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Nur die besten

Methodenregister: was wo trägt – mit Beleg

15 Methoden mit Effektbeleg, je mit Fach, Phase und der Falle, die sie wertlos macht. Darunter: was trotz Beliebtheit nicht wirkt. Die Fabrik baut nur aus dieser Liste.

● Abrufübung (Retrieval Practice)5–8 min · einzel · einstieg, exit

Fünf Fragen zu Altem, ohne Nachlesen, jeder für sich – dann Abgleich.

  1. Fragen an die Wand, Hefte zu.
  2. Drei Minuten allein.
  3. Lösungen zeigen, jeder korrigiert sich selbst.
  4. Eine Frage: Was war weg?

Wirkt: Abrufen festigt stärker als Wiederlesen; Effekt hält über Wochen. (Roediger & Karpicke 2006; Adesope, Trevisan & Sundararajan 2017 (Metaanalyse, g ≈ 0,5).)

Falle: Nachschlagen erlauben – dann ist es Lesen, kein Abruf.

Fächer: alle · In Tuttuno: Warm-up jeder Stunde (lib/stunde.ts)

● Lösungsbeispiel mit Ausblenden6–10 min · plenum · erarbeitung

Ein vollständig gerechnetes Beispiel, dann eines mit Lücke, dann allein.

  1. Beispiel Schritt für Schritt vorführen, Klasse liest mit.
  2. Zweites Beispiel: letzter Schritt fehlt – Klasse ergänzt.
  3. Drittes: nur der Ansatz steht.
  4. Dann üben.

Wirkt: Beim Aufbau neuer Verfahren stärker als Probieren; Ausblenden hält das Denken wach. (Sweller & Cooper 1985; Renkl & Atkinson 2003; Renkl 2014.)

Falle: Fünf Beispiele hintereinander – ab dem zweiten wird nur noch zugesehen.

Fächer: Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Naturwissenschaften 5/6, Sachunterricht, Informatik · nicht in Ethik (Es gibt keinen Lösungsweg zum Vorführen – dort trägt das Dilemma.) · In Tuttuno: Musterbeispiel + „Gemeinsam: eine Aufgabe“ (lib/stunde.ts)

Think – Pair – Share4–7 min · partner · erarbeitung, sicherung

Allein denken, zu zweit einigen, im Plenum eine Antwort je Paar.

  1. Frage an die Wand, eine Minute still.
  2. Zwei Minuten zu zweit: einigen, Begründung notieren.
  3. Drei Paare per Zufall aufrufen.

Wirkt: Alle denken, nicht nur die Schnellen; Fehlvorstellungen kommen ans Licht. (Peer Instruction: Crouch & Mazur 2001; Lyman 1981.)

Falle: Die Pair-Phase überspringen, weil es schnell gehen soll – dann meldet sich wieder dieselbe Hand.

Fächer: alle · In Tuttuno: Sozialform „tps“ in der Übungsphase; Partnerphase mit Prüffragen (lib/metakognition.ts)

Selbsterklären5–10 min · einzel · erarbeitung, ueben

Nach jedem Schritt sagt das Kind sich selbst, warum der Schritt so ist.

  1. Beispiel mit Lücken zwischen den Schritten.
  2. Zu jedem Schritt eine Zeile: „Hier passiert …, weil …“.
  3. Zwei Erklärungen vorlesen lassen.

Wirkt: Wer erklärt, versteht – der Effekt entsteht beim Erklären, nicht beim Zuhören. (Chi u. a. 1994; Bisra u. a. 2018 (Metaanalyse, g ≈ 0,55).)

Falle: „Erkläre“ ohne Struktur – es braucht die Lücke, die gefüllt wird.

Fächer: Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Naturwissenschaften 5/6, Sachunterricht · In Tuttuno: Erklärauftrag der Partnerphase (lib/metakognition.ts)

Finde den Fehler5–8 min · partner · einstieg, ueben

Eine falsche Rechnung mit genau einem Fehler – finden, benennen, korrigieren.

  1. Falsche Lösung an der Wand.
  2. Zu zweit: Wo ist der Fehler? Warum passiert er?
  3. Richtig daneben schreiben.

Wirkt: Fehlerhafte Beispiele festigen Konzepte stärker als nur richtige – bei Vorwissen. (Große & Renkl 2007; Adams u. a. 2014; Durkin & Rittle-Johnson 2012.)

Falle: Bei Kindern ohne Vorwissen: der Fehler wird gelernt. Erst nach dem Merksatz.

Fächer: Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Naturwissenschaften 5/6, Sachunterricht, Deutsch · In Tuttuno: Aktivierende Formate (lib/aktiv.ts); Korrektur-Warm-up

Vorhersage – Beobachtung – Erklärung10–20 min · einzel · erarbeitung

Vor dem Versuch schreibt jeder eine Vorhersage; danach wird sie mit der Beobachtung verglichen.

  1. Aufbau zeigen, Frage stellen.
  2. Jeder schreibt eine Vorhersage mit Grund.
  3. Versuch durchführen, Beobachtung notieren.
  4. Erklärung: Warum stimmte die Vorhersage (nicht)?

Wirkt: Die eigene Vorhersage macht die Beobachtung bedeutsam; Fehlvorstellungen werden sichtbar. (White & Gunstone 1992; Conceptual-Change-Forschung (Posner u. a. 1982).)

Falle: Ohne schriftliche Vorhersage – dann wusste es hinterher jeder schon.

Fächer: Biologie, Chemie, Physik, Naturwissenschaften 5/6, Sachunterricht · In Tuttuno: Versuche in Physik und Chemie (lib/physik.ts, Vorhersage-Format)

Wechselseitiges Lehren (Reciprocal Teaching)15–25 min · gruppe · erarbeitung

Vier Rollen am Text: Zusammenfassen, Fragen, Klären, Vorhersagen – die Rollen wandern.

  1. Text in Abschnitte.
  2. Je Abschnitt: eine Person fasst zusammen, eine fragt, eine klärt Wörter, eine sagt voraus.
  3. Rollen wechseln nach jedem Abschnitt.

Wirkt: Eine der stärksten Methoden für Textverstehen. (Palincsar & Brown 1984; Rosenshine & Meister 1994 (d ≈ 0,74).)

