Schreibmappe: Eine Erzählung mit Spannungsbogen
Name: ____________________ · Datum: ____________
Der Schlüssel im Gully
Es war ein grauer Dienstag im November. Jonas kam als Erster aus der Schule, denn seine Eltern arbeiteten bis sechs Uhr. Den Wohnungsschlüssel trug er wie immer an einem Band um den Hals.
Vor der Haustür zog er das Band über den Kopf. In diesem Moment rutschte der Schlüssel vom Haken. Er sprang einmal auf dem Pflaster auf, rollte zur Bordsteinkante und verschwand mit einem leisen Klirren im Gully. Jonas starrte auf das Gitter. Unten, zwischen nassen Blättern, glänzte etwas Silbernes. „Das darf nicht wahr sein“, flüsterte er. Seine Hände wurden kalt. Er legte sich auf den Bauch und schob zwei Finger durch das Gitter, aber der Schlüssel lag zu tief.
Da fiel ihm das Kaugummi in seiner Jackentasche ein. Er kaute es weich, drückte es an das Ende eines langen Stocks aus der Hecke und ließ den Stock langsam hinunter. Er hielt den Atem an. Dann zog er ihn vorsichtig hoch. Der Schlüssel klebte daran.
Als seine Mutter am Abend nach Hause kam, lag der Schlüssel auf dem Küchentisch. Jonas erzählte nichts, aber am nächsten Tag kaufte er einen Karabinerhaken.
Suche zu jedem Punkt die Stelle im Text
- Die Einleitung sagt, wer, wo und wann – und wie es normalerweise ist.
- Den Höhepunkt erzähle ich in Zeitlupe, mit Gedanken und Gefühlen.
- Ich erzähle durchgehend im Präteritum: rutschte, sprang, flüsterte.
- Meine Sätze fangen verschieden an.
- Der Schluss ist kurz und zeigt, was danach anders ist.
Meine Merkhilfe: Die Geschichtenfragen
- Wer?
- Wo?
- Wann?
- Was will die Figur?
- Was passiert?
- Wie geht es aus?
- Wie fühlt sich die Figur?
- Zeitlupe: sehen, hören, denken, fühlen
Mein Plan: Erzählkurve mit Zeitlupen-Stelle
Mein Thema: ______________________________________________
- Einleitung: Wer? Wo? Wann? Was ist normal?
- Das Problem: Was geht schief?
- Höhepunkt in Zeitlupe: Was sieht, hört, denkt, fühlt die Figur?
- Wendung: Wie löst die Figur das Problem?
- Schluss: Was ist danach anders? (ein bis zwei Sätze)
Wörter und Satzanfänge
Satzanfänge: Es war · Als · In diesem Moment · Gerade als · Da · Langsam · Erst jetzt · Am nächsten Tag
Präteritum starker Verben: fallen – fiel, rufen – rief, greifen – griff, ziehen – zog, halten – hielt, liegen – lag, schieben – schob
Mit allen Sinnen: Ich hörte ein Klirren., Es roch nach nassem Laub., Das Gitter war eiskalt., Etwas glänzte.
Meine eigenen Wörter:
Was ich mir beim Schreiben sage
- Was soll ich schreiben, und für wen?
- Zuerst mache ich meinen Plan. Dann schreibe ich.
- Ich schaue auf meinen Plan. Was kommt als Nächstes?
- Ich lasse mir Zeit. Ein Satz nach dem anderen.
- Habe ich alle Teile aus dem Raster?
- Das habe ich geschafft. Den Teil kann ich schon.
Textlupe – für die Schreibkonferenz
Text von: ______________ · Rückmeldung von: ______________
Fragen zum Raster – wähle eine für deinen Tipp
- Weißt du nach der Einleitung, wer, wo und wann?
- Welche Gedanken und Gefühle stehen im Höhepunkt?
- Wo rutscht ein Verb in die Gegenwart?
- Fangen zwei Sätze hintereinander gleich an?
- Was ist nach der Geschichte anders?
So kannst du anfangen: Mir gefällt der Satz …, weil … · Ich habe nicht verstanden, … · Kannst du genauer sagen, …? · Beim Kriterium … fehlt mir noch … · Vielleicht könntest du an der Stelle … noch …
| Mein Text … | Entwurf noch nicht · zum Teil · geschafft | Endfassung noch nicht · zum Teil · geschafft |
|---|---|---|
| 1. Die Einleitung sagt, wer, wo und wann – und wie es normalerweise ist. | ☐ ☐ ☐ | ☐ ☐ ☐ |
| 2. Den Höhepunkt erzähle ich in Zeitlupe, mit Gedanken und Gefühlen. | ☐ ☐ ☐ | ☐ ☐ ☐ |
| 3. Ich erzähle durchgehend im Präteritum: rutschte, sprang, flüsterte. | ☐ ☐ ☐ | ☐ ☐ ☐ |
| 4. Meine Sätze fangen verschieden an. | ☐ ☐ ☐ | ☐ ☐ ☐ |
| 5. Der Schluss ist kurz und zeigt, was danach anders ist. | ☐ ☐ ☐ | ☐ ☐ ☐ |
Meine Schreibkurve
Entwurf: ___ von 5 Punkten · Endfassung: ___ von 5 Punkten
Für die Lehrkraft
Rahmenlehrplan: Niveaustufe C bis D (Jahrgang 5: C bis D), Standard „sprachliche Mittel und Zeitformen gezielt auswählen und nutzen; einen Text sinnvermittelnd aufbauen und dabei das erzählenswerte Ereignis ins Zentrum stellen“. Schreibformen 5/6: „Schreibplan, formeller Brief, Textgliederung, Erzählung, Bericht“.
Leser: Die Erzählungen gehen als gebundenes Heft an eine Parallelklasse, die zurückschreibt, welche am spannendsten war.
Vormachen in Stunde 2: Der letzte Bus
Überarbeiten vormachen in Stunde 5 (Kriterium 3): vorher „Der Schlüssel rutschte vom Haken und fällt in den Gully. Jonas legt sich auf den Bauch.“ – nachher „Der Schlüssel rutschte vom Haken und fiel in den Gully. Jonas legte sich auf den Bauch.“
Der besondere Moment: Die Parallelklasse bekommt die Erzählungen ohne Namen und schreibt zu jeder einen Satz zurück: An dieser Stelle hielt ich den Atem an.
Merkhilfe: Deutsche Fassung der SRSD-Geschichtenfragen „W-W-W, What = 2, How = 2“ (Harris, Graham, Mason und Friedlander 2008); in deutschen vierten Klassen erprobt von Glaser und Brunstein 2007. Belege: Glaser und Brunstein 2007; Graham und Perin 2007; Feilke 2012 (Textprozeduren). Rahmenlehrplan 1–10 Berlin-Brandenburg, Teil C Deutsch (2015), RLP-Online: bildungsserver.berlin-brandenburg.de/rlp-online/c-faecher/deutsch/kompetenzen-und-standards und …/themen-und-inhalte, abgerufen am 23.09.2026.