Deutsch · Klasse 11 und 12 und 13 · Kapitel
Lyrik und Epik: Stilmittel, Reim und Erzählverhalten
- Entdecken Frage, Vorstellung, Bild
- Merken kommt ins Heft
- Beispiel vorgerechnet, Schritt für Schritt
- Üben selbst rechnen
- Achtung typischer Fehler
- Weiterdenken zum Knobeln und Vernetzen
○ mit Starthilfe, ● für alle, ★ zum Weiterdenken. Du wählst mindestens eine ★-Aufgabe. Du rechnest ins Heft.
Fit für das Kapitel?
Das brauchst du aus früheren Themen. Klappt es nicht, frag nach, bevor es losgeht.
ÜbenWeißt du das noch?
Sprachbilder in Versen benennen und ihre Wirkung beschreiben. Stilmittel und Reim sind der Wortschatz jeder Gedichtinterpretation.
- ●19Novembermorgen:
Der Nebel liegt auf allen Wegen. /
Die Straße schläft noch grau und stumm. /
Ein Bus kommt keuchend mir entgegen /
und dreht sich müde nach mir um. //
Dann bricht ein Licht durch alle Ritzen, /
die Tropfen funkeln wie Kristall. /
Die Spatzen, die im Baume sitzen, /
begrüßen es mit lautem Schall.
Welches Sprachbild ist „Die Straße schläft“?Lösung zeigen
- Such zuerst das Signal im Vers, bevor du das Sprachbild benennst.
- Die Straße tut etwas, das nur Lebewesen tun, ohne wie oder als.
- Also: Personifikation
Ergebnis:Personifikation - ●20Die Stadt (Strophe 1 und 2) – Georg Heym:
Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein /
Zerreißet vor des Mondes Untergang. /
Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang /
Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein. //
Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, /
Unzählig Menschen schwemmen aus und ein. /
Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein /
Eintönig kommt heraus in Stille matt.
Welches Wort macht in „Unzählig Menschen schwemmen aus und ein“ die Menschen zu Wasser?Lösung zeigen
- Such zuerst das Signal im Vers, bevor du das Sprachbild benennst.
- Schwemmen sagt man von Wasser. Das Wort macht die Menschen zu einer Flut.
- Also: schwemmen
Ergebnis:schwemmen
ÜbenWeißt du das noch?
Fragen, wer erzählt und was die Figur weiß. Das Erzählverhalten entscheidet, was der Leser erfährt.
- ●21Die letzte Flasche:
Ich stand im Supermarkt am Pfandautomaten, zwei leere Flaschen in der Hand. Vor mir ein alter Mann mit einem Beutel voller Flaschen. Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen. //
Hinter mir seufzte jemand laut. Ich drehte mich nicht um. //
Die letzte Flasche nahm der Automat nicht. Der Mann schob sie wieder hinein, einmal, zweimal. Dann hielt er sie in der Hand und sah sie an. //
„Darf ich mal?“, fragte ich und merkte erst dabei, dass ich es laut gesagt hatte. Ich strich das Etikett glatt und schob die Flasche hinein. Diesmal nahm der Automat sie. //
Der Mann nickte mir zu. Er sagte nichts. Ich auch nicht. Aber als ich draußen war, wusste ich nicht mehr, was ich eigentlich hatte kaufen wollen.
Pfandautomat: Ein Automat im Supermarkt. Man steckt leere Flaschen hinein und bekommt dafür ein paar Cent zurück.
Wie schiebt der alte Mann seine Flaschen in den Automaten?Lösung zeigen
- Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
- „Er schob sie einzeln hinein, jede langsam, als würde er sie zählen.“
- Also: einzeln und langsam, als würde er sie zählen
Ergebnis:einzeln und langsam, als würde er sie zählen - ●22Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //
So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.
Was tun Vater und Sohn nach dem Tadel des zweiten Wandersmanns?Lösung zeigen
- Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
- „Da saßen beide auf und ritten eine Strecke.“ Abgestiegen ist der Vater vorher.
