Ich weiß nicht, was soll es bedeuten – Heinrich Heine
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten – Heinrich Heine
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme,
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh’.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.
Heinrich Heine (gestorben 1856): Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, 1824. Wortlaut nach: Buch der Lieder, Abteilung Die Heimkehr, Hamburg 1827. Gemeinfrei seit 1927.
- Geschmeide – Schmuck aus Gold oder Silber.
- Melodei – Melodie. Die alte Form steht hier des Reimes wegen.
- Felsenriffe – Spitze Felsen im Fluss, an denen ein Boot zerbricht.
- Kahn – Ein kleines Boot.
- Lorelei – Ein Felsen am Rhein bei Sankt Goarshausen. Heine macht daraus eine singende Frau.
- Was tut die Jungfrau oben auf dem Felsen? (im Text)
_______________________________________________ - Warum geht der Schiffer unter? (aus dem Text)
_______________________________________________ - Das Gedicht beginnt mit einem Ich, das traurig ist und den Grund nicht kennt. Was hat die Geschichte der Lorelei mit dieser Traurigkeit zu tun? (über den Text hinaus)
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Es gibt nicht die eine richtige Deutung. Es gibt aber falsche: die, für die im Text nichts steht. Wer etwas behauptet, nennt die Zeile.
Der Schiffer erzählt: Schreibe in acht bis zehn Zeilen, was er sah und hörte – aus seiner Sicht, in Prosa. Das Gedicht schaut von außen zu; du erzählst von innen.