Falle: Rollen ohne Karten – nach fünf Minuten liest einer und drei warten.

Fächer: Deutsch, Englisch, fremdsprache, Geschichte, Geografie, Politische Bildung, Gesellschaftswissenschaften 5/6, Ethik, Biologie · In Tuttuno: Leseband-Deutschstunde, Strategie-Phase (lib/leseband.ts)

● Lautlesetandem15–20 min · partner · ueben

Trainer und Sportler lesen denselben Abschnitt viermal synchron halblaut.

  1. Erstlesung durch den Trainer.
  2. Vier synchrone Durchgänge, Fehler: tippen, wiederholen.
  3. Solo des Sportlers.

Wirkt: Leseflüssigkeit und Verständnis steigen messbar in acht Wochen. (National Reading Panel 2000; Rosebrock u. a. 2011; Rieckmann 2010.)

Falle: Text nach dem Trainer statt nach dem Sportler wählen.

Fächer: Deutsch, Sachunterricht, Deutsch, Englisch, fremdsprache · In Tuttuno: lib/leseband.ts

Begriffsnetz (Concept Map)15–25 min · partner · sicherung

Begriffe der Reihe auf Kärtchen, Pfeile mit beschrifteten Beziehungen.

  1. Acht bis zwölf Begriffe vorgeben.
  2. Zu zweit anordnen, Pfeile beschriften („führt zu“, „ist Teil von“).
  3. Zwei Netze vergleichen: Wo unterscheiden sie sich?

Wirkt: Strukturwissen wird sichtbar; besser als Zusammenfassung schreiben. (Nesbit & Adesope 2006 (Metaanalyse, d ≈ 0,6); Schroeder u. a. 2018.)

Falle: Pfeile ohne Beschriftung – dann ist es eine Wolke, kein Netz.

Fächer: Biologie, Chemie, Physik, Naturwissenschaften 5/6, Sachunterricht, Geschichte, Geografie, Politische Bildung, Gesellschaftswissenschaften 5/6, Ethik, Mathematik · In Tuttuno: noch nicht – Kandidat für die Sicherungsstunde am Reihenende

Pro-Contra-Debatte mit Rollentausch25–40 min · gruppe · erarbeitung, sicherung

Zwei Seiten, feste Redezeiten, nach der Hälfte Seitenwechsel – dann erst die eigene Meinung.

  1. Kontroversfrage, zwei Positionen mit stärkster Fassung.
  2. Vorbereitung in Gruppen mit Materialkarten.
  3. Runde 1: je zwei Minuten. Seitenwechsel. Runde 2.
  4. Erst danach: eigene begründete Position ins Heft.

Wirkt: Perspektivwechsel und Urteilsbildung; Beutelsbacher Kontroversität als Methode. (Johnson & Johnson 2009 (constructive controversy, Metaanalyse); Beutelsbacher Konsens 1976.)

Falle: Ohne Rollentausch – dann verteidigt jeder, was er vorher dachte.

Fächer: Geschichte, Geografie, Politische Bildung, Gesellschaftswissenschaften 5/6, Ethik, Deutsch · nicht in Mathematik (Mathematische Wahrheit ist keine Position.) · In Tuttuno: Fachstunden PB/Geschichte (Kontroversfrage in der Sicherung, lib/fachdidaktik.ts)

Gruppenpuzzle mit Prüfung30–45 min · gruppe · erarbeitung

Expertengruppen erarbeiten je einen Teil, Stammgruppen setzen zusammen – mit Einzeltest am Ende.

  1. Stammgruppen, jede Person bekommt ein Teilthema.
  2. Expertengruppen erarbeiten mit Material und Prüffragen.
  3. Zurück: jede Person lehrt ihren Teil.
  4. Kurztest für alle allein.

Wirkt: Wirkt nur mit individueller Verantwortung (Test) und guten Materialien; sonst nicht. (Aronson 1978; Stanczak u. a. 2022 (RCT: ohne Kontrolle kein Effekt); Slavin 1995 (Verantwortung + Gruppenziel).)

Falle: Ohne Einzeltest – die Experten erzählen, der Rest hört zu.

Fächer: Geschichte, Geografie, Politische Bildung, Gesellschaftswissenschaften 5/6, Ethik, Biologie, Deutsch · nicht in Mathematik (Verfahren lassen sich nicht in vier unabhängige Teile schneiden, ohne dass eines das Fundament der anderen ist.) · In Tuttuno: noch nicht

● Zufallsaufruf mit Denkzeit1–2 min · plenum · erarbeitung, sicherung

Frage, drei Sekunden für alle, dann eine Nummer per Zufall.

  1. Frage stellen, Hände unten.
  2. Drei Sekunden schweigen.
  3. Nummer ziehen; bei „weiß nicht“: „Wen fragst du?“ – dann zurück zur Person.

Wirkt: Alle denken mit, weil jede Person drankommen kann; Wartezeit verbessert Antworten. (Wiliam 2011 (no hands up); Rowe 1986; Dallimore u. a. 2013.)

Falle: Als Strafe einsetzen („Du warst unaufmerksam“) – dann ist es kein Lernen mehr.

Fächer: alle · In Tuttuno: Klassenraum-Werkzeuge (lib/werkzeuge.ts)

● Exit-Ticket ohne Namen3–5 min · einzel · exit

Eine Aufgabe, ein Zettel oder ein Tipp am Handy – anonym, in zwei Minuten ausgewertet.

  1. Eine Aufgabe zum Ziel der Stunde.
  2. Jeder allein, zwei Minuten.
  3. Auswertung: Anteil richtig. Unter 60 % → nächste Stunde beginnt damit.

Wirkt: Formatives Assessment mit Folge – die nächste Stunde ändert sich. (Black & Wiliam 1998; Wiliam 2011; Guskey 2007.)

Falle: Einsammeln und nie auswerten.

Fächer: alle · In Tuttuno: Live-Exit-Ticket, Warm-up-Steuerung (lib/stunde.ts)

Erklären für andere (Lernen durch Lehren)10–15 min · partner · sicherung

Ein Paar bereitet eine Erklärung für ein jüngeres Kind vor und hält sie – vor der Kamera oder dem Partner.

