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Deutsch · Klasse 11 und 12 und 13 · Kapitel

Lyrik und Epik: Stilmittel, Reim und Erzählverhalten

  • Entdecken Frage, Vorstellung, Bild
  • Merken kommt ins Heft
  • Beispiel vorgerechnet, Schritt für Schritt
  • Üben selbst rechnen
  • Achtung typischer Fehler
  • Weiterdenken zum Knobeln und Vernetzen

○ mit Starthilfe, ● für alle, ★ zum Weiterdenken. Du wählst mindestens eine ★-Aufgabe. Du rechnest ins Heft.

Fit für das Kapitel?

Das brauchst du aus früheren Themen. Klappt es nicht, frag nach, bevor es losgeht.

ÜbenWeißt du das noch?

Sprachbilder in Versen benennen und ihre Wirkung beschreiben. Stilmittel und Reim sind der Wortschatz jeder Gedichtinterpretation.

  1. ●19
    Weltende (erste Strophe) – Jakob van Hoddis:
    Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, /
    In allen Lüften hallt es wie Geschrei. /
    Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei /
    Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

    Welches Sprachbild ist „hallt es wie Geschrei“?
    Lösung zeigen
    1. Such zuerst das Signal im Vers, bevor du das Sprachbild benennst.
    2. Wie ist das Signal eines Vergleichs.
    3. Also: Vergleich
    Ergebnis:
    Vergleich
  2. ●20
    Mondnacht – Joseph von Eichendorff:
    Es war, als hätt der Himmel /
    Die Erde still geküsst, /
    Dass sie im Blütenschimmer /
    Von ihm nun träumen müsst. //

    Die Luft ging durch die Felder, /
    Die Ähren wogten sacht, /
    Es rauschten leis die Wälder, /
    So sternklar war die Nacht. //

    Und meine Seele spannte /
    Weit ihre Flügel aus, /
    Flog durch die stillen Lande, /
    Als flöge sie nach Haus.

    Welches Signal zeigt in „Als flöge sie nach Haus“ das Sprachbild?
    Lösung zeigen
    1. Such zuerst das Signal im Vers, bevor du das Sprachbild benennst.
    2. Mit als flöge wird der Flug der Seele mit einer Heimkehr verglichen.
    3. Also: das Vergleichswort als
    Ergebnis:
    das Vergleichswort als

ÜbenWeißt du das noch?

Fragen, wer erzählt und was die Figur weiß. Das Erzählverhalten entscheidet, was der Leser erfährt.

  1. ●21
    Seltsamer Spazierritt (Auszug) – Johann Peter Hebel:
    Ein Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. [Ein Wanderer tadelt den Vater.] Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: Das ist nicht recht, Bursche, dass du reitest und lässest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine. Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. [Zwei weitere Wanderer tadeln auch das. Am Ende tragen Vater und Sohn den Esel an einem Pfahl nach Hause.] //

    So weit kann's kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.

    Was tun Vater und Sohn nach dem Tadel des zweiten Wandersmanns?
    Lösung zeigen
    1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
    2. „Da saßen beide auf und ritten eine Strecke.“ Abgestiegen ist der Vater vorher.
    3. Also: Sie setzen sich beide auf den Esel.
    Ergebnis:
    Sie setzen sich beide auf den Esel.
  2. ●22
    Kleine Fabel – Franz Kafka:
    „Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du musst nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

    Wie viele Figuren sprechen in der Fabel?
    Lösung zeigen
    1. Such die Stelle, an der die Figur etwas tut oder sagt.
    2. Es sprechen die Maus und die Katze.
    3. Also: zwei
    Ergebnis:
    zwei

1Ich erkenne Stilmittel an einem Vers und benenne sie genau.

MerkenStilmittel benennen

Fragen Sie, was die Sprache im Vers tut.

Dann nennen Sie das Stilmittel und belegen es am Vers.

BeispielStilmittel am Vers erkennen

Welches sprachliche Mittel erkennen Sie hier? Begründen Sie Ihre Wahl.
„Bedecke deinen Himmel, Zeus, / Mit Wolkendunst“
Johann Wolfgang Goethe
Schritt für Schritt
  1. Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
  2. Hier gilt: Der Sprecher redet Zeus direkt an, der nicht antworten wird.
  3. Also: Apostrophe (1774).
  1. Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
  2. Hier gilt: Der Sprecher redet Zeus direkt an, der nicht antworten wird.
  3. Also: Apostrophe (1774).
Ergebnis:
Apostrophe

