Vom Laut zum ersten Wort
Die Reihenfolge der Zeichen ist nicht beliebig. Zuerst kommen die Laute, die man ziehen kann – mmm, lll, sss – und die Vokale, denn nur sie lassen sich verschleifen: „mmmaaa“ wird zu „Ma“. Wer mit p, t, k beginnt, bekommt „pö-a-pö“ statt „Papa“. Nach dem zweiten Schritt steht das erste Wort da, und ab da wird in jeder Stunde gelesen. Jeder Schritt zeigt nur Wörter, die sich mit den bis dahin eingeführten Zeichen wirklich lesen lassen; das prüft der Test.
Dauerlaute und Vokale zuerst, Verschlusslaute ab Schritt 9, mehrere Buchstaben für einen Laut ab Schritt 20. Ein Schritt ist kein Tag – manche Klasse braucht drei.
N – gesprochen „nnn“
Immer der Laut, nie der Buchstabenname: Wer „El“ sagt, kann „Lama“ nicht zusammenziehen.
| Teil | Min | Was passiert |
|---|---|---|
| Lautsuche | 3 | Der Laut des Tages: Wo hörst du mmm – am Anfang, in der Mitte, am Ende? Drei Bilder oder Gegenstände, alle zeigen mit dem Daumen. |
| Zeichen schreiben | 4 | Das Zeichen in die Luft, auf den Rücken des Nachbarn, dann ins Heft. Immer mit dem Laut dazu, nie mit dem Buchstabennamen. |
| Blitzlesen | 5 | Silben und Wörter mit allem, was schon dran war, kurz an der Wand – alle lesen im Chor. Sitzt eine Reihe, wird schneller gezeigt. |
| Silbenritual | 4 | Drei Wörter des Tages: schwingen, Bögen setzen, Silbe für Silbe lesen. |
| Erstes eigenes Wort | 4 | Jedes Kind schreibt ein Wort mit dem neuen Zeichen. Die richtige Schreibung kommt freundlich daneben – nicht mit Rot darüber. |
Zwanzig Minuten, jeden Tag dieselbe Form. Was gleich bleibt, muss nicht erklärt werden – die Zeit gehört dem Lesen.
- Schwingen. Das Wort mit dem Arm schwingen, für jede Silbe ein Bogen: Ta-sche, zwei Bögen. Erst der Körper, dann der Stift. (Röber 2009 (silbenanalytische Methode))
- Bögen setzen. Unter das geschriebene Wort für jede Silbe einen Bogen. Der Silbenkern – der Vokal – bekommt einen Punkt. (Bredel 2010 (Silbenkern als Orientierung))
- Silbe für Silbe lesen. Erst die Silben einzeln, dann das ganze Wort. Nie buchstabieren – immer Silbe, dann Wort. (Ehri 2005 (Verschleifen); National Reading Panel 2000)
Kurz zeigen, im Chor lesen lassen, dann schneller zeigen. Alles hier lässt sich mit den Zeichen bis Schritt 8 lesen – kein Wort verlangt etwas, das noch nicht dran war.
Das Kind liest der Lehrkraft vor, einzeln, etwa vier Minuten. Die erfundenen Wörter sind der eigentliche Test: Wer „Malo“ liest, kann Laute verbinden; wer nur bekannte Wortbilder erkennt, bleibt dort stehen. Das Ergebnis ist eine Diagnose für den nächsten Tag, keine Note – es bleibt bei der Lehrkraft, an die Klasse geht nur ein Bild ohne Namen. Als Orientierung gilt 32 von 40; das ist die englische Schwelle, keine deutsche Norm. Sie zählt nur die Genauigkeit; im Deutschen zeigt sich eine Leseschwäche vor allem an der Zeit – der Anfangscheck unter „Buchstaben-Laut-Pfad“ misst beides.
Die hellen Wörter gibt es nicht – sie sind aus den Silben dieses Pfades gebaut. Für das Kind sieht man das nicht; der Bogen der Lehrkraft ist derselbe Bogen. Die erfundenen Wörter sind nach Silbenbau gestuft: offene Silbe, geschlossene Silbe, zweisilbig, mit mehreren Zeichen für einen Laut. Die echten Wörter stehen nach Länge daneben – im Deutschen gibt es kaum ein Wort, das nur aus einer offenen Silbe besteht.
National Reading Panel 2000; Ehri u. a. 2001; Rose Review 2006; Castles, Rastle & Nation 2018 (systematische synthetische Phonik); Röber 2009 und Bredel 2010 (Silbe); Kuhl & Röhr-Sendlmeier 2018 (Bonn: mit Lesen durch Schreiben deutlich schwächere Rechtschreibung als mit einem Fibelansatz); Phonics Screening Check England seit 2012 (Pseudowörter prüfen das Verschleifen).