  1. Auftrag: „Erklär es einem Fünftklässler.“
  2. Vorbereitung mit Prüffragen.
  3. Erklärung halten, Zuhörer stellt zwei Fragen.

Wirkt: Die Erwartung, lehren zu müssen, verändert schon das Lernen; das Lehren selbst noch mehr. (Fiorella & Mayer 2013; Nestojko u. a. 2014.)

Falle: Vortrag vor der ganzen Klasse – dann bereiten sich nur die Vortragenden vor.

Fächer: alle · In Tuttuno: Erklärauftrag (lib/metakognition.ts)

Stationenbetrieb20–30 min · gruppe · ueben

Drei bis vier Stationen mit klarem Auftrag, feste Rotation nach Zeit.

  1. Stationen mit Karte, Material, Sicherheitspunkt.
  2. Vierergruppen, Rotation nach Ton.
  3. Abschluss im Kreis: eine Sache je Gruppe.

Wirkt: Maximiert aktive Zeit, wo Geräte oder Material begrenzt sind. (Sport: aktive Lernzeit als Prädiktor (Bailey u. a. 2009); sonst schwache Belege – organisatorisch, nicht didaktisch begründet.)

Falle: Stationen ohne Auftrag – dann ist es Beschäftigung.

Fächer: Sport, Biologie, Chemie, Physik, Naturwissenschaften 5/6, Sachunterricht, Kunst, Musik, Wirtschaft-Arbeit-Technik · nicht in Mathematik (Bewegungszeit ist in Mathematik kein Ziel; Stationen kosten Übungszeit ohne Gegenwert. Ausnahme: Geometrie mit Material.) · In Tuttuno: Sportstunden fürs Handy (lib/sport.ts)

Sprechen und Zuhören – Jahrgang 5 bis 10

Zuhören braucht einen Auftrag vor dem Hören (Rothkopf 1966; Anderson und Biddle 1975; Imhof 2003). Kurze, häufige Sprechanlässe schlagen das eine Referat (Cepeda und andere 2006; Dunlosky und andere 2013; Mercer und Littleton 2007). Rückmeldung zielt auf beobachtbares Verhalten, nicht auf die Person (Hattie und Timperley 2007; Kluger und DeNisi 1996). Zwang gegen Schweigen erhöht die Vermeidung (McCroskey 1977; Viana, Beidel und Rabian 2009).

Sprechanlass des Tages (erzaehlen): Nenne drei Dinge, die eine gute Zuhörerin tut, und sage zu jedem, woran man es sieht. · Hörauftragskarten zum Falten: beim Druckmaterial

Drei Minuten – der Kurzvortrag in der Gruppe

24 min · Jahrgang 5 bis 10

Ziel: Jedes Kind hält jede Woche einen Vortrag von drei Minuten – in der Vierergruppe, nicht vorne. So kommt jedes Kind dran, nicht eines je Stunde.

Hörauftrag: Jeder in der Gruppe hat eine Hörauftragskarte. Nach jedem Vortrag eine Minute Rückmeldung nach Raster.

MinuteWasAnsage – wörtlich
0 bis 2Gerüst und Thema zeigen, Sanduhren austeilen, Hörauftragskarten verteilen.„Drei Teile, drei Minuten. Das Gerüst steht an der Wand, die Satzanfänge dürft ihr abschreiben.“
2 bis 5Stichwörter in das Gerüst schreiben. Nicht ausformulieren – Stichwörter, höchstens acht.„Höchstens acht Wörter. Wer Sätze schreibt, liest sie nachher ab, und dann hört keiner zu.“
5 bis 21Vierergruppen, reihum. Je Kind drei Minuten Vortrag mit Sanduhr, danach eine Minute Rückmeldung.„Die Sanduhr läuft. Wenn sie durch ist, ist Schluss – auch mitten im Satz. Danach eine Minute Rückmeldung, ein Satz je Karte.“
21 bis 24Plenum: je Gruppe ein Satz, was in dieser Runde am besten gelungen ist.„Ein Satz je Gruppe. Sagt, was gut lief, nicht wer gut war.“

Das Gerüst an der Wand

Darum geht es
30 Sekunden
Worum geht es – in einem Satz?„Ich spreche über …“
Das ist der Kern
90 Sekunden
Was ist die Sache, und woran erkennt man sie?„Das Wichtigste daran ist …, und man erkennt es an …“
Das nehmt ihr mit
60 Sekunden
Was soll nach drei Minuten hängen bleiben?„Wenn ihr eine Sache behaltet, dann diese: …“

Die Rückmeldung – ankreuzen, was jemand beobachtet hat

Du hast gesprochen, und wir haben zugehört. Das war der Schritt, auf den es heute ankam. Für das nächste Mal eine Sache: Sprich zur Wand hinten, nicht zum Tisch. Dann trägt die Stimme von selbst.

Wer nicht sprechen will: Die Leiter der Auswege, von oben: Hörauftrag übernehmen, vorlesen, nur zum Partner sprechen, zu zweit vortragen, aufnehmen, fest auf nächste Woche verabreden. Jede Stufe zählt als gehaltener Vortrag. – „Heute musst du nicht vorne sprechen. Such dir aus: Karte und Rückmeldung, vorlesen, nur zu deinem Partner, oder zu zweit. Alles davon zählt.“

Beleg: Cepeda und andere 2006, Dunlosky und andere 2013 (verteiltes Üben statt eines Referats); Gibbons 2002 (Sprachgerüst); Hattie und Timperley 2007 (Rückmeldung auf beobachtbares Verhalten); McCroskey 1977 (Zwang erhöht die Vermeidung)

Sprechen und Zuhören – Jahrgang 1 bis 4

Vorlesen mit Hörauftrag · 10 min · Jahrgang 1 bis 4

Ziel: Zuhören mit einem Auftrag, der vor dem Vorlesen feststeht – und danach etwas mit dem Gehörten tun: ein Bild zeigen, ein Wort nennen, eine Handlung nachmachen.

Hörauftrag: Vor dem Vorlesen bekommt jedes Kind einen Auftrag: auf ein bestimmtes Tier achten, das Wort mit dem Laut der Woche merken oder die Stelle, an der sich etwas ändert.

