Lesemessung: eine Minute, ein ungeübter Text
Das Messfenster Herbst läuft bis zum 10.10. Im Tandem liest ein Kind geübte Texte – gut für die Kurve, falsch für den Vergleich mit dem Jahrgang. Im Messfenster liest jedes Kind einmal einen Text, den es noch nie gesehen hat, eine Minute lang. Nur diese Messung wird mit den Bezugswerten verglichen.
So wird gemessen
- Einzeln, an einem ruhigen Platz, am Anfang der Stunde oder im Leseband. Die anderen lesen im Tandem weiter.
- Das Kind bekommt den Text für das Kind, die Lehrkraft den Protokollbogen. „Lies bitte laut vor, so gut du kannst. Wenn du ein Wort nicht weißt, sage ich es dir.“
- Uhr starten beim ersten Wort. Fehler auf dem Bogen durchstreichen: falsch gelesen, ausgelassen, vertauscht, nach drei Sekunden vorgesagt. Selbst verbessert zählt als richtig.
- Nach sechzig Sekunden „Danke“ sagen und hinter dem letzten Wort einen Strich machen. Wer vorher fertig ist: Sekunden notieren.
- Unten eintragen: Nummer, bis zu welchem Wort, Fehler, Sekunden. Nie vor der Klasse, nie als Rangliste.
Verfahren wie bei der Messung, aus der die Bezugswerte stammen: „read aloud from an unpracticed passage for one minute“ (Hasbrouck und Tindal 2017). Zwischen den Fenstern misst das Leseband im Tandem weiter; die Kurve braucht beides.
Warum die Blätter bunt werden
Im Sommer sind die Blätter der Bäume grün. Das liegt an einem Farbstoff, der Blattgrün heißt. Mit seiner Hilfe stellt der Baum aus Sonnenlicht, Wasser und Luft seine Nahrung her.
Im Herbst werden die Tage kürzer und kühler. Der Baum bereitet sich jetzt auf den Winter vor. Er zieht das wertvolle Blattgrün aus den Blättern zurück. Er speichert es in den Ästen und im Stamm. Nun kommen andere Farben zum Vorschein, die vorher verdeckt waren. Gelbe und orange Farbstoffe steckten nämlich schon den ganzen Sommer in den Blättern. Die roten Farben bildet der Baum erst im Herbst neu.
Zwischen Blatt und Zweig wächst nun eine dünne Schicht. Durch sie fließt kein Wasser mehr in das Blatt. Das Blatt wird trocken und braun. Beim nächsten Windstoß fällt es herunter.
Warum wirft der Baum seine Blätter überhaupt ab? Über die Blätter verdunstet viel Wasser. Im Winter ist der Boden aber oft gefroren, und die Wurzeln können kaum Wasser aufnehmen. Ohne Blätter verliert der Baum weniger Wasser und übersteht die kalte Zeit besser. Im Frühling wachsen dann aus den Knospen neue grüne Blätter.
Warum die Blätter bunt werden
| Im Sommer sind die Blätter der Bäume grün. Das liegt | 10 |
| an einem Farbstoff, der Blattgrün heißt. Mit seiner Hilfe stellt | 20 |
| der Baum aus Sonnenlicht, Wasser und Luft seine Nahrung her. | 30 |
| Im Herbst werden die Tage kürzer und kühler. Der Baum | 40 |
| bereitet sich jetzt auf den Winter vor. Er zieht das | 50 |
| wertvolle Blattgrün aus den Blättern zurück. Er speichert es in | 60 |
| den Ästen und im Stamm. Nun kommen andere Farben zum | 70 |
| Vorschein, die vorher verdeckt waren. Gelbe und orange Farbstoffe steckten | 80 |
| nämlich schon den ganzen Sommer in den Blättern. Die roten | 90 |
| Farben bildet der Baum erst im Herbst neu. | 98 |
| Zwischen Blatt und Zweig wächst nun eine dünne Schicht. Durch | 108 |
| sie fließt kein Wasser mehr in das Blatt. Das Blatt | 118 |
| wird trocken und braun. Beim nächsten Windstoß fällt es herunter. | 128 |
| Warum wirft der Baum seine Blätter überhaupt ab? Über die | 138 |
| Blätter verdunstet viel Wasser. Im Winter ist der Boden aber | 148 |
| oft gefroren, und die Wurzeln können kaum Wasser aufnehmen. Ohne | 158 |
| Blätter verliert der Baum weniger Wasser und übersteht die kalte | 168 |
| Zeit besser. Im Frühling wachsen dann aus den Knospen neue | 178 |
| grüne Blätter. | 180 |
Bis Wort ______ · Fehler ______ · Sekunden ______
Sachtext, 180 Wörter, LIX 30, Wiener Sachtextformel 2,9. Eigener Text für Tuttuno, CC0.
