Deutsch · Klasse 11 und 12 und 13 · Kapitel
Lyrik und Epik: Stilmittel, Reim und Erzählverhalten
- Entdecken Frage, Vorstellung, Bild
- Merken kommt ins Heft
- Beispiel vorgerechnet, Schritt für Schritt
- Üben selbst rechnen
- Achtung typischer Fehler
- Weiterdenken zum Knobeln und Vernetzen
○ mit Starthilfe, ● für alle, ★ zum Weiterdenken. Du wählst mindestens eine ★-Aufgabe. Du rechnest ins Heft.
Fit für das Kapitel?
Das brauchst du aus früheren Themen. Klappt es nicht, frag nach, bevor es losgeht.
ÜbenWeißt du das noch?
Sprachbilder in Versen benennen und ihre Wirkung beschreiben. Stilmittel und Reim sind der Wortschatz jeder Gedichtinterpretation.
- ●19Der Panther (Strophe 1 und 2) – Rainer Maria Rilke:
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe /
so müd geworden, dass er nichts mehr hält. /
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe /
und hinter tausend Stäben keine Welt. //
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, /
der sich im allerkleinsten Kreise dreht, /
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, /
in der betäubt ein großer Wille steht.
Welches Signal zeigt in „ist wie ein Tanz von Kraft“ das Sprachbild?Lösung zeigen
- Such zuerst das Signal im Vers, bevor du das Sprachbild benennst.
- Mit wie wird der Gang mit einem Tanz verglichen.
- Also: das Vergleichswort wie
Ergebnis:das Vergleichswort wie - ●20Mondnacht – Joseph von Eichendorff:
Es war, als hätt der Himmel /
Die Erde still geküsst, /
Dass sie im Blütenschimmer /
Von ihm nun träumen müsst. //
Die Luft ging durch die Felder, /
Die Ähren wogten sacht, /
Es rauschten leis die Wälder, /
So sternklar war die Nacht. //
Und meine Seele spannte /
Weit ihre Flügel aus, /
Flog durch die stillen Lande, /
Als flöge sie nach Haus.
Welches Signal zeigt in „Als flöge sie nach Haus“ das Sprachbild?Lösung zeigen
- Such zuerst das Signal im Vers, bevor du das Sprachbild benennst.
- Mit als flöge wird der Flug der Seele mit einer Heimkehr verglichen.
- Also: das Vergleichswort als
Ergebnis:das Vergleichswort als
ÜbenWeißt du das noch?
Fragen, wer erzählt und was die Figur weiß. Das Erzählverhalten entscheidet, was der Leser erfährt.
- ●21Die Brücke (Auszug) – Franz Kafka:
Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke, über einem Abgrund lag ich. Diesseits waren die Fußspitzen, jenseits die Hände eingebohrt, in bröckelndem Lehm habe ich mich festgebissen. Die Schöße meines Rockes wehten zu meinen Seiten. In der Tiefe lärmte der eisige Forellenbach. Kein Tourist verirrte sich zu dieser unwegsamen Höhe, die Brücke war in den Karten noch nicht eingezeichnet. – So lag ich und wartete; ich musste warten. Ohne einzustürzen kann keine einmal errichtete Brücke aufhören Brücke zu sein. //
[…] Und ich drehte mich um, ihn zu sehen. – Brücke dreht sich um! Ich war noch nicht umgedreht, da stürzte ich schon.
Wie beschreibt sich die Brücke im ersten Satz?Lösung zeigen
- Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
- „Ich war steif und kalt, ich war eine Brücke.“ Eisig ist der Bach.
- Also: steif und kalt
Ergebnis:steif und kalt - ●22Elf Minuten:
Die Liste sollte um zwölf Uhr am schwarzen Brett hängen. Um elf Minuten vor zwölf stand Leon schon davor und tat so, als lese er den Speiseplan. //
Er kannte ihn auswendig. Montag Nudeln, Dienstag Suppe. Er las ihn trotzdem dreimal. //
Um zwölf kam Frau Brandt mit einem Blatt und zwei Reißzwecken. Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war. Sie hängte das Blatt auf und ging. //
Leon trat nicht näher. Andere drängten sich vor, jubelten, stöhnten, klopften sich auf die Schultern. Leon wartete, bis der Flur leer war. //
Dann ging er zum Brett, fand die Zeile mit seinem Namen und blieb lange davor stehen.
