte verwechselt

So nicht
Inhaltsangabe: Zuerst der Schluss, dann der Anfang, in der wörtlichen Rede.
So richtig
Einleitungssatz mit Autor, Titel, Textsorte und Thema, dann die Handlung im Präsens, ohne wörtliche Rede.

Wo kippt die Lage? Wie beginnt und endet der Text?

Kannst du das?

Je Ziel eine Aufgabe. Rechne sie ins Heft, dann kreuz ehrlich an. Keine Punkte, keine Note – der Test ist für dich.

ÜbenSelbsttest

  1. Ich kann den Aufbau einer Kurzgeschichte beschreiben.

    16
    Der Schal:
    Oma hatte mir einen Schal gestrickt. Er war gelb und grün gestreift und lang genug für zwei. Ich bedankte mich und legte ihn ganz unten in den Schrank. //

    Im Januar war es so kalt, dass mir morgens die Ohren wehtaten. Ich nahm den Schal nur für den Weg zur Bushaltestelle und stopfte ihn in den Rucksack, bevor der Bus kam. //

    An einem Freitag vergaß ich es. Ich stand schon im Klassenraum, als Jasmin auf meinen Hals zeigte. „Wo hast du den her?“, fragte sie. „So einen will ich auch.“ //

    Am Samstag rief ich Oma an. Ich fragte, ob sie mir zeigt, wie man strickt.

    Warum erzählt der Text den Anruf in nur zwei Sätzen?
    Lösung zeigen
    Ergebnis:
    Das Ende deutet an, statt alles zu erklären.
  2. Ich kann Figuren aus dem Text belegen.

    17
    Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
    Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //

    So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

    Was verrät das Verhalten des Vaters?
    Lösung zeigen
    Ergebnis:
    Er hat keine eigene Meinung und folgt jedem Tadel.
  3. Ich kann eine Inhaltsangabe im Präsens schreiben.

    18
    Aus einer Inhaltsangabe: „Leon wartet total nervös auf die blöde Liste.“ Welcher Punkt der Checkliste ist nicht erfüllt?
    Lösung zeigen
    Ergebnis:
    sachliche Sprache

Bei „unsicher“ oder „noch nicht“: Lies den Abschnitt zum Ziel noch einmal und rechne seine drei Aufgaben.

Die Frage vom Anfang

EntdeckenRückschau

Woran erkennt man eine Kurzgeschichte?

Lies deine Vermutung vom Anfang. Kannst du die Frage jetzt mit dem Kapitel beantworten?

Auflösung

An ihrem Aufbau: kurzer alltäglicher Ausschnitt, kein Anfang mit Einführung, ein Wendepunkt und ein offener Schluss.

Wörter

Wendepunkt
wo die Kurve die Krümmung wechselt

Lösungen

  1. Im letzten Satz, als die Katze spricht und die Maus frisst
  2. unvermittelt
  3. So wird die Wartezeit für die Leserin lang und spannend.
  4. Er lacht mit den anderen über die Fotos.
  5. Er weiß nicht, ob es ein gutes Zeichen ist.
  6. Sie will helfen, ohne den Mann bloßzustellen.
  7. In Kafkas Parabel „Kleine Fabel“ geht es um eine Maus ohne Ausweg.
  8. Selin bittet Jonas, das Foto zu löschen.
  9. Er deutet den Text, statt den Inhalt wiederzugeben.
  10. Er-Erzähler
  11. Sie will freundlich sein und ihn beruhigen.
  12. Er nickt und sagt nichts.
  13. Präsens und eigene Worte
  14. Unvermittelt, mitten im Geschehen im Bus
  15. der eisige Forellenbach
  16. Das Ende deutet an, statt alles zu erklären.
  17. Er hat keine eigene Meinung und folgt jedem Tadel.
  18. sachliche Sprache
  19. Elif hat ein Lied gesungen.
  20. Tom lief zur Schule.
  21. Pronomen
  22. Pronomen