MinuteWasAnsage – wörtlich
0 bis 1Auftrag sagen und an die Tafel zeichnen (Tier, Buchstabe oder Pfeil).„Hör gut zu. Du achtest nur auf das, was an der Tafel steht. Wenn du es hörst, hebst du den Daumen.“
1 bis 2Hörerwartung aufbauen: Titel und ein Bild zeigen, zwei Vermutungen hören.„Die Geschichte heißt so, und hier ist ein Bild daraus. Was glaubst du, passiert gleich?“
2 bis 6Langsam vorlesen, mit Pausen. An der Stelle des Auftrags kurz warten.„Ich lese jetzt vor. Daumen hoch, wenn du dein Wort hörst. Nichts reinrufen.“
6 bis 9Auftrag einlösen: zeigen, nennen oder nachmachen – zuerst zu zweit, dann zwei Kinder vor allen.„Sag deinem Partner, was du gehört hast. Dann zeigen zwei von euch es allen.“
9 bis 10Vermutung prüfen: Stimmte, was wir vorher dachten?„Wer hatte vorher etwas vermutet? War es so, oder kam es anders?“
  • Du hast genau auf deinen Auftrag gehört. – Schau während des Zuhörens auf das Zeichen an der Tafel. Dann vergisst du den Auftrag nicht.
  • Du konntest zeigen oder sagen, was du gehört hast. – Sag zuerst deinem Partner, was du gehört hast. Dann fällt es dir vor allen leichter.
  • Du hast vorher eine Vermutung gesagt. – Schau dir das Bild genau an. Was könnte gleich passieren? Ein Satz reicht.

Wer nicht sprechen will: Das Kind zeigt nur auf das Bild oder hält die Karte hoch, statt zu sprechen. Zeigen ist hier eine vollständige Antwort. – „Du musst nichts sagen. Zeig mir einfach auf dem Bild, was du gehört hast.“

Beleg: Rothkopf 1966 (Auftrag vor dem Hören); Imhof 2003 (Zuhören als lehrbare Strategie); Rahmenlehrplan Teil C Deutsch 2024, Standard 2.3 Niveau A und B (Gehörtes in Handlungen umsetzen, Hörerwartung aufbauen)

Der Erzählkreis mit Gerüst · 12 min · Jahrgang 1 bis 4

Ziel: Jedes Kind erzählt in drei Teilen – Anfang, Mitte, Ende – und die anderen hören mit Auftrag zu.

Hörauftrag: Wer zuhört, merkt sich eine Sache aus der Mitte der Erzählung und sagt sie danach mit eigenen Worten.

MinuteWasAnsage – wörtlich
0 bis 1Das Gerüst zeigen: drei Karten mit Anfang, Mitte, Ende und je einem Satzanfang.„Heute erzählst du in drei Teilen. Die Karten helfen dir: Zuerst …, dann …, am Ende …“
1 bis 3Thema nennen (etwas aus der Pause, ein Spiel, ein Tier) und still überlegen lassen.„Überleg dir still: Was war zuerst? Was kam dann? Wie ging es aus? Du hast eine Minute.“
3 bis 9Zu zweit erzählen, dann Wechsel. Wer zuhört, merkt sich die Mitte.„Erzähl deinem Partner. Wer zuhört, merkt sich, was in der Mitte passiert ist.“
9 bis 12Zwei Kinder geben die Mitte ihres Partners wieder, die erzählende Person nickt oder berichtigt.„Wer sagt uns, was bei seinem Partner in der Mitte passiert ist? Der Partner sagt dann, ob es stimmt.“
  • Deine Erzählung hatte einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. – Nimm die drei Karten in die Hand und lege nach jedem Teil eine weg.
  • Nach deinem ersten Satz wusste ich, worum es geht. – Fang mit dem Satz an: Ich erzähle von … Dann wissen alle, worum es geht.
  • Ich konnte dich gut hören. – Schau deinen Partner beim Erzählen an. Dann sprichst du von selbst deutlicher.
  • Du hast die Mitte deines Partners mit eigenen Worten gesagt. – Fang an mit: Bei dir ist in der Mitte … passiert.

Wer nicht sprechen will: Das Kind erzählt nur zu zweit und nicht vor allen, oder es zeigt mit den drei Karten, was zuerst, dann und am Ende war. – „Du erzählst heute nur deinem Partner. Vor allen sprichst du ein anderes Mal.“

Beleg: Becker 2011 (Kinder lernen erzählen, Erzählgerüst); Gibbons 2002 (Sprachgerüste); Rahmenlehrplan Teil C Deutsch 2024, Standard 2.1 Niveau B (über Dinge aus der Lebenswelt erzählen)

Zeigen und erzählen – ein Gegenstand in drei Sätzen · 15 min · Jahrgang 1 bis 4

Ziel: Einen Gegenstand vor der Gruppe vorstellen: Was ist es, wozu ist es da, warum habe ich es mitgebracht – in drei Sätzen mit Satzanfang.

Hörauftrag: Wer zuhört, stellt danach eine Frage zum Gegenstand, die noch nicht beantwortet wurde.

MinuteWasAnsage – wörtlich
0 bis 2Die drei Satzanfänge an die Tafel: Das ist … Man braucht es zum … Ich habe es mitgebracht, weil …„Du stellst deinen Gegenstand in drei Sätzen vor. Die Satzanfänge stehen an der Tafel.“
2 bis 4Zu zweit einmal üben, Partner zählt die Sätze mit den Fingern.„Probier es bei deinem Partner. Er zählt mit den Fingern: Sind es drei Sätze?“
4 bis 13In Vierergruppen: jedes Kind stellt vor, danach eine Frage aus der Gruppe.„Jetzt in der Vierergruppe. Nach jedem Vortrag stellt einer eine Frage, die noch offen ist.“
13 bis 15Rückblick: Welcher Satzanfang war am schwierigsten?„Welcher der drei Sätze war am schwierigsten? Zeig ihn an der Tafel.“
  • Du hast alle drei Sätze gesagt. – Schau auf die Tafel. Nach jedem Satz zeigst du auf den nächsten Satzanfang.
  • Du hast den Gegenstand so gehalten, dass alle ihn sehen konnten. – Halte den Gegenstand hoch vor deinen Bauch, nicht vor dein Gesicht.
  • Du hast mit weil gesagt, warum du ihn mitgebracht hast. – Nach weil kommt dein Grund. Übe den Satz vorher einmal leise.
  • Du hast die Frage aus der Gruppe beantwortet. – Wenn du die Antwort nicht weißt, sag: Das weiß ich nicht, ich frage zu Hause nach.