Wie reagiert Leon auf das Lächeln von Frau Brandt?Lösung zeigen
- Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
- „Sie lächelte ihm zu, und Leon wusste nicht, ob das ein gutes Zeichen war.“
- Also: Er weiß nicht, ob es ein gutes Zeichen ist.
Ergebnis:Er weiß nicht, ob es ein gutes Zeichen ist.
1Ich erkenne Stilmittel an einem Vers und benenne sie genau.
MerkenStilmittel benennen
Fragen Sie, was die Sprache im Vers tut.
Dann nennen Sie das Stilmittel und belegen es am Vers.
BeispielStilmittel am Vers erkennen
„Und tunkt ihr das Haupt / Ins heilignüchterne Wasser“
Friedrich Hölderlin
Schritt für Schritt
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt: „heilig“ und „nüchtern“ widersprechen sich und stehen in einem Wort.
- Also: Oxymoron (1805).
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt: „heilig“ und „nüchtern“ widersprechen sich und stehen in einem Wort.
- Also: Oxymoron (1805).
ÜbenJetzt du
- ○1Was tut die Sprache in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
„Mit gelben Birnen hänget / Und voll mit wilden Rosen / Das Land in den See“
Friedrich HölderlinSo fängst du an:Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.Lösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt.
- Also: Enjambement (1805).
Ergebnis:Enjambement - ●2Welches sprachliche Mittel erkennen Sie hier? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Röslein sprach: Ich steche dich, / Dass du ewig denkst an mich“
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt: Eine Blume kann nicht sprechen und drohen.
- Also: Personifikation (1789).
Ergebnis:Personifikation - ★3Welches Stilmittel prägt diesen Vers? Begründen Sie am Text.
„Bedecke deinen Himmel, Zeus, / Mit Wolkendunst“Lösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt: Der Sprecher redet Zeus direkt an, der nicht antworten wird.
- Also: Apostrophe (1774).
Ergebnis:Apostrophe
2Ich bestimme das Reimschema einer Strophe.
MerkenReimschema
Ein Buchstabe je Versende zeigt das Schema.
Gleicher Reim bekommt denselben Buchstaben, und aus dem Muster ergibt sich der Name.
BeispielReimschema bestimmen
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
– Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
– Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Johann Wolfgang Goethe
Schritt für Schritt
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Gesicht – nicht, Schweif – Nebelstreif.
- Also: Paarreim.
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Gesicht – nicht, Schweif – Nebelstreif.
- Also: Paarreim.
ÜbenJetzt du
- ○4Bestimmen Sie das Reimschema und begründen Sie es an den Versenden.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
– Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
– Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Johann Wolfgang GoetheSo fängst du an:Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.Lösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Gesicht – nicht, Schweif – Nebelstreif.
- Also: Paarreim.
Ergebnis:Paarreim - ●5Welche Reimform zeigt diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Eduard MörikeLösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Band – Land außen, Lüfte – Düfte innen.
- Also: Umarmender Reim.
Ergebnis:Umarmender Reim - ★6Welches Reimschema hat diese Strophe? Begründen Sie mit den Versenden.
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.Lösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Wind – Kind, Arm – warm.
- Also: Paarreim.
Ergebnis:Paarreim
3Ich unterscheide auktoriales, personales und neutrales Erzählverhalten.
MerkenErzählverhalten
Auktorial: Der Erzähler überblickt und kommentiert.
Personal: Wir sehen mit einer Figur. Neutral: Es wird nur Äußeres gezeigt (Stanzel).
BeispielErzählverhalten unterscheiden
Als der Lehrer eintrat, wurde Mara heiß. Hatte er es gesehen? Vielleicht wusste er längst Bescheid.
Schritt für Schritt
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Die Fragen sind Maras Gedanken, der Erzähler bleibt in ihrer Sicht.
- Also: personal.
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Die Fragen sind Maras Gedanken, der Erzähler bleibt in ihrer Sicht.
- Also: personal.
ÜbenJetzt du
- ○7Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
Der Mann betritt das Café. Er legt den Mantel über den Stuhl und bestellt einen Kaffee. Nach zehn Minuten steht er auf und geht.So fängst du an:Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Es wird nur beschrieben, was man sieht; Gedanken und Wertungen fehlen.
- Also: neutral.