- Also: Sie setzen sich beide auf den Esel.
Ergebnis:Sie setzen sich beide auf den Esel.
1Ich erkenne Stilmittel an einem Vers und benenne sie genau.
MerkenStilmittel benennen
Fragen Sie, was die Sprache im Vers tut.
Dann nennen Sie das Stilmittel und belegen es am Vers.
BeispielStilmittel am Vers erkennen
„Ein Fichtenbaum steht einsam / Im Norden auf kahler Höh’. / Ihn schläfert; mit weißer Decke / Umhüllen ihn Eis und Schnee.“
Heinrich Heine
Schritt für Schritt
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt.
- Also: Personifikation (1827).
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt.
- Also: Personifikation (1827).
ÜbenJetzt du
- ○1Wie heißt das Stilmittel in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Bedecke deinen Himmel, Zeus, / Mit Wolkendunst“
Johann Wolfgang GoetheSo fängst du an:Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.Lösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt: Der Sprecher redet Zeus direkt an, der nicht antworten wird.
- Also: Apostrophe (1774).
Ergebnis:Apostrophe - ●2Welches sprachliche Mittel erkennen Sie hier? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Himmelhoch jauchzend, / Zu Tode betrübt“
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt.
- Also: Antithese (1788).
Ergebnis:Antithese - ★3Welches Stilmittel prägt diesen Vers? Begründen Sie am Text.
„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“Lösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt: Seelen wohnen nicht in einer Brust; das Bild steht für den inneren Zwiespalt.
- Also: Metapher (1808).
Ergebnis:Metapher
2Ich bestimme das Reimschema einer Strophe.
MerkenReimschema
Ein Buchstabe je Versende zeigt das Schema.
Gleicher Reim bekommt denselben Buchstaben, und aus dem Muster ergibt sich der Name.
BeispielReimschema bestimmen
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht;
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Johann Wolfgang Goethe
Schritt für Schritt
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Pferde – Erde, gedacht – Nacht.
- Also: Kreuzreim.
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Pferde – Erde, gedacht – Nacht.
- Also: Kreuzreim.
ÜbenJetzt du
- ○4Welches Reimschema hat diese Strophe? Begründen Sie mit den Versenden.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
– Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
– Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Johann Wolfgang GoetheSo fängst du an:Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.Lösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Gesicht – nicht, Schweif – Nebelstreif.
- Also: Paarreim.
Ergebnis:Paarreim - ●5Welche Reimform zeigt diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
– Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
– Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Gesicht – nicht, Schweif – Nebelstreif.
- Also: Paarreim.
Ergebnis:Paarreim - ★6Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.Lösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: aufgegangen – prangen, schweiget – steiget, klar – wunderbar.
- Also: Schweifreim.
Ergebnis:Schweifreim
3Ich unterscheide auktoriales, personales und neutrales Erzählverhalten.
MerkenErzählverhalten
Auktorial: Der Erzähler überblickt und kommentiert.
Personal: Wir sehen mit einer Figur. Neutral: Es wird nur Äußeres gezeigt (Stanzel).
BeispielErzählverhalten unterscheiden
Das Telefon klingelte. Schon wieder. Lena starrte auf das Display – sollte sie rangehen? Er würde bestimmt wieder fragen, und sie hatte keine Antwort.
Schritt für Schritt
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Wir erfahren nur, was Lena denkt und fühlt; die Fragen sind ihre.
- Also: personal.
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Wir erfahren nur, was Lena denkt und fühlt; die Fragen sind ihre.
- Also: personal.
ÜbenJetzt du
- ○7Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
Wir wollen den armen Müller nicht vorschnell verurteilen, denn niemand weiß besser als wir, wie hart sein Leben war.So fängst du an:Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Der Erzähler kommentiert, wertet und spricht den Leser an.
- Also: auktorial.
Ergebnis:auktorial - ●8Welches Erzählverhalten zeigt das Textstück? Begründen Sie Ihre Wahl.
Der Hund bellte. Jonas fuhr zusammen – war da jemand am Gartentor?Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Wir sehen und hören nur, was Jonas wahrnimmt und fragt.