Wer nicht sprechen will: Das Kind zeigt den Gegenstand, und der Partner liest die drei Satzanfänge vor – das Kind ergänzt nur das letzte Wort. Auch das ist ein Vortrag. – „Dein Partner sagt die Satzanfänge, und du sagst nur das Ende. Das zählt genauso.“

Beleg: Gibbons 2002 (Satzanfänge als Gerüst); Hattie und Timperley 2007 (Rückmeldung auf Beobachtbares); Rahmenlehrplan Teil C Deutsch 2024, Standard 2.1 Niveau A und B (Inhalte mithilfe von Gegenständen vortragen, vorgegebene Redemittel nutzen)

Die Meinungsrunde mit weil · 12 min · Jahrgang 2 bis 4

Ziel: Eine Frage mit zwei Seiten besprechen: Jedes Kind sagt seine Meinung mit einem Grund, und wer danach spricht, knüpft an.

Hörauftrag: Merke dir einen Grund von jemand anderem, der dir gefallen hat – auch wenn du anderer Meinung bist.

MinuteWasAnsage – wörtlich
0 bis 1Frage mit zwei Seiten an die Tafel (Regen oder Schnee? Hausaufgaben am Montag oder am Freitag?), zwei Satzanfänge daneben.„Die Frage hat zwei Seiten. Du sagst deine Meinung mit weil: Ich finde …, weil …“
1 bis 3Still überlegen, dann zu zweit die Meinung und den Grund sagen.„Sag deinem Partner deine Meinung und deinen Grund. Hör seinen Grund genau an.“
3 bis 10Runde im Kreis mit Redestein: Wer spricht, knüpft an: Ich finde auch … oder: Ich finde nicht …, weil …„Wer den Stein hat, spricht. Fang an mit: Ich finde auch … oder: Ich finde nicht … Dann dein weil.“
10 bis 12Rückblick: Welcher Grund war gut, auch wenn es nicht deine Meinung ist?„Nenn einen Grund von jemand anderem, der gut war. Sag nicht, wer es war, sag nur den Grund.“
  • Du hast einen Grund mit weil gesagt. – Nach deiner Meinung kommt immer weil. Ohne weil ist es nur ein Wunsch.
  • Du hast an das angeknüpft, was vor dir gesagt wurde. – Fang an mit: Ich finde auch … oder: Ich finde nicht … Dann hören alle, worauf du antwortest.
  • Du hast nur gesprochen, als du den Stein hattest. – Halte die Hände still, solange jemand anderes den Stein hat. Deine Idee wartet.

Wer nicht sprechen will: Das Kind gibt den Stein weiter und sagt nur: Ich finde auch …, ohne Grund. Oder es zeigt mit dem Daumen, welcher Seite es zustimmt. – „Du kannst den Stein weitergeben oder nur mit dem Daumen zeigen, was du denkst.“

Beleg: Dawes, Mercer und Wegerif 2000 (Thinking Together: Regeln für gemeinsames Denken ab Klasse 2); Mercer und Littleton 2007; Rahmenlehrplan Teil C Deutsch 2024, Standard 2.2 Niveau B und C (Standpunkte benennen, eigene Standpunkte begründet vertreten)

Gesprächsregeln im Kreis – eine Regel je Woche · 8 min · Jahrgang 1 bis 4

Ziel: Eine Gesprächsregel wird eine Woche lang geübt und am Ende beobachtet: melden und warten, den anderen anschauen, ausreden lassen, an das Gesagte anknüpfen.

Hörauftrag: Zwei Kinder sind Beobachter: Sie zählen still, wie oft die Regel der Woche eingehalten wird.

MinuteWasAnsage – wörtlich
0 bis 1Die Regel der Woche mit Bild an die Tafel (zum Beispiel ein Ohr für Ausreden lassen).„Das ist unsere Regel für diese Woche. Wir üben heute nur diese eine.“
1 bis 2Die Regel einmal vormachen, einmal falsch mit einer Handpuppe oder einem Kuscheltier.„Schaut zu. Einmal richtig, einmal nicht. Was war anders?“
2 bis 7Kurzes Gespräch zu einem Anlass aus dem Klassenalltag; zwei Beobachter zählen.„Wir sprechen jetzt fünf Minuten. Die Beobachter zählen still, wie oft die Regel klappt.“
7 bis 8Die Beobachter sagen, wie oft es geklappt hat – ohne Namen.„Beobachter, wie oft hat es geklappt? Bitte ohne Namen.“
  • Du hast die Regel der Woche eingehalten. – Schau vor dem Sprechen auf das Bild an der Tafel. Es erinnert dich.
  • Du hast die Person angeschaut, die gesprochen hat. – Dreh deinen Stuhl ein kleines Stück zu der Person, die gerade spricht.
  • Als Beobachter hast du gezählt und keine Namen genannt. – Mach für jedes Mal einen Strich auf deinen Zettel. Namen schreibst du nicht auf.

Wer nicht sprechen will: Das Kind ist Beobachter statt Sprecher. Beobachten ist eine vollwertige Aufgabe in diesem Format. – „Heute bist du Beobachter. Du zählst, wie oft die Regel klappt.“

Beleg: Dawes, Mercer und Wegerif 2000 (Regeln für Gespräche werden gelehrt und geübt); Mercer und Littleton 2007; Rahmenlehrplan Teil C Deutsch 2024, Standard 2.2 Niveau A und B (Gesprächskonventionen berücksichtigen, vorgegebene Regeln für Gespräche beachten)

Sprachen vergleichen – ein Baustein je Doppeljahrgang

Freiwillig: Wer mag, bringt ein Wort aus einer anderen Sprache mit. Niemand wird nach seiner Sprache gefragt, und niemand notiert, wer welche spricht. Rahmenlehrplan Berlin-Brandenburg, Teil C Deutsch 2024, Standard 2.13 „Mehrsprachigkeit reflektieren und nutzen“ (Niveau A bis G); Cummins 2000 (Interdependenz der Sprachen); Gogolin 2008 (Der monolinguale Habitus der multilingualen Schule).