ÜbenJetzt du

  1. ○1
    Welches Stilmittel steckt in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl am Vers.
    „Himmelhoch jauchzend, / Zu Tode betrübt“
    Johann Wolfgang Goethe
    So fängst du an:
    Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
    Lösung zeigen
    1. Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
    2. Hier gilt.
    3. Also: Antithese (1788).
    Ergebnis:
    Antithese
  2. ●2
    Was tut die Sprache in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
    „Bedecke deinen Himmel, Zeus, / Mit Wolkendunst“
    Johann Wolfgang Goethe
    Lösung zeigen
    1. Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
    2. Hier gilt: Der Sprecher redet Zeus direkt an, der nicht antworten wird.
    3. Also: Apostrophe (1774).
    Ergebnis:
    Apostrophe
  3. ★3
    Was prägt diesen Vers sprachlich? Begründen Sie am Text.
    „Ein Fichtenbaum steht einsam / Im Norden auf kahler Höh’. / Ihn schläfert; mit weißer Decke / Umhüllen ihn Eis und Schnee.“
    Lösung zeigen
    1. Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
    2. Hier gilt.
    3. Also: Personifikation (1827).
    Ergebnis:
    Personifikation

2Ich bestimme das Reimschema einer Strophe.

MerkenReimschema

Ein Buchstabe je Versende zeigt das Schema.

Gleicher Reim bekommt denselben Buchstaben, und aus dem Muster ergibt sich der Name.

BeispielReimschema bestimmen

Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum.

Friedrich Schiller
Schritt für Schritt
  1. Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
  2. Es reimen sich: Götterfunken – feuertrunken, Elysium – Heiligtum.
  3. Also: Kreuzreim.
  1. Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
  2. Es reimen sich: Götterfunken – feuertrunken, Elysium – Heiligtum.
  3. Also: Kreuzreim.
Ergebnis:
Kreuzreim

ÜbenJetzt du

  1. ○4
    Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
    Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist der Vater mit seinem Kind;
    Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
    Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

    Johann Wolfgang Goethe
    So fängst du an:
    Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
    Lösung zeigen
    1. Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
    2. Es reimen sich: Wind – Kind, Arm – warm.
    3. Also: Paarreim.
    Ergebnis:
    Paarreim
  2. ●5
    Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
    Frühling lässt sein blaues Band
    Wieder flattern durch die Lüfte;
    Süße, wohlbekannte Düfte
    Streifen ahnungsvoll das Land.

    Eduard Mörike
    Lösung zeigen
    1. Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
    2. Es reimen sich: Band – Land außen, Lüfte – Düfte innen.
    3. Also: Umarmender Reim.
    Ergebnis:
    Umarmender Reim
  3. ★6
    Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
    Wie ist die Welt so stille,
    Und in der Dämmrung Hülle
    So traulich und so hold!
    Als eine stille Kammer,
    Wo ihr des Tages Jammer
    Verschlafen und vergessen sollt.
    Lösung zeigen
    1. Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
    2. Es reimen sich: stille – Hülle, Kammer – Jammer, hold – sollt.
    3. Also: Schweifreim.
    Ergebnis:
    Schweifreim

3Ich unterscheide auktoriales, personales und neutrales Erzählverhalten.

MerkenErzählverhalten

Auktorial: Der Erzähler überblickt und kommentiert.

Personal: Wir sehen mit einer Figur. Neutral: Es wird nur Äußeres gezeigt (Stanzel).

BeispielErzählverhalten unterscheiden

Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
Der Zug fährt ein. Sechs Menschen steigen aus, zwei steigen ein. Die Türen schließen sich.
Schritt für Schritt
  1. Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
  2. Es werden nur beobachtbare Vorgänge gezählt, ohne Sicht einer Figur.
  3. Also: neutral.
  1. Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
  2. Es werden nur beobachtbare Vorgänge gezählt, ohne Sicht einer Figur.
  3. Also: neutral.
Ergebnis:
neutral

ÜbenJetzt du

  1. ○7
    Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
    Wir wollen den armen Müller nicht vorschnell verurteilen, denn niemand weiß besser als wir, wie hart sein Leben war.
    So fängst du an:
    Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
    Lösung zeigen
    1. Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
    2. Der Erzähler kommentiert, wertet und spricht den Leser an.
    3. Also: auktorial.
    Ergebnis:
    auktorial
  2. ●8
    Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
    Das Telefon klingelte. Schon wieder. Lena starrte auf das Display – sollte sie rangehen? Er würde bestimmt wieder fragen, und sie hatte keine Antwort.
    Lösung zeigen
    1. Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
    2. Wir erfahren nur, was Lena denkt und fühlt; die Fragen sind ihre.
    3. Also: personal.
    Ergebnis:
    personal
  3. ★9
    Welches Erzählverhalten liegt vor? Begründen Sie am Textstück.
    Wir wollen den armen Müller nicht vorschnell verurteilen, denn niemand weiß besser als wir, wie hart sein Leben war.
    Lösung zeigen
    1. Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
    2. Der Erzähler kommentiert, wertet und spricht den Leser an.
    3. Also: auktorial.
    Ergebnis:
    auktorial

Vermischte Übungen

Alles durcheinander – wie in der Arbeit. Überleg bei jeder Aufgabe zuerst: Welches Ziel ist das?