Ergebnis:neutral - ●8Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
Das Telefon klingelte. Schon wieder. Lena starrte auf das Display – sollte sie rangehen? Er würde bestimmt wieder fragen, und sie hatte keine Antwort.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Wir erfahren nur, was Lena denkt und fühlt; die Fragen sind ihre.
- Also: personal.
Ergebnis:personal - ★9Bestimmen Sie das Erzählverhalten und begründen Sie es am Text.
Zwei Frauen stehen am Fenster. Die eine zeigt auf die Straße, die andere schüttelt den Kopf. Dann verlassen beide den Raum.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Nur Handlungen und Gesten werden berichtet, nichts über das Innere.
- Also: neutral.
Ergebnis:neutral
Vermischte Übungen
Alles durcheinander – wie in der Arbeit. Überleg bei jeder Aufgabe zuerst: Welches Ziel ist das?
Üben
- ●10Wie heißt das Stilmittel in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Himmelhoch jauchzend, / Zu Tode betrübt“
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt.
- Also: Antithese (1788).
Ergebnis:Antithese - ●11Welches Reimschema hat diese Strophe? Begründen Sie mit den Versenden.
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Eduard MörikeLösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Band – Land außen, Lüfte – Düfte innen.
- Also: Umarmender Reim.
Ergebnis:Umarmender Reim - ●12Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
Wir wollen den armen Müller nicht vorschnell verurteilen, denn niemand weiß besser als wir, wie hart sein Leben war.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Der Erzähler kommentiert, wertet und spricht den Leser an.
- Also: auktorial.
Ergebnis:auktorial - ●13Wie heißt das Stilmittel in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Du bist wie eine Blume, / So hold und schön und rein“
Heinrich HeineLösung zeigen
- Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
- Hier gilt: Das Wort „wie“ verbindet das Du mit der Blume.
- Also: Vergleich (1827).
Ergebnis:Vergleich - ●14Welche Reimform zeigt diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
– Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
– Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Johann Wolfgang GoetheLösung zeigen
- Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
- Es reimen sich: Gesicht – nicht, Schweif – Nebelstreif.
- Also: Paarreim.
Ergebnis:Paarreim - ●15Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
Als der Lehrer eintrat, wurde Mara heiß. Hatte er es gesehen? Vielleicht wusste er längst Bescheid.Lösung zeigen
- Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
- Die Fragen sind Maras Gedanken, der Erzähler bleibt in ihrer Sicht.
- Also: personal.
Ergebnis:personal
Auf einen Blick
MerkenDas Wichtigste
- Stilmittel benennen
- Fragen Sie, was die Sprache im Vers tut.
- Reimschema
- Ein Buchstabe je Versende zeigt das Schema.
- Erzählverhalten
- Auktorial: Der Erzähler überblickt und kommentiert.
Kannst du das?
Je Ziel eine Aufgabe. Rechne sie ins Heft, dann kreuz ehrlich an. Keine Punkte, keine Note – der Test ist für dich.
ÜbenSelbsttest
Ich erkenne Stilmittel an einem Vers und benenne sie genau.
16Was tut die Sprache in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
„Du bist wie eine Blume, / So hold und schön und rein“
Heinrich HeineLösung zeigen
Ergebnis:VergleichIch bestimme das Reimschema einer Strophe.
17Bestimmen Sie das Reimschema und begründen Sie es an den Versenden.
Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst’.
Joseph von EichendorffLösung zeigen
Ergebnis:KreuzreimIch unterscheide auktoriales, personales und neutrales Erzählverhalten.
18Welches Erzählverhalten zeigt das Textstück? Begründen Sie Ihre Wahl.
Der Flur war endlos. Paul zählte die Türen, eine, zwei, drei, und hoffte, dass hinter keiner von ihnen sein Name stand.Lösung zeigen
Ergebnis:personal
Bei „unsicher“ oder „noch nicht“: Lies den Abschnitt zum Ziel noch einmal und rechne seine drei Aufgaben.
Lösungen
- Enjambement
- Personifikation
- Apostrophe
- Paarreim
- Umarmender Reim
- Paarreim
- neutral
- personal
- neutral
- Antithese
- Umarmender Reim
- auktorial
- Vergleich
- Paarreim
- personal
- Vergleich
- Kreuzreim
- personal
- das Vergleichswort wie
- das Vergleichswort als
- steif und kalt
- Er weiß nicht, ob es ein gutes Zeichen ist.