Wörter in unseren Sprachen · Jahrgang 1 und 2 · Niveau A und B · 10 min

Ziel: Wörter des Grundwortschatzes in den Sprachen der Klasse sagen und hören, dass es für eine Sache viele Wörter gibt.

  1. Ein Bild und das deutsche Wort an die Tafel (Hund, Haus, danke). „Das ist ein Hund. Auf Deutsch sagen wir der Hund. Wer mag, sagt uns, wie es in einer anderen Sprache heißt.“ (2 min)
  2. Wer mag, sagt das Wort in einer anderen Sprache; die Klasse spricht es nach. Die Lehrkraft schreibt nichts über das Kind auf. „Wir sprechen es alle nach. Du bist jetzt die Lehrerin oder der Lehrer für dieses Wort.“ (5 min)
  3. Wörter suchen, die in vielen Sprachen ähnlich klingen: Mama, Papa, Taxi, Ball. „Welche Wörter klingen in vielen Sprachen fast gleich? Hör genau hin.“ (3 min)

Beispiele, die stimmen: Mama und Papa klingen in vielen Sprachen fast gleich. Taxi, Bus und Ball kennen viele Sprachen so ähnlich.

Zahlwörter und Begleiter vergleichen · Jahrgang 3 und 4 · Niveau C · 12 min

Ziel: Zahlwörter und Artikel in verschiedenen Sprachen vergleichen und daraus etwas über das Deutsche lernen.

  1. Die Zahl 21 an die Tafel. Auf Deutsch: einundzwanzig – die Eins zuerst. Wer mag, sagt 21 in einer anderen Sprache. „Im Deutschen sagen wir zuerst die Eins, dann die Zwanzig. Wie ist es in deiner Sprache?“ (3 min)
  2. Tabelle: Einer zuerst oder Zehner zuerst? Die Klasse ordnet die genannten Sprachen ein. „Kommt bei dir zuerst die Eins oder zuerst die Zwanzig? Wir schreiben es in die Tabelle.“ (4 min)
  3. Begleiter: Hat die Sprache der, die und das? Nur einen Artikel? Gar keinen? „Im Deutschen hat jedes Nomen einen Begleiter: der, die oder das. Gibt es das in deiner Sprache auch?“ (5 min)

Beispiele, die stimmen: Deutsch: einundzwanzig (Einer zuerst). Arabisch: auch zuerst die Eins, dann die Zwanzig. Englisch: twenty-one. Türkisch: yirmi bir. Polnisch: dwadzieścia jeden. Russisch: двадцать один – dort zuerst die Zwanzig. Englisch hat einen Begleiter für alle: the. Arabisch hat al- für alle Nomen. Türkisch, Russisch und Polnisch haben keinen bestimmten Artikel.

Wörter wandern, Wendungen auch · Jahrgang 5 und 6 · Niveau D und E · 12 min

Ziel: Wörter finden, die das Deutsche aus anderen Sprachen hat, und Redewendungen vergleichen.

  1. Vier Wörter an die Tafel: Joghurt, Zucker, Gurke, Kiosk. Woher kommen sie? „Diese Wörter hat das Deutsche aus anderen Sprachen. Aus welchen, glaubst du?“ (4 min)
  2. Redewendung an die Tafel: „Ich verstehe nur Bahnhof.“ Was heißt das? Gibt es in deiner Sprache eine Wendung dafür? „Das heißt: Ich verstehe gar nichts. Wie sagt man das in einer anderen Sprache, die du kennst?“ (5 min)
  3. Die Klasse sammelt: Welche Wendung klingt wörtlich übersetzt am lustigsten? „Übersetze die Wendung Wort für Wort ins Deutsche. Klingt sie dann noch sinnvoll?“ (3 min)

Beispiele, die stimmen: Joghurt kommt vom türkischen yoğurt. Kiosk kommt über das Französische vom türkischen köşk. Zucker kommt über das Italienische vom arabischen sukkar. Gurke kommt aus dem Westslawischen, polnisch ogórek.

Wo steht das Verb? Satzbau vergleichen · Jahrgang 7 und 8 · Niveau E und F · 15 min

Ziel: Die Satzstellung des Deutschen mit anderen Sprachen vergleichen und dabei die Verbzweitstellung und die Verbklammer bewusst machen.

  1. An die Tafel: Heute spiele ich Fußball. Today I play football. „Vergleiche die beiden Sätze. Wo steht das Verb im Deutschen, wo im Englischen?“ (3 min)
  2. Wer mag, sagt denselben Satz in einer anderen Sprache. Die Klasse markiert, wo das Verb steht. „Wo steht bei dir das Verb: an zweiter Stelle, am Anfang oder am Ende?“ (5 min)
  3. Deutsch mit Verbklammer: Heute habe ich Fußball gespielt. Wo stehen jetzt die Teile des Verbs? „Das Deutsche teilt das Verb: eins an zweiter Stelle, eins am Ende. Welche Sprache macht das auch?“ (4 min)
  4. Merksatz ins Heft: Im deutschen Aussagesatz steht das gebeugte Verb an zweiter Stelle, egal was vorn steht. „Schreib den Merksatz ab und dazu einen eigenen Satz mit Zeitangabe vorn.“ (3 min)

Beispiele, die stimmen: Deutsch: Heute spiele ich Fußball – das Verb bleibt an zweiter Stelle. Englisch: Today I play football – das Subjekt steht vor dem Verb. Türkisch: Bugün futbol oynuyorum – das Verb steht am Satzende.

Wörter bauen und Sprache im Wandel · Jahrgang 9 und 10 · Niveau F und G · 15 min

Ziel: Wortbildung im Deutschen und im Türkischen unterscheiden und Sprachwandel an Lehnwörtern und Anglizismen beschreiben.