- Also: personal.
Ergebnis:personal - ★9Bestimmen Sie das Erzählverhalten und begründen Sie es am Text.
Der Flur war endlos. Paul zählte die Türen, eine, zwei, drei, und hoffte, dass hinter keiner von ihnen sein Name stand.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Wahrnehmung und Hoffnung gehören zu Paul; es gibt keinen Überblick darüber hinaus.
- Also: personal.
Ergebnis:personal
Vermischte Übungen
Alles durcheinander – wie in der Arbeit. Überleg bei jeder Aufgabe zuerst: Welches Ziel ist das?
Üben
- ●10Wie heißt das Stilmittel in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Himmelhoch jauchzend, / Zu Tode betrübt“
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt.
- Also: Antithese (1788).
Ergebnis:Antithese - ●11Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht;
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Pferde – Erde, gedacht – Nacht.
- Also: Kreuzreim.
Ergebnis:Kreuzreim - ●12Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
Zwei Frauen stehen am Fenster. Die eine zeigt auf die Straße, die andere schüttelt den Kopf. Dann verlassen beide den Raum.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Nur Handlungen und Gesten werden berichtet, nichts über das Innere.
- Also: neutral.
Ergebnis:neutral - ●13Wie heißt das Stilmittel in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Mit gelben Birnen hänget / Und voll mit wilden Rosen / Das Land in den See“
Friedrich HölderlinLösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt.
- Also: Enjambement (1805).
Ergebnis:Enjambement - ●14Welches Reimschema hat diese Strophe? Begründen Sie mit den Versenden.
Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
Es war getan fast eh gedacht;
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Pferde – Erde, gedacht – Nacht.
- Also: Kreuzreim.
Ergebnis:Kreuzreim - ●15Welches Erzählverhalten zeigt das Textstück? Begründen Sie Ihre Wahl.
Sie ahnte nicht, dass dieser Brief ihr ganzes Leben ändern würde. Hätte sie ihn nie geöffnet, wäre alles anders gekommen.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Der Erzähler weiß mehr als die Figur und greift der Handlung vor.
- Also: auktorial.
Ergebnis:auktorial
Auf einen Blick
MerkenDas Wichtigste
- Stilmittel benennen
- Fragen Sie, was die Sprache im Vers tut.
- Reimschema
- Ein Buchstabe je Versende zeigt das Schema.
- Erzählverhalten
- Auktorial: Der Erzähler überblickt und kommentiert.
Kannst du das?
Je Ziel eine Aufgabe. Rechne sie ins Heft, dann kreuz ehrlich an. Keine Punkte, keine Note – der Test ist für dich.
ÜbenSelbsttest
Ich erkenne Stilmittel an einem Vers und benenne sie genau.
16Was tut die Sprache in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
Ergebnis:MetapherIch bestimme das Reimschema einer Strophe.
17Welches Reimschema hat diese Strophe? Begründen Sie mit den Versenden.
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.
Friedrich SchillerLösung zeigen
Ergebnis:KreuzreimIch unterscheide auktoriales, personales und neutrales Erzählverhalten.
18Welches Erzählverhalten zeigt das Textstück? Begründen Sie Ihre Wahl.
Es regnet. Die Tür öffnet sich, ein Junge tritt heraus, bleibt stehen und schlägt den Kragen hoch.Lösung zeigen
Ergebnis:neutral
Bei „unsicher“ oder „noch nicht“: Lies den Abschnitt zum Ziel noch einmal und rechne seine drei Aufgaben.
Lösungen
- Apostrophe
- Antithese
- Metapher
- Paarreim
- Paarreim
- Schweifreim
- auktorial
- personal
- personal
- Antithese
- Kreuzreim
- neutral
- Enjambement
- Kreuzreim
- auktorial
- Metapher
- Kreuzreim
- neutral
- Personifikation
- schwemmen
- einzeln und langsam, als würde er sie zählen
- Sie setzen sich beide auf den Esel.