Üben

  1. ●10
    Welches Stilmittel steckt in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl am Vers.
    „Mit gelben Birnen hänget / Und voll mit wilden Rosen / Das Land in den See“
    Friedrich Hölderlin
    Lösung zeigen
    1. Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
    2. Hier gilt.
    3. Also: Enjambement (1805).
    Ergebnis:
    Enjambement
  2. ●11
    Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
    Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
    – Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
    Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
    – Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

    Johann Wolfgang Goethe
    Lösung zeigen
    1. Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
    2. Es reimen sich: Gesicht – nicht, Schweif – Nebelstreif.
    3. Also: Paarreim.
    Ergebnis:
    Paarreim
  3. ●12
    Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
    Es regnet. Die Tür öffnet sich, ein Junge tritt heraus, bleibt stehen und schlägt den Kragen hoch.
    Lösung zeigen
    1. Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
    2. Der Erzähler wirkt wie eine Kamera: Er zeigt Äußeres und deutet nichts.
    3. Also: neutral.
    Ergebnis:
    neutral
  4. ●13
    Welches sprachliche Mittel erkennen Sie hier? Begründen Sie Ihre Wahl.
    „Und meine Seele spannte / Weit ihre Flügel aus, / Flog durch die stillen Lande, / Als flöge sie nach Haus.“
    Joseph von Eichendorff
    Lösung zeigen
    1. Den Vers laut lesen und fragen, was die Sprache tut.
    2. Hier gilt.
    3. Also: Vergleich (1837).
    Ergebnis:
    Vergleich
  5. ●14
    Bestimmen Sie das Reimschema und begründen Sie es an den Versenden.
    Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde!
    Es war getan fast eh gedacht;
    Der Abend wiegte schon die Erde,
    Und an den Bergen hing die Nacht;

    Johann Wolfgang Goethe
    Lösung zeigen
    1. Das Wort am Ende jeder Zeile lesen.
    2. Es reimen sich: Pferde – Erde, gedacht – Nacht.
    3. Also: Kreuzreim.
    Ergebnis:
    Kreuzreim
  6. ●15
    Wer erzählt hier und wie? Begründen Sie Ihre Wahl am Text.
    Der Mann betritt das Café. Er legt den Mantel über den Stuhl und bestellt einen Kaffee. Nach zehn Minuten steht er auf und geht.
    Lösung zeigen
    1. Fragen, wer hier sieht, weiß und wertet.
    2. Es wird nur beschrieben, was man sieht; Gedanken und Wertungen fehlen.
    3. Also: neutral.
    Ergebnis:
    neutral

Auf einen Blick

MerkenDas Wichtigste

Stilmittel benennen
Fragen Sie, was die Sprache im Vers tut.
Reimschema
Ein Buchstabe je Versende zeigt das Schema.
Erzählverhalten
Auktorial: Der Erzähler überblickt und kommentiert.

Kannst du das?

Je Ziel eine Aufgabe. Rechne sie ins Heft, dann kreuz ehrlich an. Keine Punkte, keine Note – der Test ist für dich.

ÜbenSelbsttest

  1. Ich erkenne Stilmittel an einem Vers und benenne sie genau.

    16
    Welches Stilmittel steckt in diesem Vers? Begründen Sie Ihre Wahl am Vers.
    „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“
    Johann Wolfgang Goethe
    Lösung zeigen
    Ergebnis:
    Metapher
  2. Ich bestimme das Reimschema einer Strophe.

    17
    Wie reimt sich diese Strophe? Begründen Sie Ihre Wahl.
    Freude, schöner Götterfunken,
    Tochter aus Elysium,
    Wir betreten feuertrunken,
    Himmlische, dein Heiligtum.

    Friedrich Schiller
    Lösung zeigen
    Ergebnis:
    Kreuzreim
  3. Ich unterscheide auktoriales, personales und neutrales Erzählverhalten.

    18
    Welches Erzählverhalten zeigt das Textstück? Begründen Sie Ihre Wahl.
    Das Telefon klingelte. Schon wieder. Lena starrte auf das Display – sollte sie rangehen? Er würde bestimmt wieder fragen, und sie hatte keine Antwort.
    Lösung zeigen
    Ergebnis:
    personal

Bei „unsicher“ oder „noch nicht“: Lies den Abschnitt zum Ziel noch einmal und rechne seine drei Aufgaben.

Lösungen

  1. Antithese
  2. Apostrophe
  3. Personifikation
  4. Paarreim
  5. Umarmender Reim
  6. Schweifreim
  7. auktorial
  8. personal
  9. auktorial
  10. Enjambement
  11. Paarreim
  12. neutral
  13. Vergleich
  14. Kreuzreim
  15. neutral
  16. Metapher
  17. Kreuzreim
  18. personal
  19. Vergleich
  20. das Vergleichswort als
  21. Sie setzen sich beide auf den Esel.
  22. zwei