  1. An die Tafel: Haus – Häuser – in unseren Häusern. Türkisch: ev – evler – evlerimiz – evlerimizde. „Das Türkische hängt Endungen an ein Wort, das Deutsche baut mehrere Wörter. Was ändert sich im Deutschen am Wort selbst?“ (5 min)
  2. Anglizismen sammeln: downloaden, chillen, das Meeting. Wie beugt das Deutsche sie? Ich habe heruntergeladen oder downgeloadet? „Das Deutsche macht fremde Wörter zu deutschen Wörtern. Woran sieht man das?“ (5 min)
  3. Register: Wie sagt man dasselbe im Chat, zur Freundin, in einer Bewerbung? „Schreib einen Satz dreimal: im Chat, zu einer Freundin, in einer Bewerbung.“ (5 min)

Beispiele, die stimmen: Türkisch: ev (Haus), evler (Häuser), evlerimiz (unsere Häuser), evlerimizde (in unseren Häusern). Deutsch: das Haus, die Häuser, in unseren Häusern – Umlaut, Endung und eigene Wörter.

Wenn jemand nicht sprechen will – die Leiter der Auswege

Zwang ist hier nicht nur unfreundlich, sondern wirkungslos: Wer Redeangst hat, vermeidet danach stärker (McCroskey 1977), und beim selektiven Mutismus ist Schweigen ein Angstsymptom und kein Widerstand (Viana, Beidel und Rabian 2009). Jede Stufe zählt als erbrachte Leistung.

1. Zuhören mit AuftragDas Kind bekommt die Hörauftragskarte und gibt danach die Rückmeldung. Das ist kein Ersatzplatz: Die Rückmeldung ist selbst eine Sprechleistung und wird so gewertet.„Heute hast du den Hörauftrag. Am Ende sagst du deinen Satz aus der Karte.“
2. Vorlesen statt frei sprechenDas Kind liest vor, was es aufgeschrieben hat. Der Text trägt, nicht der Mut.„Lies einfach vor, was auf deinem Blatt steht. Das reicht völlig.“
3. Zu zweit statt vor der GruppeDas Kind spricht nur zu seinem Partner, nicht zu den vier anderen. Der Partner meldet der Gruppe, was er gehört hat.„Sag es nur deinem Partner. Den Rest übernimmt er.“
4. Zu zweit sprechenDas Paar bereitet zusammen vor, der Partner beginnt, das Kind ergänzt einen Satz oder zeigt am Bild mit. Zeigen ist auch Erklären.„Ihr macht das zu zweit. Du zeigst, dein Partner spricht – und wenn du magst, sagst du einen Satz dazu.“
5. Aufnehmen statt liveDas Kind spricht seine drei Minuten zu Hause oder auf dem Flur auf das eigene Gerät. Die Gruppe hört die Aufnahme. Die Aufnahme bleibt auf dem Gerät des Kindes und wird nach dem Anhören gelöscht; Tuttuno speichert nichts davon.„Du kannst es aufnehmen und wir hören es zusammen an. Die Aufnahme bleibt bei dir.“
6. Fest verabredet auf nächste WocheKein „vielleicht irgendwann“, sondern ein Termin mit Format und Gruppe. Wer einmal ausgesetzt hat, weiß, wann er dran ist – das nimmt die Angst vor dem Überraschtwerden.„Heute nicht. Nächste Woche bist du mit derselben Gruppe dran, das steht fest.“

Was nie passiert

  • Nach einem Nein nicht vor der Klasse nachfragen. Das Warum wird später unter vier Augen besprochen, nicht vor 28 Zuhörenden.
  • Keine Note als Druckmittel und keine angekündigte Sechs für Schweigen.
  • Nicht auf das Schweigen aufmerksam machen: kein Kommentar, kein Blick in die Runde, kein Warten, bis es still wird.
  • Nicht auslosen, wer vorne spricht, solange jemand in der Klasse Angst davor hat.
  • Schweigt ein Kind über Wochen in allen Fächern, ist das kein Fall für Zureden: Klassenleitung ansprechen und Beratung anbieten.

Der Weg zurück nach oben: Die Leiter hilft im Moment, auf Dauer hält Vermeiden die Angst am Leben. Für Kinder gibt es die Präsentationstreppe: fünf Stufen von allein bis vor der Klasse, Karten gegen Redeangst, ohne Aufnahme und ohne Konto (Ebrahimi und andere 2019, g = 0,74).

Bewertung, falls die Lehrkraft eine braucht

Schüchternheit ist keine schwache Leistung. Wer leise spricht, weil er Angst vor der Situation hat, zeigt nicht weniger Können, sondern weniger Mut in diesem Moment – und Mut ist kein Bewertungskriterium. Bewertet wird nur, was in dem Format beobachtbar war, das dem Kind vorher bekannt war, und jeder Ausweg aus der Leiter zählt als erbrachte Leistung: Wer über die Aufnahme abgibt, wer vorliest, wer zu zweit vorträgt oder wer den Hörauftrag übernimmt und die Rückmeldung gibt, hat die Leistung erbracht. Häufigkeit gehört nicht in die Bewertung; ein Kind, das dreimal im Halbjahr spricht und dabei jedes Mal begründet, ist nicht schwächer als eines, das jede Stunde etwas sagt. Die Kriterien werden zu Beginn des Halbjahres ausgehängt (Berlin: Sek I-VO § 19, sonstige Leistungen; § 58 SchulG Berlin), und die Zuhörleistung zählt gleichrangig mit der Sprechleistung – sonst bewertet man Lautstärke.

KriteriumTrägtTeilweiseNoch nicht
VerständlichkeitAlles war bis zum letzten Platz zu hören, das Tempo ließ mitdenken.Das meiste war zu hören, an einzelnen Stellen musste man nachfragen.Mehrere Stellen waren nicht zu hören oder zu schnell.
AufbauAnfang, Mitte und Ende waren erkennbar, der erste Satz sagte das Thema.Der Aufbau war erkennbar, ein Teil fehlte oder kam doppelt.Die Teile kamen in wechselnder Reihenfolge.
Belegen und BegründenJede Aussage hatte einen Grund oder ein Beispiel.Die meisten Aussagen hatten einen Grund.Gründe wurden erst auf Nachfrage genannt.
Auf andere eingehenBeiträge schlossen an das Gesagte an und griffen es auf.Beiträge schlossen meist an.Beiträge standen nebeneinander.
Zuhören mit AuftragDer Auftrag wurde erfüllt, die Rückmeldung nannte eine Stelle.Der Auftrag wurde erfüllt, die Rückmeldung blieb allgemein.Der Auftrag wurde nicht bearbeitet.