Protokoll
Nummer statt Name. „Bis Wort“ ist die Zahl am Zeilenende des Protokollbogens plus die Wörter bis zur Stelle, an der die Minute um war. Fehler: falsch gelesen, ausgelassen, nach drei Sekunden vorgesagt. Selbst verbessert zählt als richtig. Bleibt auf diesem Gerät.
Bezugswerte Klasse 4
| Fenster | 10. | 25. | 50. | 75. | 90. Perzentil |
|---|---|---|---|---|---|
| Herbst | 54 | 68 | 85 | 113 | 138 |
| Winter | 64 | 86 | 108 | 129 | 151 |
| Frühjahr | 75 | 95 | 120 | 144 | 166 |
Förderbedarf unter dem 25. Perzentil, deutlich darunter unter dem 10. Zwischen den Fenstern wandert das Band mit dem Datum mit.
Quelle: Hasbrouck und Tindal 2017, Technical Report 1702, Tabelle 4 (amerikanische Werte: Herbst 60, 75, 94, 125, 153; Winter 71, 95, 120, 143, 168; Frühjahr 83, 105, 133, 160, 184). Annahme Tuttuno: amerikanische Werte mal 0,9, weil deutsche Wörter länger sind; nicht an deutschen Kindern gemessen. Faktor 0,9. Orientierung aus amerikanischen Werten, keine deutsche Norm und keine Diagnose. Es zählt vor allem die eigene Kurve.
Was daraus folgt
- Genauer hinsehen und täglich fördern – Buchstaben-Laut-Kenntnis und Silbenlesen prüfen (Schulanfangsphase, Buchstaben-Laut-Check). Täglich Lautlesetandem als Sportler mit einem Text auf seiner Stufe; Blitzlesen davor. Mit der Förderkoordination sprechen – ein normierter Test klärt, ob mehr dahinter steckt. Täglich; Kurve jede Woche. (Hasbrouck und Tindal 2017 (unter dem Bezugswert: genauer diagnostizieren); Ehri 2005; Rosebrock, Nix, Rieckmann und Gold 2011)
- Lautlesetandem als Sportler – Lautlesetandem dreimal die Woche als Sportler, derselbe Abschnitt viermal (wiederholtes Lesen). Text nach dem Sportler, nicht nach dem Trainer. Dreimal je Woche zwanzig Minuten; Kurve alle zwei Wochen, Urteil über den Trend frühestens nach sechs Wochen. (Rieckmann 2010 und Rosebrock, Nix, Rieckmann und Gold 2011 (Lautlesetandem); Therrien 2004, Remedial and Special Education 25, 252–261 (Metaanalyse wiederholtes Lesen); Christ, Zopluoglu, Long und Monaghen 2012 (Dauer bis zum Trend))
- Leseband wie geplant – Leseband im Wechseltandem. Ab etwa hundert Wörtern je Minute kommt Verstehen dazu: Lesestrategien und stilles Lesen mit Buchwahl. Messung in den drei Fenstern; dazwischen im Tandem. (Rosebrock und Nix 2008 (Lautlese- vor Vielleseverfahren, Schwelle Flüssigkeit); Reutzel, Jones, Fawson und Smith 2008 (begleitetes stilles Lesen))
- Trainer sein, Lesetheater, eigene Bücher – Trainer im Tandem – wer erklärt, lernt mit. Einmal die Woche Lesetheater; freie Lesezeit mit eigenem Buch und Lesetagebuch. Messung in den drei Fenstern. (Young und Rasinski 2009 (Readers Theatre); Guthrie und Wigfield 2000 (Wahl und Lesemotivation))
- Erst genau, dann schnell – Der Text ist zu schwer: leichteren Text im Tandem, Silben schwingen, Blitzlesen mit häufigen Wörtern. Tempo wird erst geübt, wenn neun von zehn Wörtern stimmen. Täglich zehn Minuten; nach zwei Wochen mit dem Messtext neu prüfen. (Betts 1946 und Rasinski 2004 (Genauigkeitsstufen); Ehri 2005, Scientific Studies of Reading 9, 167–188 (Wörter werden über Laut-Buchstaben-Verbindungen zum Sichtwortschatz))
Genauigkeit: ab 97 Prozent selbstständig, 90 bis 96 mit Begleitung, darunter ist der Text zu schwer (Betts 1946; Rasinski 2004). Lesbarkeit der Messtexte je Jahrgang (LIX): 2: 18 / 18,3 / 17 · 3: 23,8 / 27,1 / 27,1 · 4: 30 / 30 / 29,3 · 5: 32,4 / 34,8 / 34,9 · 6: 34,1 / 37,2 / 35 · 7: 38,7 / 38,4 / 41,9 · 8: 43,9 / 42,7 / 45,7.