Was hier ausdrücklich nicht bewertet wird

  • Wie oft sich jemand von sich aus meldet.
  • Wie laut oder wie leise jemand von Natur aus spricht.
  • Ob jemand gern vorne steht oder lieber sitzt.
  • Wie sicher oder wie nervös jemand wirkt.
  • Ob jemand in der Gruppe die meiste Redezeit hat.
  • Aussehen, Kleidung, Frisur und die Stimme als Eigenschaft – bewertet wird, was jemand tut, nicht wie jemand aussieht oder klingt.

Schulen in schwieriger Lage

Keine anderen Methoden als anderswo – aber andere werden wichtiger, und einige beliebte schaden. Belege überwiegend aus USA/England; die Startchancen-Begleitforschung hat noch keine Wirkungsdaten. Methoden mit ● oben sind dafür belegt.

Routinen vor InhaltenIn Klassen mit viel Unruhe entscheidet die Klassenführung über die Lernzeit; klare, geübte Abläufe (Beginn, Materialausgabe, Übergänge) wirken auf Verhalten UND Leistung, am stärksten bei den schwächsten Lernenden.
In Tuttuno: Feste Stundenstruktur, Bühne mit Phase/Zeit, Stundenuhr, Zufallsaufruf, Geräuschampel – jede Stunde beginnt gleich.
Korpershoek u. a. 2016 (Metaanalyse Klassenführung, g ≈ 0,2 Leistung, stärker sozial-emotional); Marzano 2003; Evertson & Emmer.
Explizit vor entdeckendAnfänger und Kinder mit wenig Vorwissen lernen mit direkter Instruktion (Vorführen, geführtes Üben, Abruf) deutlich mehr als mit offenen Formaten; der Effekt ist bei benachteiligten Gruppen am größten.
In Tuttuno: Musterbeispiel → gemeinsam → allein; Stil-Regler kann auf „klassisch“ stehen; 3-Act nur als Option.
Stockard u. a. 2018 (Metaanalyse Direct Instruction über 50 Jahre, g ≈ 0,5–0,6); Kirschner, Sweller & Clark 2006.
Sprache in jeder StundeBei hohem Anteil Sprachlernender ist Fachsprache die Hürde, nicht der Stoff: Wortspeicher, Satzanfänge, mündliches Erklären wirken über alle Fächer.
In Tuttuno: Sprachsensible Variante als Gate je Stunde, Wortspeicher und Satzbausteine, Partnerphase mit Prüffragen, Lesestrategie bei Sachaufgaben.
EEF Toolkit „Oral language interventions“ (+6 Monate); Beck, McKeown & Kucan 2013 (robuste Wortschatzarbeit); Gibbons 2002 (Scaffolding).
Hochdosiertes Üben in KleingruppenKleingruppen-Tutoring (drei- bis viermal je Woche, feste Person) gehört zu den wirksamsten Maßnahmen überhaupt; einmal wöchentlich wirkt kaum.
In Tuttuno: Basis-Gruppe mit Starthilfe, Rolle der zweiten Person, Matheband täglich – die Dosis liefert die Schule, Tuttuno das Material.
Nickow, Oreopoulos & Quan 2020 (Metaanalyse, d ≈ 0,37); EEF „Small group tuition“ (+4 Monate).
Beziehung als Bedingung, nicht als BeiwerkLehrer-Schüler-Beziehung korreliert stabil mit Leistung und Verhalten; bei Kindern mit wenig Unterstützung zu Hause ist sie der stärkste Schutzfaktor in der Schule.
In Tuttuno: Rituale, Rundgang, 2×10, Klassenrat (lib/beziehung.ts); Vorfallkatalog mit Verhältnismäßigkeit statt Strafe.
Cornelius-White 2007 (Metaanalyse, r ≈ 0,3); Roorda u. a. 2011.
Keine Ranglisten, keine BloßstellungWas an Gymnasien Wettbewerb ist, ist hier Rückzug: Wer ohnehin hinten liegt, steigt aus. Fortschritt nur gegen sich selbst.
In Tuttuno: Live-Quiz ohne Rangliste, Stationen mit Nummern, Lesekurve nur für das Kind.
Deci, Koestner & Ryan 1999; Dweck 2006 (Selbstbezugsnorm).

Was nicht wirkt – und deshalb nicht gebaut wird

Lerntypen (visuell/auditiv/…)Es gibt keinen Beleg, dass Unterricht nach „Lerntyp“ etwas bringt – die Zuordnung selbst ist nicht messbar.Pashler u. a. 2008; Willingham u. a. 2015.
Ungeführtes EntdeckenOhne Führung lernen Anfänger weniger; geführtes Entdecken (Beispiel, dann Frage) wirkt.Kirschner, Sweller & Clark 2006; Alfieri u. a. 2011 (Metaanalyse).
Gruppenarbeit ohne EinzelverantwortungOhne Einzeltest oder eigene Aufgabe arbeitet einer und drei sehen zu.Slavin 1995; Stanczak u. a. 2022.
Ranglisten und Punkte-BelohnungenSenken intrinsische Motivation bei den Schwächeren; kurzfristiger Effekt, langfristig gegenteilig.Deci, Koestner & Ryan 1999; Hanus & Fox 2015.
Wiederlesen und Markieren als LernmethodeFühlt sich nach Lernen an, hält nicht – Abruf und verteiltes Üben schlagen es deutlich.Dunlosky u. a. 2013 (Übersicht).
Brain-Gym, Lernstile-Tests, „Multiple Intelligenzen“ als MethodeKeine Wirkungsbelege; Zeit, die dem Üben fehlt.Hyatt 2007; Waterhouse 2006.